Frankenstein RHEINPFALZ Plus Artikel Seit zehn Jahren vermittelt die Riesenschnauzer-Nothilfe Hunde

Mehr als 40 Pflegehunde haben Siegfried und Bärbel Biehler betreut. Von Riesenschnauzer Tara konnten sie sich nicht mehr trennen
Mehr als 40 Pflegehunde haben Siegfried und Bärbel Biehler betreut. Von Riesenschnauzer Tara konnten sie sich nicht mehr trennen. Auch Zwergschnauzer-Mischling Tilly gehört zur Familie.

Die Riesenschnauzer-Nothilfe zieht nach ihren ersten zehn Jahren Bilanz. Mehr als 600 Schnauzer und deren Mixe wurden in dieser Zeit vermittelt. Gelernt haben die Macher jedoch am meisten über das Wesen Mensch.

Große Hunde, die im Tierheim landen, kommen da schwerer wieder raus als kleine Hunde. Tragen sie obendrein noch ein schwarzes Fell, ist Hundekummer programmiert. Nun, Riesenschnauzer sind meist schwarz, immer groß und selten wirklich einfach – keine gute Kombination, zumindest nicht für den Fall, wenn ein Tier raus aus der Familie muss.

Da tut Hilfe Not, war der Gedanke, der zur Gründung der Riesenschnauzer-Nothilfe (RSN) führte. Betroffene Tiere sollten erst gar nicht im Tierheim landen, sondern gezielt über Menschen mit Erfahrung vermittelt werden. Den Gründern war dabei von Anfang an klar, dass ein rassetypischer Verein auch den Mittel- und Zwergschnauzern sowie deren Mixen zur Fellseite stehen muss.

Zwölf Freunde gründen den Verein

Zwölf Schnauzerfreunde haben im Jahr 2010 den Verein gegründet und sich viel vorgenommen. Ein eigenes Tierheim, wie es einige der örtlichen Tierschutz-Organisationen haben, besaß der Verein nie. Hunde in Not kommen in eine Pflegestelle, werden von dort vermittelt und in der neuen Familie auch nachbetreut. Das mit den Pflegestellen war dabei von Anfang an ein Engpass. Daran hat sich nichts geändert. Nicht mehr als 20 Pflegestellen stehen dem Verein aktuell in ganz Deutschland zur Seite, wie Siegfried Biehler aus Frankenstein, der Sprecher der RSN, bedauernd feststellt.

Seit Gründung wirken Siegfried Biehler und seine Frau Bärbel bei dem bundesweiten und über die Grenzen hinaus aktiven Verein mit. Die beiden haben mehr als 40 Pflegehunde betreut, die anschließend vermittelt werden konnten. „Das hat jedes Mal Tränen gekostet“, gesteht Biehler. Während Bärbel Biehler als zweite Vorsitzende agiert und in der Hundevermittlung tätig ist, kümmert sich ihr Mann um die Öffentlichkeitsarbeit. Dass im Zuhause der beiden seit gut 20 Jahren Riesenschnauzer leben, die Zuneigung zu den Riesen somit schon lange vor der Vereinsgründung gegeben war, erklärt das nicht immer leichte Engagement.

Vom Pflegehund zum Familienmitglied

Heute gehört neben der zweijährigen Riesenschnauzer-Hündin Tara auch das Zwergschnauzer-Mix-Mädchen Tilly zur Familie. So ganz geplant war diese Konstellation eigentlich nicht, jedenfalls nicht, was Tara angeht, gibt Biehler zu. Als fünf Monate altes und ziemlich krankes Hundemädchen wurde sie abgegeben, zog als Pflegehund bei den Biehlers ein. Nach einigen Klinikaufenthalten war der Hund soweit, dass er eigentlich vermittelt werden konnte. Konnte er dann aber doch nicht! „Wir haben Tara behalten und wurden zu Pflegestellenversagern“, gibt Biehler lachend zu, dass so etwas immer wieder passiert. Bei Tilly war es in Frankenstein zuvor auch schon geschehen. Für Hunde, die in Pflegefamilien bleiben, bedeutet das wohl einen Sechser im Lotto. Für den Verein jedoch, dass meist wieder eine Pflegestelle verloren ist.

Auch Hundebesitzer werden beraten

Die Gründe dafür, dass Hunde neue Familien brauchen, sind vielfältiger Natur. Die einen haben nie eine richtige Familie gehabt, werden rumgereicht oder sind Streuner. Andere kommen aus schlechter Haltung oder der Besitzer verstirbt und es gibt natürlich auch jene, die ihre Besitzer überfordern und so zu Problemhunden werden. Hier versucht der Verein zunächst dahingehend zu helfen, dass der Mensch sein Verhalten hinterfragt und unter Anleitung verändert. „Es hat sich als schwierig erwiesen, Menschen, die einen Hund aus Verhaltensgründen abgeben wollen, dahingehend zu beraten, dem Hund eine Chance zu geben“, sagt Biehler.

Im Ausland ist der Verein nur noch in wenigen Ländern tätig. Lediglich aus Ungarn, der Slowakei, aus Polen und Russland werden Hunde nach der Zusammenarbeit mit einheimischen Schnauzer-Hilfsorganisationen übernommen.

In den zehn Jahren RSN haben laut Biehler die kleinen Hunde die großen finanziert und so den Verein am Leben gehalten. „Riesenschnauzer verursachen nun mal die meisten Kosten, darunter auch die Einsätze der Hundetrainer“, erläutert Biehler, der hofft, in Zukunft noch die eine oder andere Pflegefamilie zu finden. Mehr Informationen gibt es im Internet.

x