Landstuhl RHEINPFALZ Plus Artikel Neu: Hebammen-Studium am Nardini Klinikum Landstuhl

Studentin Katharina Ziegler (rechts) übt mit der Leiterin der Geburtshilfe, Sabine van Riel, an einer Baby-Puppe.
Studentin Katharina Ziegler (rechts) übt mit der Leiterin der Geburtshilfe, Sabine van Riel, an einer Baby-Puppe.

Wer Hebamme werden will, muss nun studieren. Ein klassischer Ausbildungsberuf ist das nämlich nicht mehr. Studienplätze bietet das Nardini Klinikum St. Johannis in Landstuhl an, wo angehende Hebammen praktische Erfahrung sammeln können. Für die Theorie geht es ins Saarland.

Das Hebammen-Studium wird in dualer Form angeboten, damit Theorie und Praxis sich die Waage halten. Am Nardini Klinikum St. Johannis in Landstuhl können Studierende der Angewandten Hebammenwissenschaft praktische Erfahrung sammeln. „Der Fachkräftemangel ist auch in diesem Bereich sehr ausgeprägt. Um dem entgegenzuwirken, möchten wir neue Wege gehen und selbst Hebammen ausbilden“, sagt Pflegedirektor Jens Lehnhardt.

Sechs Studienplätze

Dazu verfügt das Klinikum über sechs Studienplätze. Den Studiengang bietet die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW) in Saarbrücken an. „Dort findet der theoretische Teil statt, der praktische in unserem Haus und in Bereichen, die wir nicht abdecken, im Uniklinikum Homburg, mit dem wir einen Kooperationsvertrag haben.“

Eine der Studierenden ist Katharina Ziegler. Sie hat sich erfolgreich um einen der Studienplätze beworben. „Dazu musste ich unter anderem einen Praxisplatz in einer der Kliniken vorweisen, die mit der HTW kooperieren. Den habe ich zum Glück hier in Landstuhl bekommen.“ Fremd ist ihr das Nardini Klinikum nicht. „Nach einem Praktikum im Saarland, hatte ich auch hier eins abgeleistet. Dabei ist mir klar geworden, dass ich Hebamme werden will. Es ist genau das Richtige für mich.“ Das bedeutet für die studierte Mediaberaterin nicht nur eine berufliche Umorientierung. Sie muss auch die Anforderungen als Mutter eines viereinhalbjährigen Sohnes mit dem Studium unter einen Hut bringen. „Es war eine wohlüberlegte Entscheidung, und ich bin mir sicher, es zu schaffen.“

Bachelor of Science nach sieben Semestern

Im Oktober vergangenen Jahres hat Katharina Ziegler das duale Studium aufgenommen, das über die gesamte Dauer vergütet wird. Nach insgesamt sieben Semestern wird sie es mit dem Bachelor of Science abschließen. Bis dahin gibt es für die 30-Jährige noch viel zu lernen – in den praktischen und theoretischen Teilen, die blockweise stattfinden und sich jeweils über mehrere Wochen erstrecken. Dabei gibt die Uni die Praxisinhalte und -anteile vor.

Wie vielfältig die Aufgaben einer Hebamme sind, erfährt die Studentin jeden Tag. „Bisher standen zum Beispiel die äußerliche Untersuchung von Schwangeren, die Erhebung von Vitalzeichen, Gesprächsführung und Anamnese auf dem Plan“, zählt sie auf. Um sich damit vertraut zu machen, läuft sie bei den Hebammen der Geburtshilfestation mit und schaut ihnen über die Schulter, bevor sie selbst aktiv werden darf. „Alles, was sie gelernt und praktisch umgesetzt hat, wird dokumentiert“, erklärt die leitende Hebamme Sabine van Riel. „Auch bei Geburten darf sie dabei sein, vorausgesetzt, die Eltern sind damit einverstanden. Dann kann sie die Hebamme unterstützen, indem sie ihr manches abnimmt, damit diese sich ganz der Gebärenden widmen kann. Das kann ein Glas Wasser sein, das sie holt oder eine Tasse Kaffee für den werdenden Vater.“

Empathie und viel Fingerspitzengefühl

Neben fachbezogenem Wissen sollten Hebammen auch bestimmte persönliche Eigenschaften mitbringen. „Sie müssen belastbar sein, über Empathie und viel Fingerspitzengefühl verfügen. Denn keine Frau ist wie die andere und jede Geburt verläuft anders. Da ist es wichtig zu wissen, wann man sich besser zurücknimmt und wann man eingreifen muss“, so van Riel.

„Auch jede Hebamme ist anders, hat ihre eigene Vorgehensweise und ihre eigenen Kniffe. Das ist sehr interessant, und ich kann mir viel abgucken, um im Laufe der Zeit meinen eigenen Stil zu finden“, sagt Katharina Ziegler. Momentan fallen ihr die Dienste noch leicht. „Ich werde ja immer von den Hebammen begleitet. Wenn ich irgendwann einmal allein zuständig im Kreißsaal bin, davor habe ich schon großen Respekt. Denn das ist eine große Verantwortung.“ Aber sie ist gerne bereit, diese zu tragen. „Weil es jedes Mal in Wunder ist, wenn Kind zur Welt kommt. Ich freue mich immer wieder aus Neue. Außerdem ist man niemals ganz allein auf der Station. Es sind immer eine Hebamme und ein Arzt im Zugriff“, beruhigt die leitende Hebamme.

Mehr zum Thema
x