Weilerbach
Prozess: Wie Zeugen den Moment beschreiben, als der mutmaßliche Mörder auftauchte
Ab Dienstagmittag, 9. März, steht bei dem 39-jährigen Kaiserslauterer Elektromechaniker das Handy nicht mehr still. Er erfährt, dass sein Freund von Hunderten Polizisten gesucht wird und hört die Nachrichten: Zwei Leichen sind auf einem Hof zwischen Weilerbach und Hirschhorn entdeckt worden, von einem Gewaltverbrechen ist die Rede. Auf dem Hof lebt jener Freund, der 38-Jährige, den die Polizei jagt. Er könnte bewaffnet sein, heißt es. Als der 39-Jährige die schwer bewaffneten Beamten sieht, die die Zufahrt zu dem betroffenen Anwesen abriegeln, begreift er die Nachrichten, die er hört. Was sie bedeuten könnten, noch lange nicht. „Mein erster Gedanke war, das ist eine Verwechslung. Sie suchen irgendjemanden, nicht ihn. Das war unvorstellbar.“
Der 39-jährige Lauterer war einer von zahlreichen Zeugen, die zum Prozessauftakt am Landgericht Kaiserslautern am Mittwoch aussagten. Die beiden Männer sind seit der sechsten Klasse befreundet. Der Weilerbacher muss sich wegen Mordes an seiner 60-jährigen Mutter aus Habgier und Mordes an deren 65-jährigem Lebenspartner aus Heimtücke sowie schwerer Brandstiftung verantworten. Auslöser soll ein langer Konflikt zwischen Mutter und Sohn gewesen sein über die Arbeitsteilung am Hof und vor allem den geplanten Hofverkauf, den die Mutter anstrebte, der Sohn fürchtete.
Beste Kumpels, die sich aushalfen
Keiner kennt den mutmaßlichen Doppelmörder so gut wie dieser Mann. Sie sind beste Kumpels, sagte er, halfen sich gegenseitig aus, hatten gemeinsam eine kleine Firma für Veranstaltungstechnik. Auch die Frauen waren befreundet. Der 39-Jährige kümmert sich um den Sohn des Angeklagten, er ist der Patenonkel. Er selbst habe zunächst noch während der zwei Fluchttage des Freundes die Polizei angerufen und erklärt, dass er nicht wisse, wo der Gesuchte stecke, schilderte er bei Gericht. Doch als der Lauterer an jenem Donnerstag, 11. März, vormittags zum zweiten Mal auf sein Werksgelände kommt, habe er eine Stimme gehört. „Guten Morgen.“ Mehr habe sein Freund aus Weilerbach in jenem Moment nicht gesagt. „Er sah nicht gut aus, zerzaust.“ Die Ehefrau des 39-Jährigen, zuvor ebenfalls im Zeugenstand, meinte: „Er war halb verhungert.“
„Wir wollten uns nicht strafbar machen“
Der so plötzlich Aufgetauchte habe noch eine Pizza bestellen wollen. Doch den Wunsch wollte ihm das befreundete Ehepaar, wie es sagte, nicht erfüllen. „So lange wollten wir nicht warten.“ Sie gaben ihm alles zu essen, was der Kühlschrank hergab und besprachen sich offenbar allein, was jetzt zu tun sei. „Wir wollten uns nicht strafbar machen“, sagte die 32-Jährige. Womöglich einem Mörder Unterschlupf bieten, doch das sagte sie nicht. Gefragt vom Vorsitzenden Richter Raphaël Mall, ob die im Raum stehende Tat in diesen ein, zwei Stunden auf dem Werksgelände angesprochen wurde, sagte sie, dass sie das aus Furcht vor möglichen Reaktionen nicht tun wollte. Es sei aber ein Anwalt gesucht worden. „Und wir hatten Angst, dass in jedem Moment Polizisten das Gelände stürmen. Plötzlich war es wie in einem Tatort.“ Dazu kam es nicht. Das Ehepaar fährt an jenem Donnerstag, darüber waren sich offenbar alle drei einig, den Freund auf direktem Weg zur Polizeistation in der Gaustraße. „Im Auto war es still, sehr still. Nur seine Frau hat er angerufen.“ Zuvor habe er noch all seine Schlüssel auf ihren Tisch gelegt und ihnen erklärt, „welcher für was ist“. Es sah für sie nach Abschied aus. An der Polizeistation stieg nur der spätere Zeuge aus, bat um ein Gespräch abseits des Betriebs am Eingang der Polizeistation. Als der Name des Flüchtigen fiel, schnappten die Beamte den Mann im Auto, wo er mit der Frau gewartet hatte. Am Donnerstag, 9 Uhr, geht der Prozess weiter.