Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kürbisanbau in der Pfalz: Halloween-Symbol und in der Küche vielseitig verwendbar

Sandra Guhl mit einem Spaghetti-Kürbis, dahinter zahlreiche Halloween-Kürbisse.
Sandra Guhl mit einem Spaghetti-Kürbis, dahinter zahlreiche Halloween-Kürbisse.

Halloween ohne Kürbis? Für viele Menschen ist das kaum vorstellbar. Der Kürbis kann aber so viel mehr. Und gesund ist er obendrein.

Der Kürbis ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt und war schon lange vor Halloween eine echte Größe. In Deutschland erfreut sich das Fruchtgemüse seit dem Überschwappen der Halloween-Welle aus Amerika besonderer Beliebtheit. Seitdem werden die Panzerbeeren – die Hartschaler sind botanisch gesehen Beeren und kein Gemüse – wieder verstärkt auf den Feldern der Pfalz angebaut.

Die meisten Kürbisse wachsen von etwa Ende April bis in den Oktober auf den Feldern in der Vorderpfalz. Dort können die durstigen Gesellen zur richtigen Zeit beregnet werden. Kürbisse gibt es aber genauso in der Westpfalz, wo sie unter anderem auf rund fünf Hektar Fläche bei der Bauernfamilie Guhl in Gerhardsbrunn herangereift sind. „In diesem Jahr kam ein optimaler Landregen passend zur Fruchtentwicklung“, sagt Landwirt Dominik Guhl.

Keine Waschanlage für Kürbisse

Es gebe in diesem Jahr Kürbisse, die locker 25 Kilogramm auf die Waage bringen. Bei den Schwergewichten handelt es sich um die bekannten orangefarbenen Halloweenkürbisse. „Fußball- bis Medizinball groß sind sie ideal zum Schnitzen.“ Dem Bauer selbst seien die etwas gemäßigter gewachsenen eigentlich lieber. Aber auch die Brummer finden ihre Liebhaber, sagt Guhl. „Bei uns sind die Kürbisse beim Verkauf nicht auf Hochglanz poliert“, erläutert der Landwirt und zeigt auf die Kürbisse im Hof, die in Kisten sortiert auf ihre Käufer treffen. „Eine Waschanlage für die Kürbisse, das lohnt sich hier nicht.“ Das scheint den Kunden nichts auszumachen. Sie greifen munter zu – wenn wie in den vergangenen Wochen möglich auch draußen auf dem Feld beim Selbsternten.

Spaghetti-Kürbis frisch aus dem Ofen. Beim Auslöffeln zeigen sich Fäden, die aussehen wie Spaghetti.
Spaghetti-Kürbis frisch aus dem Ofen. Beim Auslöffeln zeigen sich Fäden, die aussehen wie Spaghetti.

Damit die Kürbisse auf den Feldern wachsen, ist von der Aussaat bis zur Ernte reichlich Handarbeit notwendig. „In den ersten Jahren haben wir jeden einzelnen Kürbissamen von Hand in den Boden gelegt“, blickt Guhl zurück – der Landwirtschaftsbetrieb baut seit knapp zehn Jahren Kürbisse an. Mittlerweile lassen sich einige Sorten auch mit der Maschine säen. „Schon eine große Erleichterung“, so Guhl.

Nicht nur Halloween-Kürbisse

In Gerhardsbrunn wachsen nicht nur die typischen Halloween-Kürbisse oder die eigenwillig geformten Zierkürbisse, sondern alles, was in der Kürbiswelt Rang und Namen hat und die Gaumen in der Küche verwöhnt: vom kreiselförmigen orangeroten Hokkaido, dem zartgelben buttrigen Butternut, dem gelben Zentner, der die Suppentöpfe füllt, bis hin zum Muskatkürbis, der seinem Namen alle Ehre macht, und dem Spaghetti-Kürbis.

Der Muskatsalat ist angerichtet.
Der Muskatsalat ist angerichtet.

„Der Halloween-Kürbis ist gar kein Speisekürbis, er ist zwar genießbar, schmeckt aber nicht“, berichtet Sandra Guhl, Dominik Guhls Mutter, und verweist auf die anderen Sorten, mit denen in der Küche nahezu alles möglich sei. Vom Salat über Kuchen, Suppen bis hin zum Getränk könnten viele Gerichte mit Kürbissen kredenzt werden. „Ich probiere schon auch was aus“, ergänzt Sandra Guhl. Bei ihr gebe es nicht nur die klassische Kürbissuppe, für die meist das Fruchtfleisch der Sorte „Gelber Zentner“ zum Einsatz kommt, sondern auch Kürbiskuchen, bei dem sich der Gelbe Zentner mit Walnüssen umgibt. Der zylinderförmige Spaghetti-Kürbis findet häufig Einzug in der eigenen Küche. „Den Kürbis wie eine Quellkartoffel etwa 40 Minuten ganz im Wasser kochen, dann halbieren und mit Kräutersalz oder mit Pesto servieren – oder einfach ohne alles auslöffeln“, lautet der Tipp der Bäuerin. Beim Auslöffeln erklärt sich übrigens der Name. Es zeigen sich viele zarte Fäden, die aussehen wie Spaghetti.

Als Rohkost oder in der Süßspeise

Dann ist da noch der Muskatkürbis, der sich mit einer kunstvoll gerippten Schale in den Farben des Herbstes von Dunkelgrün über Orange bis Hellbraun präsentiert. „Schmeckt auch als Rohkost und in der Süßspeise“, ist Sandra Guhl vor allem von den gehaltvollen Inhaltsstoffen des Muskatkürbisses – er wird auch als Moschuskürbis bezeichnet – angetan. Er enthält viel gesundes Beta-Carotin, Kalium, Calcium und Vitamine, genau wie die meisten Speisekürbisse auch, aber er bringt obendrein noch einen Hauch Muskat mit.

In Sachen Kürbis gibt’s in der Guhl’schen Küche keine Grenzen, obgleich er nicht jeden Tag auf dem Teller landet. „Ich esse es schon gerne, aber jeden Tag als Vor-, Haupt- und Süßspeise, das muss nicht sein“, sagt Dominik Guhl und lacht.

Rezepte

Muskatsalat: 1 Muskat Kürbis (circa 200 Gramm), 2 Esslöffel weißer Balsamico-Essig, 2 Esslöffel Olivenöl, Salz und Pfeffer, 1 Teelöffel Zucker.
Spaghettikürbis aus dem Ofen: Den Kürbis der Länge nach mit einem großen Messer aufschneiden, den inneren Teil mit den Kernen entfernen. Das lässt sich leicht mit einem Löffel erledigen. Die beiden Hälften mit etwas Olivenöl, Salz und Pfeffer bestreichen und auf dem Ofenblech in den mit Ober- und Unterhitze auf 200 Grad vorgeheizten Backofen schieben (mittlere Schiene). Je nach Größe der Kürbisse dauert es rund 45 Minuten, bis das Fruchtfleisch weich geworden ist. Dann lässt sich das Fruchtfleisch mit der Gabel in die typischen Fasern zupfen.

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