Landstuhl
Tierarzt: Ein Nachfolger fürs Großvieh ist gefunden
Wenn die Kuh einen Arzt braucht, Schaf und Schwein krank sind und das Pferd lahmt, ist das für die Besitzer schon schlimm genug. Problematisch wird es in Regionen, in denen kaum noch Tierärzte auf die Höfe, in die Stallungen und auf die Weiden kommen, um nach den Tieren zu sehen. Siegfried Schulz, der zusammen mit seiner Frau Kirsten Schulz in Landstuhl neben einer Kleintier- noch eine Großtierpraxis betreibt, zählt fast schon zu den Exoten. Er betreut in den Kreisen Kaiserslautern, Pirmasens, Kusel und bis hinein ins Saarland das Vieh der Bauern, ist für die Pferde und ihre Halter da, kommt, wenn er gebraucht wird – und sei es mitten in der Nacht. Allerdings nicht mehr lange. Ende Juni hört er als Großvieh-Arzt auf.
Pawicki übernimmt
„Irgendwann ist halt mal Schluss“, sagt er. Nach gut 35 Jahren als Tierarzt hat Schulz schon länger beschlossen, nur noch seine Frau in der Kleintierpraxis zu unterstützen. Natürlich hat er einen Nachfolger gesucht – und das nicht erst seit gestern. Es sah für die großen Tiere der Region und vor allem für die Bauern, die auf einen Tierarzt angewiesen sind, lange schlecht aus. „Tierärzte, die sich um Pferde kümmern, gibt es“, grenzt Schulz die Lage ein. Er sagt, dass es zumindest in seinem bisherigen Wirkungskreis kaum noch ein Schwein im Stall gibt. Aber was kann der Bauer machen, wenn bei seinen Kälbern und Rindern vorgeschriebene Impfungen oder Blutproben anfallen, was, wenn die Tiere krank werden?
Die gute Nachricht: Tierarzt Konrad Pawicki tritt in die Fußstapfen von Siegfried Schulz. Er übernimmt den Part als Großviehtierarzt, wird den Bauern und Pferdebesitzern in Zukunft zur Seite stehen.
Bürokratie bereitet Probleme
Die Frage, ob der Tierarzt rechtzeitig oder ob überhaupt kommt, beschäftigt viele Viehhalter nicht nur in der Region. Bundesweit sind die Tierärzte quasi selbst zum Notfallpatienten geworden, obwohl an den fünf veterinärmedizinischen Bildungsstätten in Deutschland (Berlin, Leipzig, Gießen, München, Hannover) mehr Studienplätze nachgefragt werden, als Plätze da sind. Das sind aber längst zu wenige Plätze, für die über die Jahre angestiegenen Erwartungen und Ansprüche an die Veterinäre, sagt Siegfried Schulz. Von Tierärzten werde eine ständige Verfügbarkeit bei der Notfallversorgung von Heim- und Nutztieren sowie von Pferden genauso erwartet, wie der Einsatz im Tierschutzsektor oder die Sicherung rückstandfreier Lebensmittel. Bei all den gewachsenen Aufgaben hat sich obendrein die Bürokratie nicht gerade verschlankt. „Die ist zu 100 Prozent mehr geworden“, vergleicht Schulz mit seinen Anfängen. Seit Anfang 2023 sei mit dem Antibiotikamonitoring ein weiterer Bereich auf die Tierärzte zugekommen. Seitdem gilt die Meldepflicht für den Antibiotikaeinsatz bei allen Rindern, Schweinen und Geflügelarten.
Dabei sind die bereits akribisch vom Staat eingeforderten sonstigen Dokumentationen ohnehin schon umfangreich. Da muss etwa die Wartezeit für Fleisch und Milch nach einer Medikation genauso dokumentiert werden wie die Menge der verwendeten Betäubungsmittel.
Schwere körperliche Arbeit
Für Schulz gibt es einen weiteren Aspekt, der zu immer weniger Tierärzten im Großviehbereich führt. Es sei teils schwere körperliche Arbeit, die ihm als Mann schon einiges abverlange. Kolleginnen, die sich dafür entscheiden, würden in der Regel nach ein paar Jahren wieder aussteigen. Verständlich, sagt Schulz, verweist aber auf das eigentliche Problem: Um die 90 Prozent der Veterinärstudenten sind Frauen – und das schon seit vielen Jahren. „Wir brauchen eine Männerquote“, bringt es der scheidende Großvieh-Arzt für sich auf den Punkt.
Ende Juni ist für Siegfried Schulz in seiner Großtier-Praxis Schluss. Er will zukünftig seine Frau in der Kleintierpraxis unterstützen und wenn Not am Doc ist, die Vertretung für seinen Nachfolger in der Großtierpraxis übernehmen. Seit April ist Konrad Pawicki, ein 35-jähriger Tierarzt aus Polen, bereits an der Seite von Schulz. Pawicki, Vater von drei kleinen Kindern, dessen Frau ebenfalls Tierärztin und gerade auf dem Weg zur Humanmedizinerin ist, lebt in Homburg. Zuvor war er neun Jahre lang in einer saarländischen Tierpraxis tätig. „Ich komme aus der Landwirtschaft“, erzählt Pawicki. Er weiß, worauf er sich einlässt, hat aber eine Bitte vor allem an jene Pferdehalter, die gerne auf „angesagte“ Pferde-Ärzte zurückgreifen und nur im äußersten Notfall die Nummer der Tierärzte aus der Region wählen. „Unterstützen Sie die Tierärzte, die noch vor Ort sind.“