Ramstein-Miesenbach
Mit einem Hauch Italien: Café Neo soll Ort des Austauschs sein
„Ach, so ein Café wär ja schon was Schönes!“ Mit einem solch verträumten Gedanken fing für Nelly Cherdron (37) und Olga Di Fede (42) eine Reise an, auf der sich ihrer Einschätzung nach immer alles „gefügt“ hat. Vor ein paar Jahren, als Cherdron noch in Elternzeit war, begann Di Fedes Mann aufgrund der steten Träumerei, immer mal wieder nach passenden Immobilien zu schauen – doch nichts hatte Potenzial. Schließlich machte ein Freund der Familie sie auf was Passendes in der Landstuhler Straße in Ramstein aufmerksam: das heutige Frühstückscafé Neo, das die beiden Frauen später, Ende Juli 2024, eröffneten.
Schon bei der ersten Besichtigung kamen Cherdron und Di Fede direkt die Ideen, obwohl die Immobilie damals noch für ein Jahr vermietet war. In diesem Jahr habe sich die kleine Träumerei zur Realität entwickelt. In Ramstein habe ein solches Café vor Ort gefehlt, und beide Ramsteinerinnen sind mit dem Ort verbunden. „Mich persönlich hätte es anderswo nicht so gereizt. Das hätte einfach nicht zu uns gepasst“, erzählt Di Fede und ergänzt: „Die Ramsteiner sind einfach fantastisch, die Unterstützung vor Ort ist richtig gut.“
Umbau verlief nicht ohne Stolpersteine
In den Umbau gestartet sind die Gründerinnen mit nur zwei Grundgedanken: Es sollte ein Café werden – und italienisch angehaucht sein. Alles Weitere habe sich dann im Prozess ergeben. „Zum Schluss waren wir alle selbst vom Ergebnis überwältigt und dachten uns: ’Oh, ist das mega!’“, berichtet Cherdron.
Dabei hatten die Geschäftsfrauen eigenen Angaben zufolge auf ihrem Weg mit einigen Stolpersteinen zu kämpfen: Die Lampen seien falsch geliefert worden und mussten eigenhändig umgebaut werden. Ein undichtes Dach habe zu einem Wasserschaden in der Küche geführt. Die bestellten Geräte seien, wie auch die Stühle, nicht gekommen. Nachdem sie die ursprüngliche Stuhl-Bestellung storniert hatten, hätten dann auch die neuen Stühle auf sich warten lassen, erzählen sie. Bürgermeister Ralf Hechler habe für den Übergang sogar einige Stühle aus dem CCR angeboten. Doch nach „ein bisschen Druck“ seien sie dann, zur Erleichterung der Gründerinnen, doch noch rechtzeitig angekommen. Aber damit nicht genug, auch die Tische seien erstmal falsch geliefert worden, berichten sie.
Gemeistert hätten sie die kleinen Krisen immer gemeinsam. „Wir ergänzen uns sehr gut“, erzählt Di Fede, und Cherdron pflichtet ihr direkt bei: „Sie hat den Blick für die Ästhetik und ich“, kurze Pause, „ich nicht“. Dann schauen sich beide an und lächeln sich gönnend zu. Ihren Beitrag, da sind sie sich einig, hätten beide geleistet, ihre Geschmäcker und Stile miteinander verbunden. Sie sagen, ihre Schwächen und Stärken hätten sich hervorragend ergänzt. Das Projekt hätten sie nicht ohne die jeweils andere gestartet – da sind sie sich sicher.
Das Café soll ein kinderfreundlicher Ort sein
Vorerfahrung in der Gastronomie-Branche hatten beide. Dennoch hatten sie unmittelbar zuvor ganz andere Jobs, als Mutter und Bürokauffrau sowie als Küchenplanerin. Für Di Fede sei es einfach der richtige Zeitpunkt gewesen, erzählt sie, denn das Bedürfnis nach einer Veränderung habe sich ihr aufgedrängt. Cherdron hingegen habe den Wunsch verspürt, etwas zu haben, was sich mit ihren zwei kleinen Kindern vereinbaren lasse. Hier habe sie die Möglichkeit, flexibel zu agieren, sie müsse sich vor niemandem rechtfertigen, wenn sie beispielsweise mit einem Kind auf dem Arm hinter der Theke stehe. „Das gehört hier einfach zu uns“, sagt sie. Und, ganz wichtig: Auch die Kinder von Gästen seien immer willkommen.
Am 24. Juli war es dann so weit, das Neo eröffnete. Der Start sei zwar heftig gewesen, weil sie manches unterschätzt hätten, und auch das Team habe sich erstmal einspielen müssen. Doch mittlerweile seien alle routiniert. „Ich komme hier morgens rein und fühle mich zu Hause. Die Arbeitsmotivation ist eine ganz andere, denn ich mache das hier ja auch für mich“, erzählt Cherdron, die sich sichtlich wohlfühlt an ihrem neuen Arbeitsplatz – etwas, was ihr immer schon sehr wichtig gewesen sei. Di Fede spricht wohl für beide, wenn sie sagt: Sie würde es genauso wieder machen. „Mit jedem Stolperstein, mit jedem Stück des chaotischen Starts, mit genau diesem Team. Am Ende war es genau so richtig.“ Beide sprechen dabei immer wieder von einer Fügung.
Austausch zwischen Generationen ermöglichen
Für die Zukunft haben die unabhängigen Frauen, die mit dem Café ihre Vorstellungen in die Realität umgesetzt haben, noch weitere Ideen auf Lager: Der Außenbereich soll aufgewertet, die Karte um „wirklich gute, vegane und glutenfreie Alternativen“ erweitert werden, und auch die Raumakustik wollen sie noch verbessern. Dabei haben sie nur einen Wunsch: Es soll weiterhin so gut laufen wie bisher. Denn sie liebten es, dass in ihrem Café Alt und Jung einen Platz finden würden. „Wenn nur eine jüngere Person hier mit einer älteren ins Gespräch kommt, haben wir unser Ziel schon erreicht“, meint Cherdron zum Schluss.
Die Serie
Wo kann man im Landkreis ausgehen, in netter Atmosphäre eine Kleinigkeit essen und trinken? Dieser Frage geht die RHEINPFALZ in ihrer Serie „Wo man hingeht“ nach. Wenn Sie eine besondere Bar oder ein Bistro kennen, von dem sie denken, dass es in der RHEINPFALZ vorgestellt werden sollte, schreiben Sie uns eine E-Mail an redkai@rheinpfalz.de.