Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Richtig frische Milch gibt es selten

Er kennt sich bestens aus im Milchgeschäft: Rund 100 Milchkühe – die Jungtiere mitgezählt 250 Rinder – hält Jürgen Vogelgesang a
Er kennt sich bestens aus im Milchgeschäft: Rund 100 Milchkühe – die Jungtiere mitgezählt 250 Rinder – hält Jürgen Vogelgesang auf seinem Hof.

Die offene, grüne Nord- und Westpfälzer Landschaft kommt nicht von ungefähr. Es ist das Maulwerk der Rinder. Die Landschaftspflege ist die sichtbare Seite ihres Wirkens. Die Milch gehört aber auch dazu. Zum Tag der Milch am 1. Juni gibt es einen Blick auf Milchviehbetriebe und auf Köstlichkeiten.

„Die Milch macht’s!“ Noch vor gut 30 Jahren kannte jeder diesen Slogan, selbst wenn er gar kein Freund der Milch war. Damals flimmerte Werbung mit dynamisch bewegten Sportlern, die sich frische Milch mit Schwung ins Glas schwappen ließen, ziemlich häufig über den Bildschirm. Das Bewusstsein für das Gute an der Milch war geschult.

„Der Satz war immer gut. So eine Werbung fehlt heute“, bedauert Jürgen Vogelgesang, Vorsitzender im Kreisbauernverband Kaiserslautern, dass es keine zentrale Werbung für Milch mehr gibt. Die CMA, die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft, hatte den prägenden Satz über die Milch rausgehauen. Nur, die CMA, die gibt es schon seit 2009 nicht mehr. Milchbauern und die Milch natürlich schon. Ein paar zumindest.

Im Kreis Kaiserslautern und im Kreis Kusel ist die Anzahl auf jeweils deutlich unter 50 Milchkuhhalter gerutscht. In der Südwestpfalz einschließlich der Stadt Zweibrücken sind es keine 100 Milchkuhbetriebe mehr. Überschaubar, genau wie die rund 10.000 Milchkühe, die sich auf die Betriebe in der Nord- und Westpfalz verteilen.

„Die Mehrzahl müht sich ab“

Auch Jürgen Vogelgesang aus Martinshöhe gehört zu den Milchviehhaltern, hat rund 100 Milchkühe, von denen in der Regel 70 bis 80 im großen offenen Laufstall vom Roboter gemolken werden. Mit Jungvieh kommt der Landwirt auf etwa 250 Rinder. Zu den Großen zählt er damit nicht. Zwar gibt es in der Nord- und Westpfalz auch Betriebe, die täglich gut 200 Kühe melken, aber wirklich groß sind die auch nicht.

„Die Mehrzahl unserer Bauern müht sich mit 25 bis 30 Kühen ab, einige haben noch weniger“, erläutert Vogelgesang die Größenordnung in der Region. Zum Vergleich: Im Norden und Osten Deutschlands gibt es Ställe mit mehr als 1000 Milchkühen, in anderen Ländern sind die Dimensionen noch größer.

Die verbliebenen bäuerlichen Betriebe in der Region, sie werden weiter weniger. „Die Betriebe finden keinen Hofnachfolger, die Kosten laufen davon, der Aufwand steht für viele in keinem Verhältnis mehr“, weiß der Kreisvorsitzende, was draußen die Bauern umtreibt. Ihm geht es nicht viel anders. Auch wenn er vor einigen Jahren in die Zukunft und in einen großen offenen Laufstall mit Melkroboter investiert hat.

Steigende Kosten machen es den Milchbauern schwer

Aktuell bewegt sich der Basispreis, den er für seine Milch erhält, bei knapp über 33 Cent pro Kilo Milch, die Produktionskosten für Milch liegen laut Vogelgesang bei 27 Cent. „2008 war der Milchpreis noch schlechter, wir hatten aber mehr Geld am Jahresende“, weist der Landwirt auf einen Kostenfaktor hin, der in der Landwirtschaft davonrennt. Wenn die Kosten für die Technik, das Futter, die Betriebsstoffe, die CO2-Abgabe immer weiter explodieren, nütze es nicht einmal, dass die Kühe heute mehr Milch geben als noch vor Jahren.

All das belastet den Bauern, für den ein Glas frische Milch noch immer das „Non-Plus-Ultra“ ist. Nicht nur, weil es mit das am besten kontrollierte Lebensmittel am Markt ist, sondern weil es gesund ist und einfach schmeckt. Das sagt der 49-Jährige, der sich seit seinem 16. Lebensjahr auch um Milchvieh kümmert.

Frischmilch selber zapfen

So wirklich frisch gibt es die Milch allerdings heute kaum noch, meist ist sie behandelt und haltbar gemacht. In Gerhardsbrunn bei der Landwirtschaftsfamilie Guhl ist Frischmilch noch zu haben. Die kann sogar 24 Stunden lang am Automaten selbst gezapft werden. Die gekühlte Frischmilch können die Guhls anbieten, weil der Automat direkt am Hof steht. Milchautomaten, die nicht unmittelbar bei den Kühen stehen, dürfen nur pasteurisierte Milch beinhalten. Die schmeckt auch, mit ihr lässt sich aber nicht so gut selbst Käse, Dickmilch oder Joghurt herstellen. Und der gute Pudding oder der hausgemachte Eierlikör nach Sandra Guhls Art natürlich auch nicht. Die Rezepte verrät sie nicht, solche Köstlichkeiten aus Milch gibt es bei ihr im Hofladen oder auf dem Markt zu kaufen. Dafür hat sie den Tipp parat, dass sauer gewordene Rohmilch auf keinen Fall entsorgt werden sollte. „Die Rohmilch ist ja Natur, da wird dann Sauerrahm draus, und damit lässt sich etwa die Soße gut binden.“

Auf dem Bauernhof der Familie Guhl in Gerhardsbrunn gibt es ganz frische Milch am Automaten.
Auf dem Bauernhof der Familie Guhl in Gerhardsbrunn gibt es ganz frische Milch am Automaten.
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