Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Landwirtschaft kämpft mit großen Herausforderungen: Wohin geht die Reise?

Anfang des Jahres 2025 wurden für Milch und Rindfleisch noch auskömmliche Preise bezahlt. Gegen Ende des Jahres lagen sie wieder
Anfang des Jahres 2025 wurden für Milch und Rindfleisch noch auskömmliche Preise bezahlt. Gegen Ende des Jahres lagen sie wieder unter den Erzeugerpreisen.

Landwirtschaft im Jahr 2025: Klimawandel, Seuchen, Schadorganismen, Preisverfall. Die Bäuerinnen und Bauern sorgen dennoch für hochwertige Nahrung. Halten sie durch?

Wo man auch hinhört, die Situation in den Betrieben und Unternehmen in der Wirtschaftswelt, ob nun Mittelstand, Großbetrieb oder Familienunternehmen, sie zeigt sich überall schwierig. Das sieht in der Landwirtschaft nicht anders aus. „Die Lage ist herausfordernd“, fasst Jürgen Vogelgesang, Vizepräsident im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd, die Situation in der eher kleinteilig strukturierten Landwirtschaft in der Nord- und Westpfalz zusammen.

Was er damit meint, sind die seit Jahren sprunghaft steigenden Produktionskosten, die kaum noch Gewinne zulassen. Die Bürokratie macht das Wirtschaften nicht leichter, hinzu kommt der Klimawandel der sich erschwerend obenauf setzt. Immer höhere Temperaturen, Hitzeperioden, eine veränderte Niederschlagsverteilung, die auch im gerade zu Ende gegangenen Jahr die Zeitfenster für Futterbergung und das Einbringen der Ernte teils ziemlich begrenzt hat, zehren an den Nerven, und schmälern das Ein- und damit das Auskommen.

Tierseuchen machen das Leben schwer

Nicht zu vergessen die Tierseuchen, mit denen sich die Bauern immer mehr auseinandersetzten müssen: Die Afrikanische Schweinepest bringt den Schweinemarkt in Bedrängnis, die Maul- und Klauenseuche oder auch die Blauzungenkrankheit fordert bei den Schaf- und Rinderhaltern Tribut. Die Vogelgrippe und die Auswirkungen auf die Geflügelhaltung war in diesem Jahr auch nicht ohne, und auf den Feldern machen sich immer mehr Schadorganismen breit, die sich über Getreide, Obst, Gemüse, Kartoffeln oder Zuckerrüben hermachen. Das fast flächendeckende Fehlen einer Infrastruktur – Landhandel, Transportunternehmen, Schlachtstätten – sowie fehlende Tierärzte für Großvieh, macht den verbliebenen landwirtschaftlichen Betrieben in der Region mit Schwerpunkt Viehhaltung zusätzlich dsa Leben schwer.

„Ich will aber nicht verschweigen, im Milch- und Rindfleischsektor waren die ersten Monate des Jahres sehr gut“, berichtet Vogelgesang von Auszahlungspreisen, die bei den meisten Betrieben gut über den Erzeugerpreisen lagen. Das war laut dem Bauern-Vizepräsidenten, nach einer längeren „Durststrecke“ auch bitter notwendig, um zumindest die wichtigsten anstehenden Investitionen in den Betrieben vornehmen zu können.

Mit den auskömmlichen Preisen ist es allerdings schon wieder vorbei. Milch- und auch Rindfleischpreise befinden sich seit einigen Wochen in einer rasanten Abwärtsspirale, sind längst wieder unter den Erzeugerpreis, den Vogelgesang bei Milch mit rund 45 Cent pro Liter benennt, gerutscht. Teilweise werden Auszahlungspreise von etwa 30 Cent, je nach Inhaltsstoffen der Milch, notiert. „Wir arbeiten und legen massiv drauf“, kommentiert der Bauer was da gerade, wieder mal, muss man dazufügen, passiert. Schuld gibt er den Absprachen im Lebensmitteleinzelhandel, die es aus seiner Sicht gnadenlos ausnutzen, wenn „auch nur ein Tropfen Milch“ zu viel auf dem Markt ist.

Das sieht auch die Monopolkommission, ein unabhängiges Beratungsgremium der Bundesregierung, so. Die Kommission bezeichnet in einem jüngst vorgelegten Sondergutachten, die Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel als „besorgniserregend“, benennt die Landwirtschaft, die bei Preisverhandlungen kaum Durchschlagskraft haben, als Verlierer.

Wenn es so weiter geht, wird die gesamte Region verlieren, befürchtet Jürgen Vogelgesang. Schweinehaltung gibt es hier schon länger so gut nicht mehr und die wenigen Rinderhalter und Milcherzeuger können kaum noch guten Gewissens, ihre Kinder darin bestärken, den Weg in die Landwirtschaft zu gehen. „Die jungen Leute kommen gut ausgebildet in die Betriebe und dürfen nichts mehr entscheiden, ihnen wird diktiert statt Vertrauen geschenkt“, spricht der Vizepräsident die Auswüchse aus politischen Vorschriften plus immer mehr Bürokratie an. „Landwirtschaft geht nicht nach dem Kalender“, bezieht sich der Bauer beispielsweise auf Vorgaben, wann gedüngt oder Mist und Gülle gefahren werden darf.

Dicke Bretter, die es zu bohren gilt

Für Jürgen Vogelgesang sind es dicke Bretter, die in allen Bereichen mit den Verantwortlichen im Umwelt- und Landwirtschaftsministerium gebohrt werden müssen. Wenn sich nichts ändere, wenn nur noch aus der Ferne und ohne Sachkenntnis den Praktikern das Arbeiten im Stall und auf dem Acker vorgeschrieben wird, dann sei die bäuerliche Landwirtschaft auf lange Sicht nicht mehr zu halten. Ohne die Unterstützung der Verbraucher und ohne ein stärkeres Bewusstsein für die Region und die hier erzeugten hochwertigen Produkte werde die Zukunft der Landwirtschaft vor Ort auch nicht zu stemmen sein.

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