Kreis Kaiserslautern Professionelle Nabelschau
Vielerorts schließen Geburtshilfeabteilungen aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit. Das ist im Nardini-Klinikum St. Johannis in Landstuhl kein Thema. Hier können Schwangere nach wie vor fest darauf bauen, bei der Niederkunft gut aufgehoben zu sein. Und weil es den Nachwuchs nicht kümmert, ob Feiertage sind oder nicht, haben sich an Heiligabend gleich zwei Babys auf den Weg aus Mamas Bauch gemacht.
Anders als das Jesuskind haben es beide neugeborenen Mädchen warm und kuschelig und sind auf der Geburtshilfeabteilung in bester Obhut. 23 Hebammen helfen hier jährlich etwa 800 Babys auf die Welt – manchmal sogar im Akkord. Ihr Beruf ist so dicht am Herzschlag der Gesellschaft wie kaum ein anderer. Zusammen mit sechs Kinderkrankenschwestern sorgen die Hebammen dafür, dass es den Neuankömmlingen und ihren Müttern gut geht. „Jede Geburt ist etwas ganz Besonderes und für die Eltern einer der größten Momente im Leben“, sagt Hebamme Sabine van Riel. „Damit sie und ihr Nachwuchs sich aneinander gewöhnen können, brauchen sie viel Zeit und Ruhe für sich.“ Die wird ihnen gegeben. Denn längst ist es vorbei mit den Zeiten, als die Mutter-Kind-Stunden noch strikt reglementiert waren. Auch die Väter werden mit einbezogen. Dafür stehen Familienzimmer zur Verfügung. „Da können die frischgebackenen Eltern schon mal üben, eine Familie zu sein und ihr Baby rund um die Uhr zu versorgen.“ Auf der Station herrscht eine freundliche Atmosphäre. Es geht heimelig zu, selbst die drei Kreißsäle sind Wohlfühlräume. Der Klapperstorch, der am Eingang postiert ist, empfängt die Besucher und ist Symbol zugleich. Tausende von Babys haben hier ihren ersten Schrei getan. „Die werdende Mutter kann wählen, in welcher Position sie ihr Kind zur Welt bringen möchte. Im Liegen, sitzend, stehend oder im Wasser. Alles ist möglich, auch ein Wechsel der Stellung. Hauptsache, die Frauen fühlen sich wohl dabei“, sagt Monika Mader, Chefärztin der Gynäkologie. Nach dem Prinzip der integrierten Wochenbettpflege sind die Hebammen im Kreißsaal und auf der Station tätig. Etliche der Mütter kennen sie bereits. „Wir bieten regelmäßig Kreißsaalführungen an und geben dabei wichtige Informationen zur Entbindung. Und auch nach der Geburt sind wir noch für sie da. Wir machen Hausbesuche, helfen bei Problemen und Fragen und halten diverse Kurse wie etwa das Babyschwimmen ab.“ Familiennah vernetzt, fungieren die Hebammen so als Ratgeberinnen, Vertraute, Gesundheitsexpertinnen und geben auch Ernährungstipps. „Denn noch immer glauben manche Frauen, dass sie während der Schwangerschaft für zwei essen müssen. Das ist falsch. Der Kalorienbedarf erhöht sich nur um etwa 40 Kalorien und in den letzten drei Monaten gerade mal um 250“, räumt die Chefärztin mit einem Mythos auf. Gleichzeitig rät sie eindringlich, die Schwangerschaft nicht nur auf dem Sofa zu verbringen, sondern weiterhin sportlich aktiv zu sein. „Eine Geburt ist äußerst anstrengend. Je fitter eine Frau ist, desto besser ist sie gewappnet.“ Um eine sichere Geburtshilfe vorzuhalten, sind über die Station hinaus etliche Bereiche eingebunden, auch das Labor und die Anästhesie. „Das nahe Beieinander im Haus ist ein wertvoller Vorteil. Es ermöglicht ein effektives Hand-in-Hand-Arbeiten“, sagt Mader. Um weiterhin auf einem guten Weg zu bleiben, stehe demnächst ein Umbau der Kreißsäle und Wochenstation an. Dabei sollen sowohl die Technik als auch die Ausstattung modernisiert werden – ohne etwas von der familiär-freundlichen Atmosphäre zu nehmen.