Frankenstein RHEINPFALZ Plus Artikel Lückenhaftes Mobilfunknetz bereitet Sorgen

Nicht nur ärgerlich, sondern auch gefährlich: Entlang der B37 sind viele Stellen zwischen Frankenstein und Bad Dürkheim nicht vo
Nicht nur ärgerlich, sondern auch gefährlich: Entlang der B37 sind viele Stellen zwischen Frankenstein und Bad Dürkheim nicht von einem Mobilfunknetz abgedeckt.

„Kein Netz“ heißt es zwischen Bad Dürkheim und Frankenstein. Wer dort auf der B37 unterwegs ist, hat an vielen Stellen keinen Handyempfang. Während das normalerweise höchstens ärgerlich ist, kann die fehlende Netzabdeckung im Notfall zum Problem werden.

„Ab Hardenburg bis zu mir nach Hause in der Hauptstraße in Frankenstein ist praktisch ein einziges Funkloch“, bemängelt Joachim Grasmück. Dem Frankensteiner bereitet diese Situation Sorge. Gerade erst habe ein Brand in der Siedlung Jägerthal bei Bad Dürkheim kurz nach Neujahr wieder gezeigt, wie wichtig es wäre, über das Handy einen Notruf absetzen zu können. Dort ist zwar alles glimpflich ausgegangen – nicht zuletzt dank zweier Helfer, die zufällig vorbeikamen –, aber eine schnelle und detaillierte Lagebeschreibung vom unmittelbaren Ort des Geschehens wäre hilfreich gewesen, um den Feuerwehreinsatz noch besser und passgenauer zu koordinieren.

Was die fehlende Netzabdeckung bedeuten kann, wenn einem zum Beispiel ein Reh vors Fahrzeug läuft, hat Grasmück auf der B39 sogar selbst schon einmal erlebt. Kurz hinter Weidenthal sei es damals zu dem Zusammenstoß gekommen, erst unmittelbar vor Neidenfels habe er Mobilfunkempfang gehabt und mit dem Handy einen Notruf absetzen können. Von der Polizei sei er dann recht deutlich darauf hingewiesen worden, dass er sich nicht vom Unfallort hätte entfernen dürfen. Von einer Anzeige wegen Unfallflucht sei letztlich zwar abgesehen worden, aber Grasmück spricht damit ein großes Dilemma an, in das Menschen auf den Strecken rund um Frankenstein geraten können. Besonders heikel wird es, wenn es darum geht, schnell zu handeln, um eventuell Leben zu retten. Sollten Unfallbeteiligte dann vorschriftsgemäß an der Unfallstelle warten, bis jemand vorbeikommt, der die Situation bezeugen und Hilfe holen kann oder sollten sie sich unerlaubterweise vom Ort entfernen, um keine Zeit zu verlieren und Polizei, Krankenwagen oder Feuerwehr so rasch wie möglich zu alarmieren?

Bei Unfallflucht droht Freiheitsstrafe

Grundsätzlich müssten Unfallbeteiligte an der Unfallstelle bleiben, bis festgestellt werden konnte, wer mit welchem Fahrzeug und auf welche Art und Weise in das Geschehen involviert war, teilt Bernhard Christian Erfort von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Westpfalz auf Nachfrage mit. Ist dies nach einer den Umständen angemessenen Wartezeit nicht möglich, müssten am Unfallort der eigene Name und die Anschrift hinterlassen werden, um dies alles unverzüglich nachträglich feststellen zu können. Erfort hält aber auch fest: „Ist eine Verständigung der Polizei nicht möglich, ist unverzüglich die nächste Polizeidienststelle aufzusuchen.“ Wer sich hingegen ohne Weiteres davonmacht, dem drohen eine Geld- oder sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Für jeden Fall einzeln würden jedoch immer Faktoren wie Witterung, Zeit und Örtlichkeit berücksichtigt. Auch die fehlende Netzabdeckung könnte also im Zusammenhang mit einer Notsituation ein Grund sein, der es erlaubt, den Ort zu verlassen, sagt der Polizeisprecher. Er nennt ein weiteres Beispiel: „Einer unbegleiteten Frau könnte es beispielsweise nicht zumutbar sein, mitten in der Nacht auf einer einsam gelegenen Landstraße lange an einer Unfallstelle zu verweilen.“ Dies könne eine Ausnahme sein, die letztlich von der Staatsanwaltschaft beziehungsweise einem Gericht überprüft werde und in die Beurteilung der Situation einfließe. „Das Fehlen eines Mobilfunknetzes wird letztlich auch Teil der Unfallermittlungen sein“, sagt Erfort.

War das analoge C-Netz besser?

Ginge es nach Grasmück, wären diese Ermittlungen und Abwägungen gar nicht erst nötig. Der Frankensteiner fordert nämlich, dass das Netz endlich verdichtet werden sollte, um die Funklöcher zu schließen. Er macht vor allem die Umstellung von analogem C- auf digitales D-Netz im Jahr 2001 für die Schwierigkeiten verantwortlich. Ersteres habe in dem hügeligen Gebiet zuverlässiger funktioniert. Eine 100-prozentige Abdeckung sei auch mit dem C-Netz in topographisch schwierigem Gelände nicht möglich gewesen, widerspricht hingegen George-Stephen McKinney, Pressesprecher der Telekom. Zwar sei es über eine niedrigere Frequenz betrieben worden und habe dadurch eine höhere Reichweite erzielt. Aber „auch das C-Netz konnte die Physik nicht überlisten“. Zudem sei es technisch nur auf rund eine Million Kunden ausgelegt sowie nicht international standardisiert, also nicht grenzüberschreitend nutzbar gewesen und habe ausschließlich zum Telefonieren und nicht zur Datenübertragung verwendet werden können.

Das aber, was Grasmück fordert, nämlich die Verdichtung des Netzes, passiere gerade, teilt Benedikt Albers, Pressesprecher des Unternehmens Deutsche Funkturm, mit. Die Firma baut derzeit für die Telekom einen 50 Meter hohen Funkmast auf dem Hahnackerkopf bei Hardenburg, einem Stadtteil Bad Dürkheims. In diesem Jahr soll er, etwas später als geplant, nach dann über zwei Jahren Planungs- und Bauzeit in Betrieb gehen. Die Sendeleistung der auf ihm angebrachten Antennen soll ausreichen, um die B37, die Siedlung Jägerthal und das Isenachtal sowie Rettungspunkte und Wanderwege mit einem Mobilfunknetz zu versorgen, teilt der Telekom-Sprecher McKinney mit.

Weiterer Mast bei Kirschtal denkbar

Zudem sei ein weiterer Mast bei Kirschtal, das etwas weiter Richtung Frankenstein an der Strecke liegt und momentan nicht durch ein Mobilfunknetz abgedeckt wird, geplant. Zwar suche nicht die Telekom selbst, sondern Telefonica dort derzeit einen funktechnisch geeigneten Standort dafür, weiß McKinney, andere Netzbetreiber könnten diesen Antennenträger aber mitnutzen.

Bis es jedoch so weit ist, könnte noch einige Zeit vergehen. „In der Regel dauert es in Deutschland mindestens zwei Jahre, bis ein neu geplanter Mobilfunkmast sendet“, sagt Albers von der Deutschen Funkturm. Standortsuche und Baugenehmigungsverfahren nähmen viel Zeit in Anspruch. Komme dann, wie auf dem Hahnackerkopf hinzu, dass die Stromversorgung des Mastes erst noch aufwendig verlegt werden müsse, sorge das nochmals für eine längere Bauphase.

Hohe Kosten wegen abgelegener Lage

Auch auf die Kosten habe die eher abgelegene Lage nicht unerhebliche Auswirkungen, gibt McKinney zu bedenken. Masten in solchen Regionen würden nicht für die durchschnittlich von der Deutschen Funkturm angesetzten 200.000 bis 250.000 Euro errichtet, sondern könnten aufgrund der notwendigen Erschließungsarbeiten schnell 400.000 bis 500.000 Euro teuer werden.

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