Reichenbach-Steegen RHEINPFALZ Plus Artikel Landbäckerei Christian Dusch aus Reichenbach-Steegen wächst

Bäckermeister Christian Dusch setzt auf sein Handwerk und expandiert.
Bäckermeister Christian Dusch setzt auf sein Handwerk und expandiert.

Vielerorts schließen kleine Handwerksbäckereien. Bäckermeister Christian Dusch hat entgegen dem Trend den Hauptsitz seiner Landbäckerei in Reichenbach-Steegen um zwei Filialen erweitert. Er stellt sich der Konkurrenz aus Supermärkten und Discountern und geht auf das geänderte Kaufverhalten seiner Kunden ein. Der Corona-Krise kann er durchaus auch Positives abgewinnen.

„Mut zum Risiko“ war noch einer der freundlicheren Kommentare, die Christian Dusch zu hören bekam. Deutlicher war da schon der Satz: „Du bist doch bekloppt.“ Beirren ließ sich der Bäckermeister von der Meinung anderer nicht. Vielmehr sagte er sich: „Jetzt erst recht.“ Als die Backstube der Bäckerei Schmitt aus Rodenbach kalt blieb, stand er parat, um ab März deren ehemalige Filialen im Kaiserslauterer Stadtteil Erfenbach und Ende des gleichen Monats die in Weilerbach zu übernehmen.

„Das ging jetzt alles schneller als erwartet“, ist er selbst noch immer etwas erstaunt über dieses Tempo, obwohl er schon zuvor Pläne hegte, sich zu vergrößern. Dahinter stand der Gedanke, seinen Betrieb auf eine sichere Basis zu stellen. Denn als Einzelkämpfer in der Backstube war Dusch klar, dass, sollte er ausfallen, die Räder still stehen würden. Aus diesem Grund hatte er schon zuvor einen Bäckergesellen und einen Konditor eingestellt. Er glaubt an die Zukunft einer Handwerksbäckerei, denn: „Wir sind immer noch Grundnahrungsmittellieferant Nummer eins.“

Mehrere Standorte erfordern hohes Maß an Planung

2009 hatte der gebürtige Kaiserslauterer den Schritt in die Selbstständigkeit gemacht und eine Bäckerei in Kollweiler eröffnet. Vier Jahre später kam eine Filiale in Reichenbach-Steegen dazu, wo er heute auch sein Büro hat und unweit wohnt. Nachdem er sich vor zwei Jahren aus Kollweiler zurückzog, verlegte er seine Produktion nach Wolfstein im Landkreis Kusel, wo eine andere Bäckerei für immer das Licht ausgeknipst hatte.

Diese vielen Standorte fordern ihm ein hohes Maß an Planung, Organisation und Logistik ab. Schließlich wollen täglich circa 2000 gemischte Brötchen, 350 Brote und zehn bis zwölf Kuchen und Torten auf die verschiedenen Verkaufsstellen verteilt werden. „Das ist eine Herausforderung, aber zu stemmen“, meint der 49-Jährige, der eigens dafür einen zweiten Transporter angeschafft hat.

Reste werden abgegeben

Auf Erfahrungswerte kann er bezüglich der Menge noch nicht zurückgreifen, da muss das rechte Maß zwischen zu wenig und zu viel gefunden werden. „Mittlerweile habe ich Angebot und Nachfrage ganz gut im Griff“, sagt er. Sollten am Abend doch Reste da sein, werden sie an Landwirte und Schafhalter ausgegeben und einmal wöchentlich fährt der Verein Asternweg aus Kaiserslautern vor.

Dusch ist noch dabei herauszufinden, was seine Kunden gerne auf dem Teller haben. Prinzregentenschnitten gehören auf jeden Fall dazu. „Die gehen immer“, meint er über seine Spezialität. Auch hat sich herauskristallisiert, dass die Erfenbacher Filiale die verkaufsstärkste ist. Hier befindet sich auch ein Steinbackofen, aber ein Brot, sollte keines mehr im Regal sein, geht nicht auf die Schnelle.

„Für ein gutes Brot braucht man mindestens drei Stunden“, spricht der Bäckermeister aus ihm. Er stammt aus einer Handwerkerfamilie und hörte als Bub von seinem Vater: „Handwerk hat goldenen Boden.“ Dieser Satz war ausschlaggebend für seine Berufswahl, die er bis dato nicht bereut hat, auch wenn – wie er zugibt – die Zeiten nicht immer einfach waren. Dusch ist davon überzeugt, dass Geschmack, Frische und Qualität ihren Eindruck bei der Kundschaft hinterlassen, denn dahinter stehen traditionelle Herstellungsverfahren und althergebrachte Rezepte.

„Leute gehen bewusster einkaufen“

In der aktuellen Corona-Krise sieht er sich bestätigt. „Die Leute nehmen mein Angebot dankend an. Sie gehen bewusster einkaufen.“ Angesichts leerer Regale in Einkaufsmärkten hat er sich auf die Bedarfe eingestellt. So sind bei ihm Hefe und Mehl in haushaltsüblichen Chargen erhältlich und wer will, kann sich mit dem hausgemachten Sauerteig eindecken.

Zurzeit ist der Firmenchef noch in einer Phase des Experimentierens. Neu eingeführt hat er Partybackwaren, Brötchen- und Laugenkonfekt, und er bietet auf Vorbestellung Festtags- und Motivtorten an. Auch will er, sofern möglich, individuelle Wünsche berücksichtigen. Neue Ideen hat er auch schon. „Ich will ein Bachbahnbrot kreieren. Es soll ein dunkles Brot sein, das satt machen und gesund sein soll“, erzählt er von dem Brot, für das das Erfenbacher Bachbahnmuseum Namenspate ist und das ab Herbst in den Regalen liegen soll.

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