Lambsborn
Kartoffelbauern kämpfen mit der Trockenheit
Wo in der Westpfalz eigentlich grünes Kraut auf den Kartoffelfeldern zu sehen sein sollte, ist jetzt nur verbranntes, abgestorbenes undefinierbares Etwas zu erkennen. Das Kraut stirbt auch normalerweise tatsächlich kurz vor der Ernte ab und zeigt am Boden liegend die Erntereife an. Gut mit Stärke gefüllte Kartoffeln brauchen keine Photosynthese im Blattwerk mehr, folglich kündigt das in sich zusammenfallende Kraut in der Regel an, wann es mit der Ernte losgehen kann. Das ist bei den späten Sorten gegen Ende September, Anfang Oktober der Fall. Normalerweise. Allerdings: Ganz so bröselig, wie es sich gerade auf dem Acker zeigt, ist das Kartoffelkraut selbst im reifen Zustand bei weitem nicht.
Die Knollen müssen jetzt raus
Landwirt Karl Gortner vom Kartoffelhof in Lambsborn und sein Sohn William müssen das, was unter der Erde ist, bereits jetzt ausmachen. Auch oder gerade, wenn es in den nächsten Tagen sowas wie einen ordentlichen Regen geben sollte. Der kommt für das Kraut ohnehin zu spät. Verbrannt ist verbrannt, da hilft kein Wasser mehr. Es sind die Knollen, die raus müssen, sonst fangen sie an zu keimen, sollte die Erde tatsächlich nass werden.
„Da sind lauter Klicker drin“, sagt Gortner. Es werden sich wohl kaum normal große Kartoffeln ernten lassen. Sie sind kleiner, und weniger werden es obendrein sein. „Die Menge, die wir erwarten, ist echt beunruhigend“, gibt der 67-jährige Landwirt zu, so ein Jahr, so eine Situation noch nicht erlebt zu haben. „Ich habe all die vergangenen Jahre schon gedacht, jetzt ist es schlimm. Letztes Jahr hatten wir diese große Ernte und mussten ganz viel aussortieren“, blickt er auf 2021 zurück. In diesem Jahr summierten sich zudem die gestiegenen Preise für Saatgut, Dünger, Spritzmittel und vor allem für Diesel auf rund 30.000 Euro mehr auf der Ausgabenseite als im vergangenen Jahr.
Hohe Kosten geringer Ertrag
„Mir ist wirklich Angst, wie wir das stemmen sollen“, meint Gortner. Für den Betrieb bleibt es ja nicht nur bei den höheren Ausgaben. Ein deutlich geringerer Ertrag durch eine kleine Ernte ist ebenfalls ein großes Problem. Außerdem sehen die Knollen vielfach nicht aus, wie der Kunde die Kartoffel will. Durch die Trockenheit haben sich in der festen Erde andere Formen ausgebildet. Was dabei rauskommt, ist natürlich immer noch eine Kartoffel, sieht aber mitunter ungewohnt aus. „Die sind geschmacklich genauso gut, die will aber kaum einer“, bedauert Gortner, dass ihm am Ende nichts anderes übrig bleibe, als viele Kartoffeln vor dem Verkauf schon auszusortieren. Dass die Kunden nur noch auf die perfekte glatte Schale eingestellt seien, sei in diesem Jahr ein Problem. Viele „Grumbeeren“ hätten durch den Einfluss der Witterung teerartige Flecken oder trügen Schorf auf der Schale. „Es ist nur die Schale, und die wird doch ohnehin entfernt“, appelliert der Kartoffelbauer an die Verbraucher, doch lieber zur nicht ganz perfekten, regionalen Kartoffel zu greifen, statt zur unbekannten Ware aus fernen Ländern. „Unsere ,Grumbeer’ spielt geschmacklich in der Ersten Liga“, spricht Gortner an, dass es doch auf die inneren Werte und nicht auf das Aussehen ankomme.
Gerade deshalb glaubt er an die Zukunft der Kartoffel aus der Westpfalz. Fraglos wird dieses harte „Lehrjahr“, wie er es nennt, Veränderungen mit sich bringen. „Die frühen Kartoffeln sind in den letzten Jahren eigentlich immer ganz gut davongekommen“, sagt Gortner. Daher wollen Gortners den Anbau der Frühkartoffeln noch ein wenig ausbauen. Das geht natürlich nicht unbegrenzt, die frühen Sorten sind nicht lagerfähig und ein Winter ohne Kartoffeln sei nicht gut.
Mulchen auf dem Kartoffelacker
Auch werde der Betrieb die begonnene Praxis des Mulchens auf dem Kartoffelacker weiter verfolgen. Dazu werde auf einem Acker Gras angesät, später gehäckselt, aufgenommen und als Mulchschicht auf dem Kartoffelfeld ausgebracht. „Wir brauchen zwei Hektar Gras für ein Hektar Kartoffeln“, beschreibt Gortner das Verhältnis, das es benötigt, um über den Mulch die Humusbildung auf dem Kartoffelacker zu verbessern. Ein gut mit Humus versorgter Boden, der an der Oberfläche zudem mit Mulch bedeckt ist, kann Feuchtigkeit – wenn sie denn da ist – schlicht länger halten. Die Kartoffel werde, wenn sich solche Jahre wiederholen – und damit rechnen die Bauern –, für jedes Prozent mehr Bodenfeuchtigkeit dankbar sein.