Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Ristorante Da Nino seit 30 Jahren im Sportheim

Familiensache: Für Rosa Triola, Francesca Dainotti, Maria Dainotti, Eleonora Dainotti, Leonardo Dainotti und Nicklas Werner (von
Familiensache: Für Rosa Triola, Francesca Dainotti, Maria Dainotti, Eleonora Dainotti, Leonardo Dainotti und Nicklas Werner (von links) ist das Ristorante Da Nino etwas ganz Besonderes.

Zwei kleine Kinder halten sich an der Hand. Auf einem Foto sind der achtjährige Leonardo und die zweijährige Maria zu sehen. Es ist der Tag der Heirat von Leonardo Dainottis Onkel Nino mit Maria Triolos Tante. Die Szene spielt in Sizilien, der Heimat der beiden Familien. Seit 1999 sind Maria (45) und Leonardo (52) selbst ein verheiratetes Paar. „Das war wohl vorprogrammiert“, meint der Pächter des Sportheims schmunzelnd. Seit 30 Jahren ist er Inhaber des Ristorante Pizzeria Da Nino. Wie alles kam? Unter Sizilianern ist vieles Familiensache.

„Im August 1984, als ich 14 Jahre alt war, hat mich mein Onkel für zwei Wochen aus Sizilien zum Urlaub mit nach Deutschland genommen“, erzählt Leonardo, der von Freunden und Familie Aldo genannt wird. „Seitdem bin ich hier.“ Was als Ferienreise für den Teenager geplant war, wurde zum Daueraufenthalt. „Ich habe meine Mutter angerufen und gesagt: Ich bleibe hier!“ Natürlich war auch Amore im Spiel. Aldo hatte sich in die 16-jährige Küchenhilfe seines Onkels verliebt, der zu dieser Zeit Pächter des Kegelcenters auf der Landstuhler Atzel war. „Dadurch hat mir Deutschland gut gefallen“, blickt der humorvolle 52-Jährige auf seine Anfangszeit zurück. „Ich habe vergeblich nach Straßen mit Löchern gesucht. Wo gibt es das?“, fragte sich der junge Mann. In Sizilien sei das ganz anders, auch heute noch. In Deutschland habe er zum ersten Mal Schnee gesehen und einen richtigen Winter erlebt.

Ins kalte Wasser geschmissen

Doch wie kam Aldo zum SV Miesenbach? Onkel Nino führte für einige Zeit ein Ristorante in Lauterecken. Das war Aldo zu weit zu fahren. Hans Schumacher, der damalige Verkaufsleiter der BBK Brauerei Kaiserslautern, fragte den Onkel, ob er jemanden wüsste, der als Pächter für das Miesenbacher Sportheim in Frage käme. „Na, klar“, lautete die Antwort. Zunächst übernahm der Onkel selbst die Vereinsgaststätte. Aldo erinnert sich: „Nach kurzer Zeit wurden ich und eine Küchenhilfe ins kalte Wasser geschmissen.“ Der Onkel hatte nach zwei Monaten „keine Lust mehr“. Er wollte für immer zurück in seine sizilianische Heimat. Mit gerade einmal 22 Jahren wurde Leonardo Dainotti am 1. Februar 1992 Inhaber des Ristorante Am Kiefernkopf. Warum heißt das Sportheim heute noch immer Da Nino? „Im Keller lagen haufenweise Werbematerial, Kugelschreiber und Streichholzschachteln mit dem Aufdruck ,Da Nino’. Der Name spielte trotz Inhaberwechsel keine Rolle, bis heute nicht.“

Seit ihrer Heirat 1999 ist Maria Dainotti in Miesenbach mit von der Partie. Ristorante liegt auch bei ihr in der Familie. „Bei uns haben irgendwie alle mit Ristorante zu tun“, sagt die 45-Jährige. Ihre Mutter Rosa Triolo (65) ist eine „sehr gute Köchin“. Maria hat von ihr das Kochen gelernt. Die beiden Frauen zaubern in der Küche leckere, original italienische Gerichte. Bis zu Marias Heirat führten Mutter und Tochter das Ristorante „Isola Bella“ auf dem Einsiedlerhof, während der Vater in der Spinnerei Lampertsmühle bei Erfenbach als Gabelstaplerfahrer arbeitete.

„Das hier ist wie unsere Familie“

Die Weichen für eine lange gemeinsame Zukunft mit dem Sportverein und den Dainottis sind bereits gestellt. Zwei Töchter, Francesca (21) und Eleonora (15), hat das Paar. Bei Eleonora steht die Schule noch im Vordergrund. Francesca arbeitet seit 2019 im Sportheim als Bedienung. Sie spielt mit dem Gedanken, eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau zu beginnen. „Das macht richtig viel Spaß hier. Nur Corona raubt mir die Lust“, sagt die 21-Jährige. Als Vater-Sohn-Verhältnis bezeichnen der langjährige Erste Vorsitzende des SV Miesenbach, Werner Nicklas, und Aldo Dainotti ihr Miteinander. Von einem „gegenseitigen Riesenvertrauen“ spricht Nicklas.

„Als der Corona-Lockdown kam, haben wir in einer Ausschusssitzung sofort einstimmig beschlossen, dass wir die Miete komplett aussetzen.“ Nach anderthalb Jahren kam Dainotti auf den Verein zu und bot von sich aus an, dass er jetzt die Miete wieder zahlen könne. Wenn die Familie von der großen Unterstützung während der schwierigen Lockdown-Zeit seitens des Vereins, der Straußbuwe, des Ortes, der Politik berichtet, stockt Leonardo Dainotti vor Rührung auch schon einmal die Stimme. Miesenbacher hätten angerufen, um Mut zuzusprechen und gefragt, wie sie am besten helfen können. „Das hier ist wie unsere Familie“, sagt Tochter Francesca überzeugt und Leonardo Dainotti fügt an: „Wir wohnen seit September 2000 in Reichenbach-Steegen, aber zuhause sind wir hier.“

Im Sommer feiern wie 1992

Zur Feier der 30-jährigen Verbundenheit will der SV Miesenbach mit den Dainottis eine große Jubiläumsparty abhalten. Für Sonntag, 10. Juli, ist ab 11 Uhr ein Fest auf der Außenanlage des Sportvereins geplant. Auch die Nostalgie soll nicht zu kurz kommen: Es gelten Getränkepreise wie vor 30 Jahren. Und jeder soll sich so anziehen, wie es 1992 Mode war.

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