Kreis Kaiserslautern Nahrung für die Seele
Über die Konzertreihe „Jazz meets …“ hatten sich beide kennen gelernt: der Leiter des „Docu Centers Ramstein“, Michael Geib, und die innovative Cellistin Isabel Eichenlaub. Angetan von der meditativen Wirkung ihrer Musik, verpflichtete Geib sie kurzerhand am Internationalen Museumstag zu einem Auftritt. Anknüpfungspunkt war die noch bis zum 27. Mai laufende Sonderausstellung „schuhe.spuren.wege“ der Lustadter Künstlerin Anne-Marie Sprenger.
Gerne sei sie der Einladung gefolgt, sagt Isabel Eichenlaub. Schließlich ist sie in der Region verwurzelt: Aus Miesenbach stammt ihre Mutter und einige Verwandte wohnen im Ort. Genug Gründe, um mal wieder vorbeizuschauen. Schuhe, die uns „bekleiden und begleiten“: So lautet das Konzept, auf das Eichenlaub ihr Programm „Klangspuren“ aufgebaut hat und von dem sie sich inspirieren lässt. In vielen Zeichnungen und als Ausstellungsstücke ist Schuhwerk zu sehen. Kinder der Kita „Kinderplanet“ Miesenbach haben mit eigenen Collagen und Zeitungsausschnitten ihre „Schuhgeschichten“ dazu erfunden. Da passte es wunderbar, was Eichenlaub gleich beim ersten Stück demonstrierte: „Menschen, Raum und Bilder“ nennt sie die Darbietung, die mit dem Mackenbacher Marsch endet. Hören, sehen, in sich aufnehmen – aus dem Augenblick heraus ist die Melodie entstanden. Tief und langsam, hell und schnatterhaft erklingt die Komposition, ganz so wie Besucher und Objekte im Moment des ersten Eintreffens auf die Musikerin gewirkt haben. „Weite“ nennt sie ihren zweiten Vortrag. Er beschreibt die Gefühle, die sie immer wieder beim Spielen ihres Instrumentes empfindet. Die Campanula ist es, die von Form und Aussehen her dem Cello oder einer Glockenblume ähnelt. 16 zusätzliche Resonanzsaiten sorgen, ob gezupft oder überspielt, für eine obertonreiche Ausbreitung, die den Zuhörer gefangen nimmt. Von Südamerika nach Deutschland handelt eine musikalische Flugreise, die Eichenlaub aufregend und temporeich bis zur sanft-sicheren Landung bringt. Sarabande und Menuett von Johann Sebastian Bach beherrscht Isabel Eichenlaub ebenso wie den „Hans im Schnoogeloch“, ein Beitrag aus ihrer Zeit mit der Folkgruppe „Reinig, Braun und Böhm“. Dem Schlager als Mischung amerikanischer Musik mit intelligenten deutschen Texten verhilft Eichenlaub mit ihrer auf Farbklängen beruhenden Interpretation zu neuem Leben. Wie von Chor oder Orchester angespielt, erklingt auf ihrem weittönigen Instrument Freddy Quinns Melodie von „Heimweh“. „Was macht die Stadt, was macht das neue Land mit mir?“ sind die Gedanken eines fremden Soldaten, die die Cellistin just im Docu-Center der US-Amerikaner in Rheinland-Pfalz zu diesem Lied inspirieren. Die Besucher kosten es aus und fallen, sich selbst erinnernd, spontan in den Refrain mit ein. Mit „La Paloma“ und „Those were the days“, das auf einem russischen Lied beruht, werden weitere Publikumswünsche erfüllt. Als russische Volksweise entpuppen sich auch „Schwarze Augen“. Rhythmisches Klatschen begleitet „Feldchen, mein Feldchen“. Beides gibt im Forum Anlass zu einem Austausch zur Migration. Ein bisschen Jazz durfte im Museumskonzert nicht fehlen. Mit gezupftem Saitenspiel zu Beginn, mit sattem Bogenstrich und schließlich mit sich verflüchtigenden Tanzumspielungen trägt Isabel Eichenlaub Dmitri Shostakovichs Walzer aus der Jazz-Suite vor. Wie beim entspannenden Eisrundendrehen fühlt sich da so mancher. Mit „Fly me to the moon“ hebt die Künstlerin in ihrem letzten Beitrag dann symbolisch sogar ab. Vorbehaltlos schließt sich das Publikum am Ende Michael Geibs Meinung an: Dieser bezeichnete die knapp einstündige Präsentation als wahre „Seelennahrung“.