Queidersbach
Pater Elias lebt in Jerusalem, ist aber in der alten Heimat noch gut vernetzt
Der Ordensmann, der im Dezember 60 Jahre alt wird, bezeichnet sich als Arbeiterkind: „Außerdem haben meine Eltern eine Nebenerwerbslandwirtschaft betrieben mit einer Kuh, zwei Schweinen und Hühnern.“ Als kleiner Bub ging er mit aufs Feld, um Getreide zu ernten und Kartoffeln zu lesen. Ein Erlebnis war es, wenn er die Eltern nach Kaiserslautern begleiten durfte. „Ich habe immer gestaunt“, sagt er, „weil die Leute in der Stadt sogar an Werktagen gut angezogen waren. Das war für mich etwas Besonderes.“
Damals hieß er noch Walter Pfiffi und besuchte das Landstuhler Gymnasium. Seelsorger auf der Sickinger Höhe war damals Joachim Bresky, der unvergessene katholische Pfarrer von Queidersbach, den er nicht zuletzt als Messdiener kennenlernte: „Außerdem machte er offene Jugendarbeit mit Gruppenstunden und Kinderfreizeiten.“ So erwachte recht früh das Interesse für eine geistliche Laufbahn.
Walter Pfiffi studierte Theologie in Mainz und München, wurde 1989 zum Priester geweiht und war Kaplan im Ludwigshafener Stadtteil Mundenheim und im saarländischen St. Ingbert. 1992 kam er als Pfarrer nach Trulben bei Pirmasens, wo er dem heutigen Speyerer Weihbischof Otto Georgens als Pfarrverbandsleiter folgte.
Aus Walter Pfiffi wird Bruder Elias
Im Sommer 1998 hielt er sich „probehalber“, wie er heute sagt, in Israel auf. Schließlich begann er ein Noviziat bei den Benediktinern. Der Orden des Heiligen Benedikt kam 1906 nach Palästina und errichtete in Jerusalem auf dem Berg Zion die Dormitio-Abteikirche. Heute kümmern sich zwölf Ordensbrüder um die Betreuung deutschsprachiger Pilger und der Katholiken vor Ort. Die Abtei hat eine Niederlassung in Tabgha am See Genezareth, wo ihr außerdem die „Brotvermehrungskirche“ anvertraut ist.
Bei den Benediktinern wurde Pfarrer Walter Pfiffi zu Bruder Elias, dessen Name an den biblischen Propheten erinnert. Der sanfte, aufgeschlossene und unaufdringlich redefreudige Pfälzer fühlt sich mit „dem Land Israel verbunden und von den Leuten sehr angesprochen“, wie er sagt. Außerdem schätzt er „die Spiritualität und den Gemeinschaftssinn der Benediktiner“: „Es ist wie in einer Familie, wo jedem Mitglied bestimmte Aufgaben zufallen. Im Übrigen leben wir gemeinsam einsam.“
Er liebt auch Krimis
Die Aufnahme in den Orden ist für Pater Elias „ein bisschen wie verliebt, verlobt, verheiratet“: Aufs Noviziat folgt ein befristetes Gelübde und erst dann die „ewige Profess“, die er 2004 ablegte. Das bedeutet vor allem auch: „Als Pfarrer war ich selbstständig, im Kloster muss ich Gehorsam leisten.“ Die Ordensregel der Benediktiner – also „Bete und arbeite!“ – bestimmt den Tagesrhythmus. „Wir haben die vorgegebenen Gebetszeiten, gemeinsame Mahlzeiten und unsere Arbeit“, erläutert der Pater aus Queidersbach. „Das bedeutet auch den Dienst am Bruder.“ Trotz des Gelübdes fühlt er sich „keinesfalls abgekapselt“. Seine Tätigkeit ermögliche „eine gesunde Mischung von Leben und Distanz zwischen Kloster und Alltag“, zumal er als Betreuer und Seelsorger von Pilgern ohnedies ständig neue Menschen kennenlerne. In seiner Freizeit widmet er sich nicht nur theologischen Schriften, sondern auch „sehr gern Krimis und historischen Sachbüchern“. Lesen sei sein Hobby, „obwohl ich besser ein bisschen mehr Sport machen sollte“.
Das Miteinander von Christentum, Judentum und Islam bestimme das Leben in Jerusalem. Obwohl die politischen Nachrichten einen anderen Eindruck vermittelten, begegneten sich die Anhänger der drei monotheistischen Religionen mit Respekt: „Der Glaube und die Bindung an die jeweilige Religion spielen hier eine große Rolle.“
„Ich kenne immer noch die Familien“
Wenn er in Tabgha oder in der Heiligen Stadt die Messe feiert, greift Pater Elias gern auf sein Akkordeon zurück. Außerdem spielt er Gitarre – und verfolgt weiterhin das Geschehen in der alten Heimat. „Ich bin noch gut vernetzt“, sagt er. Seine Eltern sind gestorben, im vergangenen Frühjahr wurde seine Schwester begraben. „Aber ich kenne natürlich immer noch die Familien und Strukturen in Queidersbach“, sagt der Endfünfziger. „Ich bin ja im dörflichen Mikrokosmos aufgewachsen und weiß, wie die Menschen ticken.“ Er weiß sogar Bescheid über die unwürdigen Streitigkeiten um den aus Nigeria stammenden Pfarrer Patrick Asomugha, der 2020 von seinen Queidersbacher Schäfchen bedrängt wurde. Über beste Kenntnisse der Gegebenheiten in Israel muss er als Betreuer der Pilger ohnehin verfügen. Als er Ende August eine katholische Reisegruppe aus Kaiserslautern am Berg Zion begrüßte, wurde er ausführlich über den jüdisch-arabischen Konflikt befragt.
Wenn Pater Elias nach Deutschland kommt, steigt er inzwischen meist bei einem Kollegen in der Vorderpfalz ab. In allem, was er tut, strebt er das vom Heiligen Benedikt vorgegebene „rechte Maß“ an – „und zwar auch im Gebet, bei der Arbeit und in der Gemeinschaft“. Deshalb bleiben nach der abendlichen Schlussandacht „die modernen Kommunikationsmedien außen vor“, sagt er schmunzelnd. Der Verzicht fällt ihm nicht schwer, denn: „Glaube ist die Beziehung zu Gott wie zu den Menschen.“ Seine „spirituelle Heimat“ findet der Queidersbacher in der Jerusalemer Grabeskirche Jesu.