Bruchmühlbach-Miesau / Landstuhl RHEINPFALZ Plus Artikel Klopapierkuchen ist in Bäckereien in Landstuhl und Bruchmühlbach der Verkaufsschlager

Coronavirus, Stefan Schmidt aus Bruchmühlbach backt wohl Klopapiertorten, Cafe Schmidt. 28.03.2020 Foto: Reiner Voß / view
Coronavirus, Stefan Schmidt aus Bruchmühlbach backt wohl Klopapiertorten, Cafe Schmidt. 28.03.2020 Foto: Reiner Voß / view

Wer in diesen Tagen Toilettenpapier kaufen will, hat oft Pech. Nach wie vor stehen viele Menschen vor leeren Regalen. Hätten sie doch einmal bei der Bäckerei und Konditorei Schmidt in Bruchmühlbach-Miesau oder bei der Bäckerei Westrich in Landstuhl vorbeigeschaut! Denn dort stehen die heiß begehrten Rollen seit Donnerstag in der Theke.

Klopapier ist dort nämlich in aller Munde. Zwar nicht in Papierform, aber als süße Verführung. In beiden Bäckereien werden den Machern die Rollen förmlich aus der Hand gerissen. Kaum ein Kunde, der ohne den Laden verlässt. „Wir sind total überrascht“, erzählt Konditormeister Stefan Schmidt über die große Nachfrage. „Jeder, der anruft, will eine haben“, kann er diesen Boom noch gar nicht wirklich fassen.

Torten verkaufen sich wie warme Semmeln

Als er am Donnerstag noch Biskuitteig übrig gehabt habe, sei ihm die Idee gekommen, aus dem Rest eine Torte in Form einer Klopapierrolle zu machen. Nun stehen sie in Massen im Schaufenster, in der Kuchentheke und auf den Tischen des geschlossenen Cafés. Unter der äußeren Schicht aus Fondant befinden sich ein leichter Marzipanboden und eine Schoko-Vanille-Creme. Auf einer goldenen Pappe und hübsch in Folie verpackt, müssen die auf den ersten Blick echt aussehenden Rollen nicht lange auf einen Käufer warten. Auf einem kleinen Emblem, das seitlich angebracht ist, steht: „Vermisse euch und bleibt gesund“. Das macht die Rollen in Zeiten der sozialen Distanz als Geschenk für Angehörige, Freunde oder Nachbarn noch einmal so attraktiv.

Soziale Netzwerke sorgen für Boom

Die 20 Stück, die er am ersten Tag im Angebot hatte, waren innerhalb von 30 Minuten ausverkauft. Freitags ist Schmidt mit 70 Torten richtig in die Produktion eingestiegen und auch die gingen weg wie warme Semmeln. Wie viele am Samstag aus der Backstube kommen, kann er nicht sagen. Er schätzt, dass sich die Zahl zwischen 100 und 120 bewegt, aber fertig ist er noch nicht. „Ich habe den Überblick verloren“, bekennt der 41-Jährige.

Veröffentlichungen in den sozialen Medien und ein Radiobeitrag hätten sein Angebot bekannt gemacht, sagt Schmidt. Jetzt kämen nicht nur Bestellungen von Privatpersonen rein, sondern auch von Firmen, die ihren Mitarbeitern den zurzeit erschwerten Arbeitsalltag versüßen wollten. „Sogar aus den USA habe ich eine Bestellung angenommen und eine Rolle habe ich nach Münster geschickt“, erzählt Schmidt.

Damit es an seiner Theke nicht zu Hamsterkäufen kommt, hat er den Preis für die zweite Rolle von zwölf auf 15 Euro angehoben. Er betont, dass pro Stück fünf Euro an den Corona-Nothilfe-Fonds des Deutschen Roten Kreuzes gespendet werden. Auch Roland Schlappa aus Brücken, der das Grußmotiv entworfen hat, und Tortendesignerin Delphine Buchholz aus Bexbach, die ihn beriet, spenden für den guten Zweck.

Für Schmidt ist diese Aktion ein, wie er sagt, „kleiner Rettungsanker“, denn das Café ist geschlossen. „Ohne die Klopapiertorten wäre nichts los“, ist Bäcker froh über diese zusätzlichen Einnahmen.

Rührteig mit Zimt- und Schokoladenstückchen

Ähnlich ist die Situation für Bäckermeister Franz Westrich. Auch er klagt über enorme Einkommensverluste. Vor allem weil die Schulen jetzt geschlossen hätten, müsse er seine Produktion anpassen. Seine Mitarbeiter will er aber auf keinen Fall entlassen. Anfang der vergangenen Woche habe ihn ein auswärtiger Kollegen auf die Idee gebracht. „Man muss sehen, wie man durch diese Krise kommt“, hält er fest und freut sich ebenfalls über den Ansturm auf seine Klopapierkuchen. Sie bestehen aus Rührteig mit Zimt- und Schokoladenstückchen und sind mit einem weißen Überzug versehen. „Sie haben eingeschlagen wie eine Bombe. Das ist der Wahnsinn.“

Zurzeit dürfen sich nicht mehr als drei Kunden im Laden aufhalten, berichtet er. Die Schlange der Wartenden habe bis zur Straße gereicht. An allen drei Tagen, an denen er sie bislang angeboten habe, seien die Kuchen in Nullkommanichts ausverkauft gewesen. Auch hat er schon lustige Anekdoten erlebt, etwa die Frage, ob er den Überzug auch in Pink herstellen könne. Dann habe ein US-Amerikaner sich mehr als erstaunt gezeigt, dass in einer Bäckerei Toilettenpapier in der Verkaufstheke angeboten werde. Und auch die Frage, warum er diesen Hygieneartikel in sein Sortiment aufgenommen hat, musste schon beantwortet werden. „Das liegt daran, dass die Kuchen so echt aussehen“, meint Westrich schmunzelnd.

Für ihn und Schmidt steht fest, dass sie an der Produktion festhalten wollen, solange die Nachfrage besteht. Sie hoffen, dass Kunden und Mitarbeiter gesund durch diese Pandemie kommen und auch weiterhin mit einem Lächeln im Gesicht und einer „Klopapierrolle“ in Händen ihr Geschäft verlassen.

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