Bruchmühlbach-Miesau RHEINPFALZ Plus Artikel Spezialist für Präzisionswerkzeuge: Die Firma Wolf ist weltweit tätig

Der Firmensitz der Unternehmensgruppe in Bruchmühlbach-Miesau.
Der Firmensitz der Unternehmensgruppe in Bruchmühlbach-Miesau.

Die Firma Wolf mit Sitz in Bruchmühlbach-Miesau ist Spezialist für Präzisionswerkzeuge. Zu den Kunden gehören weltweit agierende und große Namen. Viele der im Landkreis gefertigten Produkte helfen beim Abheben.

Als Firmengründer Horst Wolf sein Lebenswerk 1985 aus der Traufe hob, hätte er selbst wohl am wenigsten ahnen können, wohin der Weg führen sollte. Angefangen hatte er damals in einer kleinen Garage auf dem noch heute genutzten Gelände mit einer kleinen Schleiferei. An eine große Produktionsstätte war in den 1980ern jedenfalls nicht zu denken. Seitdem ist der Standort kräftig gewachsen. Aus einer kleinen Halle wurden über die Jahre mehrere Gebäude. Heute sind dort rund 140 Mitarbeiter beschäftigt. „Wir stellen alles her, was sich aus Hartmetall fertigen lässt“, erläutert Betriebsleiterin Claudia Schäfer.

Neben dem Standort in Bruchmühlbach-Miesau, der sich in die Sparten Werkzeugtechnologie und Wolf Coding & Parts gliedert, gehören auch Werke in Bochum, China und Indien zum Unternehmen. Auch von dort erreichen die in den Werkshallen gefertigten und anschließend beschichteten Werkzeuge Kunden in aller Welt: von den Vereinigten Staaten über China bis hin zu Indien reicht der Kreis.

Metallwerkzeuge besonders in der Medizin gefragt

„Der Medizinbereich ist unser größter Abnehmer“, berichtet Schäfer. Gerade in der Zahnmedizin seien die Metallwerkzeuge besonders gefragt. In Dentallaboren werden diese genutzt, um Zahnersatz durch Schleifen in Form zu bringen und an den Patienten anzupassen. Doch auch für künstliche Kniegelenke seien solche Komponenten unabdingbar. Die dafür benötigten Werkzeuge werden in Bruchmühlbach selbst veredelt. Genutzt werden dafür unter anderem Silizium und Chrom. Bei manchen Werkzeugen muss sich sogar das geübte Auge anstrengen, um die Details zu erkennen.

Komplexe Maschinen beschichten hier kleinste Werkzeuge wie Bohrer.
Komplexe Maschinen beschichten hier kleinste Werkzeuge wie Bohrer.

Nicht nur hierbei zeigt sich, wie komplex der Herstellungsprozess ist. Auch das sogenannte Coating, also die Beschichtung, sei äußerst anspruchsvoll. „Diese wird nicht nur im Bereich Schmuck verwendet, sondern auch in Landmaschinen“, sagt die Betriebsleiterin. Beim Beschichten sei Geduld gefragt. Zwischen sechs und zehn Stunden dauere es, bis sich die ungefähr drei Mikrometer dicke Schicht unter Vakuum und einer hohen Temperatur um das jeweilige Werkzeug legt. Die bei der Werkzeugherstellung genutzten Modellzeichnungen werden vor Ort entworfen. Nur bei der Herstellung bleibt es bei der Firma Wolf nicht. „Wir produzieren dieses nicht nur, sondern werten bereits genutztes Werkzeug wieder auf.“

Biokompatible Beschichtungen

Zu den Kunden gehören große Namen: der Autozulieferer Schaeffler, Bosch und der Technologiekonzern ZF. Letzterer sei der größte Kunde des Unternehmens. Trotz der vielen Kunden bleibe die integrierte Schleiferei ein Nischenprodukt. In Deutschland gebe es in dieser Größe nur wenige. Um beispielsweise beim Zahnersatz die größtmögliche Sicherheit zu bieten, seien die für Fräswerkzeuge genutzten Beschichtungen allesamt biokompatibel. Das bedeutet: Im direkten Kontakt mit lebendem Gewebe haben sie keinen negativen Einfluss auf den Stoffwechsel. In Sachen Medizinprodukte zählt übrigens Island zu den größten Abnehmern. Doch nicht nur in den Inselstaat, sondern auch nach Mexiko, Brasilien und China werden die Metallerzeugnisse verkauft. Insgesamt exportiert das Unternehmen von der Westpfalz aus in rund 20 Länder. Um mit der Konkurrenz aus Fernost mithalten zu können, setzt das Unternehmen auf Innovationen und neue Technologien. Nur so könne man standhalten – gerade mit Blick auf den Kostendruck an den deutschen Produktionsstätten.

Gefragt seien die Metall-Bauteile auch beim Flugzeugbauer Airbus. „Wir sind an jedem A320neo beteiligt“, sagt Schäfer. Wolf beliefert ein in München ansässiges Unternehmen, das auf die Herstellung und Instandhaltung von Triebwerken für die zivile und militärische Luftfahrt spezialisiert ist, mit Schneidwerkzeugen.

Wolf will weiter wachsen

Auf diesen Erfolgen möchte sich die Unternehmensgruppe jedoch nicht ausruhen. Im Januar vergangenen Jahres übernahm Wolf eine auf Feinmechanik spezialisierte Firma im saarländischen Heusweiler – inklusive der 45 Angestellten. Die Wolf-Gruppe soll noch weiter wachsen: „Wir beabsichtigen, weitere Mitarbeiter zu beschäftigen und den Umsatz zu steigern.“ Die gewohnte Struktur und die drei Produktionsbereiche Werkzeuge, Oberflächentechnik und Teilefertigung sollen dabei aufrechterhalten werden.

In dieser Produktionshalle stellt das Unternehmen Spezialwerkzeuge und andere Komponenten aus Metall her. Zu den Kunden zählt au
In dieser Produktionshalle stellt das Unternehmen Spezialwerkzeuge und andere Komponenten aus Metall her. Zu den Kunden zählt auch ein großer Name in der Luftfahrtbranche.

Um dieses Vorhaben personell stemmen zu können, sei das Unternehmen auch auf Auszubildende angewiesen. „Wir bilden in neun Berufen aus“, erzählt Schläfer – beispielsweise zum Dreher, Fräser oder Schleifer. Einfach sei die Suche nach neuen Mitarbeitern jedoch nicht. Wenn sie jedoch erstmal gewonnen werden konnten, blieben die meisten. Viele der heute noch im Unternehmen beschäftigten Angestellten seien Eigengewächse und seit vielen Jahrzehnten im Betrieb. Ändern soll sich daran auch zukünftig nichts: „Es gilt, das deutsche Know-how zu erhalten, um sich so von anderen Industrienationen abzugrenzen“, sagt Schäfer.

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