Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Leben für den Zirkus: Das ganze Jahr auf Reisen

Leben im Wohnwagen: Angie Lauenburger mit der kleinen Cathy und Sohn Maurice mit seiner Freundin Esra.
Leben im Wohnwagen: Angie Lauenburger mit der kleinen Cathy und Sohn Maurice mit seiner Freundin Esra.

Seit 22 Jahren betreiben die Lauenburgers den Wanderzirkus Balu. Sie sind ständig unterwegs, aber nie im Urlaub. Der RHEINPFALZ gewährten sie einen Einblicke in ihr Leben.

Sie kommen in Deutschland viel herum, sind jede Woche in einer anderen Ortschaft, haben aber meistens nicht die Zeit, sich die Orte und Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Als die Zirkusleute vom Circus Balu am Wochenende in Alsenborn gastierten, machten sie eine Ausnahme. Da war der Besuch des Bajasseums sozusagen Pflicht. Eine kleine Ausstellung verweist auf die Zirkustradition des Ortes und dokumentiert die Artistengeschichte der Alsenborner, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht.

Vor dem Frühstück die Boxen reinigen

Samstagmorgen auf der großen Spielwiese an der Ecke Rosenhof-/Römerstraße: Es herrscht reges Treiben, alle Zirkusmenschen sind auf den Beinen und jede Hand wird gebraucht. Die Stallboxen werden gereinigt, die Tiere mit frischem Wasser und Futter versorgt und bei Bedarf gewaschen. „Das ist morgens das erste, was wir machen, noch bevor wir selbst frühstücken“, verrät Angie Lauenburger. Zusammen mit ihrem Mann Roland und den Kindern betreibt sie seit nunmehr 22 Jahren den kleinen Wanderzirkus Balu. Familienoberhaupt Roland Lauenburger (52) führt die Familientradition sogar schon in achter Generation fort. Ursprünglich kommen sie aus Köln, ihren festen Wohnsitz haben sie im Hunsrück, ganz in der Nähe des Flughafens Hahn. Allerdings ist dies mehr oder weniger nur die Postanschrift, da die komplette Familie tatsächlich das ganze Jahr über in den Wohnwägen verbringt. Hier fühlen sie sich zuhause, egal wo in Deutschland sie sich gerade befinden. Von Januar bis Dezember stehen die Zirkusleute in der Manege.

Maurice Lauenburger mit den Maskottchen in der Manege. In den Plüschfiguren stecken Familienmitglieder.
Maurice Lauenburger mit den Maskottchen in der Manege. In den Plüschfiguren stecken Familienmitglieder.
Eines der drei Dromedare der Zirkusfamilie.
Eines der drei Dromedare der Zirkusfamilie.

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Fünf Wohnwägen, darunter ein reiner Sanitärwohnwagen und einer mit Küche, gehören der achtköpfigen Balu-Familie. Woche für Woche ziehen sie mit drei Autos und 14 Anhängern von Ort zu Ort. Ein großer Aufwand mit mehreren Fahrten, manchmal nur in den übernächsten Ort, meistens aber weiter. Im Schnitt liegen die einzelnen Stopps 80 Kilometer auseinander. Die Route festzulegen und neue Aufführungsorte zu finden, gestalte sich immer schwieriger, erzählt Angie Lauenburger, die auch für die Kasse sowie die Technik und das Licht während der Vorstellung verantwortlich ist. Abgesehen von dem passenden Platz und aufwendigen Behördengenehmigungen, wollten viele Orte gar keinen Zirkus mehr beherbergen. Gerade als Zirkus mit Tierbeteiligung stoße Balu oft auf Gegenwind. Tierschützer wetterten gegen vermeintlich schlechte Tierhaltung, sei es bei der Unterbringung oder beim Einsatz in der Manege, moniert die Chefin. „Jeder darf ja seine Meinung zu Zirkussen haben. Es wäre aber schön, wenn die Kritiker sich selbst ein Bild von unserer Tierhaltung machen würden. Wir stehen dem offen gegenüber“, versichert die Zirkusfrau. Außerdem kämen die zuständigen Veterinärämter jede Woche unangemeldet zur Kontrolle vorbei. „Wir halten hier ja eigentlich Haus- beziehungsweise Hoftiere, wie Bauernhöfe das auch tun“, wirft der älteste Sohn Maurice (20) ein und meint damit, dass sie nie exotische Tiere wie etwa Affen halten würden.

Tiere müssen keine Kunststücke machen

Drei Dromedare, vier Tinker, zwei Miniponys, drei Ziegen und zwei Hunde gehören zum Zirkus. Alle machen einen guten Eindruck, können sich sowohl in ihren Stallungen aufhalten als auch im Freigehege bewegen. Und im Gegensatz zu vielen anderen privat gehaltenen Tieren, sind die Balu-Tiere nie allein. Durch den intensiven Kontakt kennen die Lauenburgers ihre Tiere gut. „Die lieben den Kontakt mit Menschen und freuen sich richtig auf ihre Auftritte. Sobald die Musik angeht, können sie es kaum abwarten, in die Manege zu kommen“, erzählt Maurice. Ihre Auftritte seien von kurzer Dauer und ohne tierquälende Kunststücke.

Roland Lauenburger kümmert sich selbst um die Dressur und Vorführung der Tiere. Sein zwölfjähriger Sohn Till zeigt eine Yakari-Show zu Pferd. Die kleine Cathy (3) darf ihren Papa auch schon in die Manege begleiten. Weitere Attraktionen sind Tills Zwillingsbruder Finn, der mit dem älteren Bruder Luka (19) eine Stuhlbalance-Nummer auf dem Kinn zeigt und Vater Roland als Feuerschlucker und -spucker. Maurice tritt als Clown oder Akrobat auf, seine Freundin Esra als Luftakrobatin. Esra ist Quereinsteigerin. Kennengelernt haben sich die beiden während der Ahrflut in Montabaur. Die gelernte Medizinische Fachangestellte hat sich schnell entschlossen, ihr Leben gegen das im Wanderzirkus einzutauschen. Angie Lauenburger hat sie dann in der Luftakrobatik angelernt.

Jede Woche in einer anderen Schule

Hat der Nachwuchs überhaupt die Chance, eine andere Laufbahn einzuschlagen? „Natürlich! Aber ich kann mir gar nichts anderes vorstellen“, bekennt Maurice. „Wir wachsen damit auf und lieben das, was wir tun. Es ist für uns das Schönste.“ Jeder hat seine Aufgaben. Die Kinder besuchen zusätzlich jede Woche eine andere Schule, alles zentral gemanagt von der Stammschule in Bad Honnef. Einen freien Tag kennt die Familie nicht. Abbau, Umzug und Aufbau der Zirkuswelt sind in Fleisch und Blut übergegangen. Parallel dazu läuft die Plakatierung in den nächsten Aufführungsorten, denn Werbung ist unerlässlich, wenn 300 Plätze im kleinen Zelt gefüllt werden sollen. Mit 80 Besuchern pro Vorstellung könne man sich gerade so über Wasser halten, berichten die Lauenburgers. Man merke, dass der Zirkus nicht mehr den Stellenwert wie früher habe. „Trotzdem lieben wir es. Unsere Familie ist ständig zusammen und es ist so schön, die strahlenden Kinderaugen während der Vorstellung zu sehen“, versichert Angie Lauenburger. An den kommenden beiden Wochenenden heißt es von Freitag bis Sonntag an den Nachmittagen „Manege frei“ in Mehlingen und Weilerbach.

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