Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Mehlingen: Neue Glocke in der evangelischen Kirche feierlich eingeweiht

In der vergangenen Woche wurde die neue Glocke geliefert. Am Sonntag wurde sie zum ersten Mal geläutet. Foto: VIEW
In der vergangenen Woche wurde die neue Glocke geliefert. Am Sonntag wurde sie zum ersten Mal geläutet.

Zur Einweihung der neuen Glocke im Turm der evangelischen Kirche in Mehlingen hat am Sonntag ein festlicher Gottesdienst stattgefunden. Im Zentrum der Predigt des Oberkirchenrats im Ruhestand, Michael Gärtner, stand der Vergleich zwischen den beiden Sinnsprüchen auf der alten und der neuen Glocke.

„Ins Dritte Reich hineingeboren, hat man mich für das Wort erkoren“, könne man auf der alten Glocke lesen, die mittlerweile im Museum gelandet sei. Ausdrücklich hob Gärtner in seiner Predigt hervor, dass Gottes Wort mit diesem Sinnspruch auf dem 1933 in Dienst gestellten Geläut nichts mehr zu tun hat. Es habe das Wort einer Ideologie von der Herrenrasse gegolten, die über ihrem Führer nichts habe gelten lassen wollen. „Ich bin mir nicht sicher, ob alle damals begriffen hatten, dass damit das Wort Gottes abgeschafft werden sollte“, sagte der Kirchenmann.

Das „Dritte Reich“ habe Europa und die Welt in einen Krieg gestürzt, der 60 Millionen Menschen das Leben gekostet habe. Sechs Millionen Juden seien der Rassenideologie zum Opfer gefallen und für Andersdenkende habe diese das KZ bedeutet, so Gärtner. „1933 ahnten wenige, wohin das führen würde“, sagte er. Dafür sei aus seiner Sicht niemand zu verurteilen. Er sei sich sicher, dass auch heute viele genauso naiv seien, einfache Antworten auf die schwierigen Fragen der Zeit zu akzeptieren, stellte der Mann auf der Kanzel fest.

Auf der neuen Glocke steht eine Botschaft aus dem Johannes-Evangelium

Auf der neuen Glocke ist zu lesen: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“ Diese Botschaft aus dem Johannes-Evangelium bedeute, dass nichts wichtiger sei als Gottes Wort, so Gärtner. Ideologien, Macht, Geld, Institutionen, Egoismen oder der aufkommende Nationalismus seien im Lichte des neuen Glockenspruchs unwichtig. „Wenn wir zu essen haben, wenn wir nicht frieren müssen, wenn unsere Kinder in die Schule gehen, dann muss dies auch für alle Menschen gelten“, sagte der Kirchenmann. Gott kenne nämlich keine Grenzen. Gott liebe alle Menschen. In diesem Sinne kam er zu dem Schluss, dass die neue Glocke zurechtrücke, was die alte gemacht habe.

Eine besonders feierliche Atmosphäre entstand durch den stimmungsvollen Auftritt des großen Kirchenchores unter der Leitung von Lydia Pflüger. Eingebettet in diesen musikalischen Rahmen war die neue Glocke im ersten Teil des Festgottesdienstes eingeweiht worden. In seinem Gebet wies Prädikant Albert Pflüger auf die ideologische Verblendung hin, die aus dem Sinnspruch der alten Glocke spreche. Mahnend wandte er sich deshalb gegen die „populistischen Vereinfachungen“ als Lösungen für „die großen Probleme der gegenwärtigen Welt“. Anschließend übergab Dekan Matthias Schwarz die neue Glocke ihrer Bestimmung und Pfarrerin Ute Samiec zitierte die Worte aus dem Johannes-Evangelium, die dort jetzt zu lesen sind.

Die neue Glocke erklingt zum allerersten Mal

Danach wurde es ganz still in der kleinen Mehlinger Kirche. Die Pfarrerin hatte nämlich angekündigt, dass die neue Glocke nun zum ersten Mal erklingen werde. Einige Minuten lang war sie dann einzeln zu hören. Ein richtig tiefer Ton ist ihre Sache nicht. Eine intensive Mittellage wurde der Festgemeinde präsentiert. Darauf folgte noch eine zweite Passage im Zusammenklang mit den beiden anderen Glocken im Turm. Sie ergänzen das neue Geläut mit einer etwas tieferen Tonlage zu einem harmonischen Ganzen.

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