Kreis Kaiserslautern
Trockenheit trifft die Landwirte hart
Die Natur stellt die Bauern Jahr für Jahr vor Herausforderungen. Das gehört dazu, sie können damit normalerweise umgehen. Was sich aber gerade auf Feld, Wiese und Weide abspielt, ist eine Nummer zu groß. Die Dürre zeigt auch in der Westpfalz Grenzen auf, wie sie bislang keiner kannte. „Es ist verheerend, was da auf uns zurollt“, bringt es Jürgen Vogelgesang, der Kreisbauernvorsitzende, für sich und seine Berufskollegen auf den Punkt. Im Vergleich zu den drei Trockenjahren vor 2021 sei die Situation diesmal deutlich schlimmer.
„Wir haben so gehofft, noch einen dritten Grasschnitt einfahren zu können“, sagt Vogelgesang und blickt auf eine sich andeutende Futterknappheit. Wo allerdings der Boden bis in tiefe Schichten ausgetrocknet ist, das Gras versengt und vertrocknet niederliegt, da gibt es nichts zu mähen. „Da müsste es schon gut sechs Tage lang am Stück regnen, damit es auf den Wiesen wieder grün wird!“ Doch Regen ist derzeit nicht in Sicht – weder eine ausreichende Menge von 50 bis 100 Litern, verteilt auf ein paar Tage, noch überhaupt ein bisschen Nass von oben. Der Bauer sagt trotzdem – so wie es seinem optimistischen Naturell entspricht – „vielleicht haben wir ja doch Glück und es kommt was“.
Regen alleine wird nicht reichen
Dabei weiß er nur zu gut: Regen alleine wird nicht reichen. Das Grünland ist mittlerweile derart vom fehlenden Wasser gestresst und geschädigt, dass die Bauern noch gar nicht absehen können, was auf sie zukommt. „Reicht es nachzusäen oder müssen wir alles umbrechen und neu einsäen?“ Eine Ungewissheit, die Vogelgesang als heftig bezeichnet und die so oder so ins Geld gehen wird.
Und es ist nicht das einzige dunkle Loch, das den Bauern den Blick nach vorne erschwert. Wer Vieh hält, muss füttern. Wer Vieh im Sommer 2022 auf den Weiden hat, muss zufüttern. Auf den Flächen ist das nahrhafte Grün längst abgefressen. Also fahren die Bauern Futter raus, das eigentlich für den Winter gedacht war. Sie brauchen die Reserven auf, die bis zum Frühjahr reichen müssen – solange, bis es wieder frisches Futter gibt. Das alleine sorgt für schlaflose Nächte, zumal die letzte große Hoffnung, doch noch weitere Futtervorräte einfahren zu können, draußen auf dem Acker gerade den Rückwärtsgang einlegt: Der Mais fängt an zu vertrocknen.
Mais als letzte Hoffnung
„Mais ist die letzte Hoffnung“, formuliert Vogelgesang die Dramatik, die sich ob der anhaltenden Trockenheit gerade abspielt. Sonne pur und kein Regen in Sicht: Das macht diese letzte Chance zunichte. Der Mais hat lange gut dagestanden, zumindest auf den etwas besseren Böden. Aber auch er kommt nicht ganz ohne Wasser aus. Also fängt auch er an zu vertrocknen, ohne vernünftige Maiskolben angesetzt zu haben.
„Wenn es nicht regnet, müssen wir wohl nächste Woche die Notbremse ziehen und ernten, was noch geht“, weiß der Bauer, dass er dann zwar Futter einfahren wird, aber es wird nicht die erwartete und benötigte Menge sein. An eine gute Qualität (Rohprotein, Stärkegehalt) kann ohne die Kolben gar nicht erst gedacht werden. Eine Aussicht, die für ihn beängstigend ist.
Boden kaum zu bearbeiten
Auch sonst hält die brennende Sonne nichts Gutes für die Landwirtschaft bereit. Mussten die Bauern doch schon bei einem Teil des notreif gewordenen Getreides früher ernten als geplant. Trotzdem spricht Jürgen Vogelgesang, der Landwirt aus Martinshöhe, davon, dass die Westpfalz in der Getreideernte mit einem blauen Auge davongekommen sei – mit Ausreißern nach oben und nach unten.
Normalerweise sieht man nach der Ernte die Bauern emsig bei der Bodenbearbeitung und der Vorbereitung für die nächste Saat. Das geht bei dem staubtrockenen Boden, der dazu noch knochenhart ist, allerdings kaum. Der Kraftaufwand des Schleppers, der Dieselverbrauch und der Geräteverschleiß stehen in keinem Verhältnis mehr. Mal davon abgesehen, dass es außer großen, weithin sichtbaren Staubwolken der Ackerkrume gerade nichts bringt. „Wir sind zum Nichtstun verdammt“, lautet hier die Auskunft des Bauernvorsitzenden. Auch die Aussaat von Raps, die allmählich ansteht, erfolgt nicht. „Das macht keinen Sinn, der Raps keimt nicht ohne Wasser, und wenn er doch keimt, dann verbrennt er gleich wieder!“ So bleibt ihm und seinen Kollegen nur die Hoffnung auf Regen, der bislang aber noch nicht in Sicht ist. Der Bauer ist dennoch längst noch nicht gewillt, den Kopf in den heißen Sand zu stecken. Das Zeitfenster für die Aussaat des Wintergetreides sei immerhin noch ein bisschen offen.