Kreis Kaiserslautern
Kunden ärgern sich über geschlossene Sparkassen-Filialen
Anfang Dezember teilte das Geldinstitut mit, dass „kleinere Geschäftsstellen bis auf Weiteres“ geschlossen bleiben. Im Landkreis sind nun nur noch die Filialdirektionen in Enkenbach-Alsenborn, Otterberg, Ramstein-Miesenbach, Landstuhl und Weilerbach geöffnet. In all den anderen Geschäftsstellen steht den Kunden lediglich der SB-Bereich offen.
Wenn der Chip der EC-Karte defekt ist, nützt einem ein Geldautomat oder Kontoauszugsdrucker indes nichts, ärgert sich eine Kundin, die sich bei der RHEINPFALZ beschwert, aber nicht namentlich genannt werden möchte. Normalerweise sind die Filialen in Schopp und Trippstadt ihre Anlaufstellen – doch als das Problem mit der EC-Karte auftritt, sind bereits beide geschlossen. Eine Umbuchung vom Sparbuch aufs Girokonto vornehmen, um eine größere Handwerkerrechnung zu begleichen, oder Wertgegenstände aus dem Trippstadter Schließfach holen – auch das kann die Frau wegen der geschlossenen Geschäftsstellen nicht erledigen.
„Die Eins, Zwei, Drei gedrückt“
Also ruft sie die Hotline der Sparkasse an. „Ich hab drei Stunden dort gehangen, die Eins, Zwei und Drei gedrückt, bis ich irgendwann endlich durchkam. Nur um dann zu erfahren, dass ich nach Landstuhl oder Kaiserslautern kommen soll“, ärgert sie sich, zumal beide Städte von ihrem Wohnort rund 30 Kilometer entfernt sind und man ihr gleich noch mitgeteilt habe, dass sie Zeit mitbringen solle, denn die Warteschlangen seien lang. „Was ist denn das für eine Servicewüste!“, schimpft die Kundin und hat in dieser Situation vor allem Mitleid mit Senioren: „Ich weiß mir ja noch zu helfen. Aber die alten Leute, die etwas von der Sparkasse wollen, sind aufgeschmissen, wenn sie keine Kinder haben.“
Ganz plötzlich geschlossen
Groß ist die Aufregung auch am anderen Ende des Landkreises: in Hochspeyer. Dort denkt man unter den Rentnern bereits an Protestaktionen und Unterschriftenlisten, denn auch hier war die Geschäftsstelle ganz plötzlich geschlossen – ohne Aushang oder Information der Ortsgemeinde, wie Ortsbürgermeister Dominic Jonas (CDU) kritisiert. Beim früheren Ortsbeigeordneten Hans Haberer (SPD) hagelt es seither Beschwerden: „Vor Wochen haben sich schon ganz viele der älteren Leute, die sich mit Computern und Onlinebanking nicht auskennen, über die neuen Gebührenmodelle der Sparkasse geärgert. Und jetzt wird zur Krönung auch noch unsere Geschäftsstelle plötzlich geschlossen“, umreißt Haberer, der als Bezirksvorstand der Arbeiterwohlfahrt Ansprechpartner der Senioren ist, die Stimmung im Ort. Er wie auch viele andere Hochspeyerer befürchteten, dass es sich bei der zeitweiligen Filialschließung „um einen Schachzug“ des Sparkassenvorstands handele. „Erst machen sie unter dem Deckmäntelchen der Pandemie zu, damit die Leute sich daran gewöhnen. Und dann bleiben die Filialen dauerhaft geschlossen“, argwöhnt er.
Sollte dies passieren, wäre es für das 4600 Einwohner zählende Hochspeyer, das zudem ein Zentrum für Fischbach und Frankenstein sei, „ein harter Schlag“. Deswegen sei er gemeinsam mit anderen auch bereit, dagegen mobil zu machen. „Viele Senioren können nicht mehr Auto fahren. Was machen die? Und viele kommen alleine mit den Geldautomaten und Auszugsdruckern nicht zurecht“, weiß Haberer aus Erfahrung und findet es daher umso wichtiger, dass Bankpersonal vor Ort vorhanden ist.
„Hoher Krankenstand“
Dass „keinesfalls geplant“ sei, die jetzt zeitweise geschlossenen Filialen ganz zu schließen, betont hingegen Michael Pfleger, der bei der Lauterer Sparkasse für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Auf RHEINPFALZ-Anfrage erklärt er , wieso bis auf die Filialdirektionen alle Geschäftsstellen derzeit geschlossen sind: „Wir haben einen hohen Krankenstand. Einige Mitarbeiter sind von Covid betroffen, andere sind als Kontaktpersonen oder wegen der Kinderbetreuung in Quarantäne. Dazu kommt die Erkältungszeit“, sagt er. Die Sparkassenleitung habe daher beschlossen, das verbliebene Personal in den fünf Filialdirektionen zusammenzuziehen. „Wir hoffen, dass sich die Situation bald wieder entspannt und wir die anderen Filialen dann wieder öffnen können“, sagt er und beteuert, „dass es keinerlei Überlegungen gibt, diese nicht wieder zu öffnen“.
Dass die Sparkasse derzeit generell schwer erreichbar sei, räumt Pfleger ein. „Den Unmut der Kunden verstehen wir voll.“ Um den Telefonservice, der ebenfalls krankheitsbedingt ausgedünnt sei, personell zu verstärken, habe die Sparkasse bereits Mitarbeiter aus anderen Bereichen der Bank dorthin abgeordnet und „eine Extra-Hotline mit mehr als zehn Leuten“ geschaltet. Trotzdem sei das Durchkommen mitunter schwer, denn viele Kunden hätten Fragen zu den neuen Gebührenmodellen. „Da kann ein Beratungsgespräch auch schon mal eine Viertelstunde oder länger dauern.“ Grundsätzlich seien Beratungsgespräche auch in den Gemeinden mit geschlossenen Filialen möglich. „Wir kommen zu älteren Kunden auch mal nach Hause, wenn Bedarf besteht. Aber jetzt in der Pandemie versucht man es natürlich erst mal telefonisch.“
„Eine Bank der Bürger“
Zurück zu den Filialen: Während Ortsbürgermeister Jonas der Aussage des Vorstands, dass die Hochspeyerer Geschäftsstelle erhalten bleibt, erstmal vertraut, zeigt sich sein Olsbrücker Amtskollege Walter Schneck skeptisch und hat im Gemeinderat trotz der Zusicherung eine Resolution auf den Weg gebracht: „Wenn die Sparkasse nach der Fusion den angestrebten Gewinn erzielen will, dann muss sie Filialen dicht machen“, sagt der SPD-Politiker, der vor seiner Rente selbst jahrzehntelang bei der Stadtsparkasse Kaiserslautern, zuletzt als Filialleiter, beschäftigt war. Die Erklärung, der hohe Krankenstand sei der Grund für die derzeitige Schließung, lässt er nicht gelten. Dies sei nur vorgeschoben: „Die jetzige Schließung ist der Vorgriff zur endgültigen. Davon bin ich felsenfest überzeugt“, sagt Schneck.
In der jetzt vom Gemeinderat verabschiedeten Resolution pocht das Gremium auf den Erhalt und weist vor allem auf die Bedürfnisse der älteren Generation hin, die diesen Service vor Ort dringend benötige, um noch selbstständig ihre Bankgeschäfte erledigen zu können. „Das Filialnetz auszudünnen und die Öffnungszeiten drastisch zu reduzieren, mag aus rein ökonomischer Betrachtung richtig erscheinen. Dies entspricht aber nicht der Aufgabe einer Sparkasse, die eine Bank der Bürger ist“, heißt es in der Resolution. Sie nimmt deshalb auch den mit Kommunalpolitikern besetzten Verwaltungsrat in die Pflicht. Er habe eine besondere Verantwortung. „Wir fordern den Verwaltungsrat auf, dieser gerecht zu werden und die Geschäftspolitik im Sinne der Bürger an der ursprünglichen Sparkassenidee auszurichten.“ Eingekreist