Kreis Kaiserslautern
Pflegekindern ein Zuhause bieten
Beim Kreisjugendamt Kaiserslautern gibt es seit 2007 einen auf Pflegekinder spezialisierten Dienst. Pädagogische Fachkräfte beschäftigen sich mit Pflegekindern sowie allen Personen und Bereichen, die mit diesen in Zusammenhang stehen. Rund 170 Pflegekinder betreute das Kreisjugendamt im November. Die Anzahl verändert sich ständig. „Die Pflegefamilien und Pflegekinder erhalten von uns während der gesamten Dauer des Pflegeverhältnisses Beratung, Unterstützung und Hilfe“, sagt Diplom-Sozialarbeiterin Marietta Gläser. Gemeinsam mit Denise Cullmann, Nicole Hager, Petra Joeckel und Carolin Meyer ist das Team unter der Fachbereichsleitung von Diplom-Pädagoge Thorsten Haferanke für die Pflegekinder im Kreis zuständig. „Wir suchen geeignete Familien, die den Kindern ein Zuhause auf Zeit oder auf Dauer bieten möchten. Diese Familien werden bei mehrfachen Treffen und in ausführlichen Gesprächen auf ihre Aufgabe vorbereitet“, erläutert Haferanke.
Auch für Familienmodelle abseits der traditionellen Vorstellungen
Die alleinerziehende Patricia Mayer (55), zwei ihrer drei leiblichen Söhne und zwei Pflegekinder – Mädchen im Alter von 16 und zehn Jahren – leben zusammen in Rodenbach. Mayer arbeitet als Erzieherin in der evangelischen Kindertagesstätte in Weilerbach. „Meine Eltern hatten bereits Pflegekinder. Mit denen bin ich quasi groß geworden“, erzählt sie. „Je älter ich wurde, umso mehr hatte ich den Wunsch, dass ich das auch einmal machen möchte.“ Ihre Eltern standen viele Jahre als Bereitschaftspflegefamilie zur Verfügung. Diese Form der Hilfe ist eine Übergangslösung für Kinder, deren Zukunftsperspektive noch geklärt werden muss. Marietta Gläser betreute die Eltern damals und eröffnete, dass es auch für Familienmodelle abseits der traditionellen Vorstellungen von Vater-Mutter-Kind Möglichkeiten gibt, eine Pflegeelternschaft zu übernehmen. Das sei lange unvorstellbar gewesen, erinnert sich Patricia Mayer. Sie war 2010 die Erste im Kreis Kaiserslautern, die als Alleinerziehende ein Pflegekind aufnehmen durfte. „Das war eine meiner besten Entscheidungen“, sagt sie.
Susanne Schäfer (44) wohnt mit ihrer Lebenspartnerin Petra Reuther (46) in Weilerbach. Gemeinsam mit einem leiblichen Sohn, 13 Jahre alt, leben zwei Jungs im Alter von fünf Jahren und nicht ganz einem Jahr als Pflegekinder bei ihnen. Auf Anregung von Patricia Mayer sei der Gedanke 2016 in dem Paar gereift, sich als Pflegefamilie zu bewerben – anfangs noch mit vielen Fragezeichen gespickt. „Zwei Frauen – läuft das?“, war eine der Überlegungen. „Ja, es läuft!“, sagt die in der Kinder- und Jugendarbeit tätige 44-Jährige. Der Gedanke habe das Paar damals nicht mehr losgelassen.
Unterstützung bei Problemen
Nach einem Anruf bei Marietta Gläser von der Pflegekinderstelle folgte sofort eine Einladung zum Kennenlerngespräch. Es habe keine Rolle gespielt, dass Susanne Schäfer und ihre Partnerin in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung leben. „Kommt rein und bewerbt euch“, lautete die Einladung. Zahlreiche Gespräche wurden im Vorfeld geführt, viele Papiere ausgefüllt. 2017 kam das erste Pflegekind ins Haus. Vor einigen Monaten folgte ein damals fünf Wochen altes Baby. Der Kontakt zur jeweiligen Herkunftsfamilie bestehe noch. Die Sozialarbeiter des Kreisjugendamtes unterstützen im Interesse der Kinder bei der Kontaktaufnahme und Zusammenarbeit.
„Es sind tolle Eltern, die ihre Kinder in Pflegefamilien abgeben. Wir schauen nicht von oben herab, sondern wertschätzend auf sie“, betont Petra Joeckel vom Pflegekinderdienst. Probleme könnten durch unterschiedliche Milieus und der damit im Zusammenhang stehenden Erziehung sowie durch die entstehende emotionale Bindung des Kindes an die Pflegefamilie aufkommen. Natürlich gebe es viele Fragen, Herausforderungen und Stolpersteine auf Pflegefamilien-Ebene. Das Team des Kreisjugendamtes stehe jederzeit unterstützend und beratend zur Seite, betont Marietta Gläser.
Geeignete Pflegefamilien gesucht
Der Pflegekinderdienst sucht ständig geeignete Familien, die Kindern ein Zuhause auf Zeit oder auf Dauer bieten möchten. Diese Familien werden zuvor in ausführlichen Gesprächen auf ihre Aufgabe vorbereitet. Alle Familienformen sind willkommen. Unterstützungsmöglichkeiten, auch finanzieller Art, sind vorgesehen. Je nach Alter des Kindes beträgt der monatliche Pauschalbetrag für Vollzeitpflege zwischen 847 und 1106 Euro. Diese Beträge umfassen den gesamten Lebensbedarf, einschließlich der Kosten für die Pflege und Erziehung. Besonderheiten seien ergänzend zu berücksichtigen.
Info
Der Pflegekinderdienst stellt sich auf seiner Webseite www.kaiserslautern-kreis