Landstuhl
Löwendenkmal auf dem Alten Markt vor 110 Jahren eingeweiht
Am 10. Mai 1871 wurde der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 mit dem Frieden von Frankfurt offiziell beendet. Er forderte nicht nur fast 190.000 Menschenleben und mehr als 230.000 Verwundete, sondern mündete auch in die Gründung des Deutschen Reichs und läutete das Ende des zweiten französischen Kaiserreichs ein. Vor allem aber begründete er eine verheerende Gewaltspirale zwischen den beiden Ländern. Der schon lange existente Begriff vom „Erbfeind“ erlangte erneute Popularität, die noch mehrere Jahrzehnte anhalten sollte und erst nach zwei Weltkriegen 1963 mit dem Élysée-Vertrag von Charles de Gaulle und Konrad Adenauer beendet werden konnte.
Zigtausende Soldaten marschierten durch die Stadt
Landstuhl lag bei diesem Krieg zwar nicht im Frontgebiet. Durch ihre Lage an der Kaiserstraße, der sogenannten „großen Heeresstraße“, musste die Stadt dennoch große Aufwendungen leisten. Zigtausende Soldaten marschierten durch die kleine Stadt, Tausende waren bei diesen Durchmärschen einquartiert. „Aus Landstuhl marschierten 16 Landwehrmänner, 28 Reservisten und 52 Aktive aus“, berichtet die Stadtchronik. „Alle, bis auf zwei Mann, kamen zurück.“ Ihnen zu Ehren und auch allen anderen „Kämpfern für Deutschlands Einigkeit und Größe zum Gedächtnis“ wurde genau 40 Jahre nach Kriegsende auf dem Alten Markt ein Kriegerdenkmal errichtet, dessen Einweihung sich am 18. Juni zum 110. Mal jährt. Seither erinnert „de Leeb“, wie das Denkmal im Volksmund heißt, an die leidvolle Vergangenheit und mahnt im Zeitalter eines vereinten Europas zur Fortführung der Freundschaft unter den Völkern.
Am 20. Mai 1911 meldete die Landstuhler Zeitung: „Nach soeben beim Bürgermeisteramt dahier eingetroffener Nachricht haben Se. Königl. Hoheit Prinz Luitpold des Königreichs Bayern Verweser die Errichtung eines Kriegerdenkmals in Landstuhl nach Maßgabe des Entwurfs Allergnädigst zu genehmigen geruht.“ Die Vorbereitungen waren längst in vollem Gange. Ans kleinste Detail wurde gedacht. „Bei Herrn Kaufmann Karch liegt eine Liste auf, in welche sich diejenigen jungen Mädchen einzeichnen können, welche bei der Einweihung des Kriegerdenkmals den Blumenverkauf übernehmen wollen“, so inserierte „der Ausschuss des Frauen-Vereins vom Roten Kreuz“ am 30. Mai in der „LZ“.
„Der letzte Hammerschlag“
Derweil wurde im Stadtrat noch heftig diskutiert wegen der Kosten, die sich insgesamt auf 3400 bis 3500 Mark beliefen. Da der Kriegerverein sie nicht ganz aufbringen konnte, hatte er Zuschussanträge bei der Stadt gestellt. Ungeachtet der Finanzdiskussionen gab der Kriegerverein in der Landstuhler Zeitung mehrfach den Ablauf der Festivitäten bekannt und warb um Unterstützung: „Die gesamte Einwohnerschaft wird hiermit freundlichst eingeladen und zugleich gebeten, zur Erhöhung der Feier durch Schmücken der Häuser gütigst beizutragen.“ Vom Promenadenkonzert auf dem Marktplatz über einen Festzug vor der Einweihungsfeier, einen anschließenden Umzug der Vereine und einer Parade vor dem Kriegerdenkmal, einem Nachmittagskonzert und schließlich abends einer „Reunion im Saalbau“ wurde alles geplant, „um das Werk würdig zu vollenden“.
„Heute erfolgt der letzte Hammerschlag am Denkmal“, so verkündet in einem ausführlichen Vorbericht die Landstuhler Zeitung am 17. Juni 1911. „Mit dem morgenden Tage wird das Denkmal der Stadt übergeben. Wuchtig und massig erhebt sich das Denkmal auf dem schönen Marktplatze, eine Zierde unseres Kurstädtchens, eine Erinnerung an Deutschlands ruhmvollste Zeit der Gründung des neuen Kaiserreichs unter Hohenzollerns Aar (Adler; Anm.d.Red.), zum Gedächtnis jener Braven von 1870/71, welche auf blutgetränktem Boden die Einheit mit erringen halfen, angesichts des Todes auf der Wahlstatt.“
Landstuhler Zeitung berichtet mit markigen Worten
Ähnlich pathetisch war dann auch die ganzseitige Berichterstattung über die Feierlichkeiten am 18. Juni 1911. „Trübe und regenschwer brach der Festmorgen an. Ein lastender Alp lag auf den Gemütern. Und doch konnte die regnerische Witterung den Weiheduft, der über der Stadt lag, nicht zerstören.“ Mit markigen Worten fuhr der Berichterstatter fort, beschrieb die vielen Dekorationen, die Ankunft der vielen Gäste – eigentlich jedes Detail, das erwähnenswert schien. Um 14 Uhr begann der Umzug mit 26 Vereinen bei mittlerweile schönstem Wetter. „Der Festzug bewegte sich durch die Kaiser- und Hauptstraße nach dem Denkmal auf dem Marktplatze, wo die Vereine rund um das Denkmal Aufstellung nahmen. Eine gewaltige Menschenmasse hielt den Marktplatz besetzt.“ Beim Beschreiben der dann folgenden Feier sparte der Lokaljournalist weder an Pathos noch bei den vielen wörtlichen Zitaten an den teils scharfzüngigen Formulierungen der Redner. Die Nationalhymne schließlich „bildete den wirksamen Schluß des Weiheaktes“.
Die Namen stehen an den Seiten
Auf den beiden Seiten dieses Denkmals sind die Namen der 96 Landstuhler Kriegsteilnehmer eingraviert. 40 Jahre nach dem Krieg nahmen der Landstuhler Zeitung zufolge 56 Kriegerveteranen an der Einweihungsfeier teil.