Kreis Kaiserslautern
Neun Jahre warten: Bürgerin startet Petition für Bachbahnradweg
Als Katharina Schwarzbach 2021 nach Rodenbach gezogen ist, hatte sie sich schon gefreut, als sie hörte, dass ein Pendler-Radweg im Entstehen ist. „Ich komme aus Bremen, einer Fahrradstadt, und fand es toll, dass es hier mit dem Bachbahnradweg neue Möglichkeiten für Fahrradfahrer geben soll“, erzählt die Kinderärztin, die selbst gerne mit dem Rad zu ihrem Arbeitsplatz in Kaiserslautern fährt. Fünf Jahre später gibt es den Radweg – der Weilerbach, Rodenbach, Siegelbach, Erfenbach und Otterbach mit dem Zentrum von Kaiserslautern verbinden soll – allerdings immer noch nicht. Denn immer wieder gab es bei dem Projekt, das bereits 2017 seinen Anfang nahm, Verzögerungen: Naturschutzverbände sorgten sich um Reptilien, die sich auf der ehemaligen Bahntrasse angesiedelt haben, Anwohner sorgten sich um die Ruhe ihrer Grundstücke. Der Planungsbeschluss musste immer wieder überarbeitet und geändert werden, mit dem Ziel, Auflagen zu formulieren, durch die alle Anlieger ihre Forderungen als erfüllt ansehen.
Petition als positives Zeichen
Schwarzbach ist sich bewusst, dass es von der Planung eines Projekts bis zur Umsetzung oft sehr lange dauern kann. Nach den neun Jahren, die der Bachbahnradweg jetzt bereits in den Startlöchern steht, habe sie den kommunalen Politikern ein Zeichen geben wollen. Um „Schwung in die Sache zu bringen“ startete sie im Januar die Online-Petition „Lasst uns den Bachbahnweg bauen“. „Es ging darum, ein Stimmungsbild einzufangen und zu zeigen, dass es hier Leute gibt, die den Radweg immer noch wollen und sich darauf freuen“, erklärt sie.
Als Kinderärztin liege ihr das Thema Gesundheit generell am Herzen. Persönliche Gründe gegen den Radweg wolle sie niemandem absprechen, aber es muss aus ihrer Sicht dennoch objektiv bewertet werden, welchen Mehrwert er bieten würde. Durch den Bau bekämen Kinder, Familien und Arbeitnehmer die Möglichkeit, sich mehr zu bewegen und das Auto öfter stehen zu lassen, argumentiert die Rodenbacherin. „Es ist belegt, dass die Infrastruktur da sein muss, sonst steigt keiner um“, so Schwarzbach. Ihre Petition hat online mittlerweile 760 Unterschriften. „Ich wollte vor allem ein Signal setzen, so viele Unterstützer hatte ich gar nicht erwartet“, so Schwarzbach.
Baurecht in Sicht
Bürgermeister Ralf Schwarm (SPD) freut sich über die Initiative der Bürger, sei aber zunächst überrascht gewesen. „Oft sind es ja die Leute, die gegen etwas sind, die aufstehen und die Hand heben. Die, die für die Sache sind, formieren sich selten“, sagt Schwarm. Der Zuspruch, den die Petition erfährt, spiegele sich mit dem, was er selbst von den Bürgerinnen und Bürgern mitbekomme, die sich die Pendlerroute wünschten.
Fast zeitgleich mit der Petition kommt jetzt tatsächlich auch wieder Bewegung in den Prozess. Der sogenannte Planfeststellungsbeschluss wurde vom Landesbetrieb Mobilität in Koblenz erlassen. Der Beschluss liegt vom 23. Februar bis zum 9. März in den beteiligten Orten, in Kaiserslautern und in den Verbandsgemeinden Otterbach-Otterberg und Weilerbach aus und kann von jedem durchgelesen werden. Wenn bis zum 9. April kein Widerspruch kommt, besteht Baurecht und die Arbeiten können beginnen.
Eröffnung des Bachbahnradweges 2027?
Ob tatsächlich Einwände erhoben werden, ist laut Schwarm schwer einzuschätzen. Seiner Ansicht nach seien in dem jetzigen Beschluss, der nach langem Abwägen und vielen Gesprächen gefasst wurde, naturschutzrelevante Punkte berücksichtigt worden. Die Meinungen seien zuletzt immer wieder stark auseinander gegangen. Während beispielsweise die Grünen-Fraktion den Bau des Radwegs als umweltfreundliche Alternative befürwortete, kritisierten Verbände wie der Nabu die unmittelbare Auswirkung auf die Natur und die Lebewesen auf der geplanten Strecke. Er selbst hoffe darauf, dass der sehr ausführliche Beschluss nun alle zufrieden stelle.
Sollte alles wie geplant laufen, könnten ab Oktober die Arbeiten an der Strecke beginnen. Zunächst müsse der Weg entlang der ehemaligen Bahntrasse frei geschnitten werden, ab 2027 könne es dann an den eigentlichen Wegebau gehen.
