Reichenbach-Steegen
Im Ortsteil Fockenberg erinnert eine Straße an den Unternehmer Hermann Gehlen
„Er war der Gönner des Dorfs“, sagt Ortsvorsteher Erhard Helfenstein. „Er hat auf eigene Kosten die Straßen asphaltiert und einen Spielplatz angelegt, als es so etwas in anderen Kommunen noch gar nicht gab.“ Der 1974 verstorbene Industrielle ging in Fockenberg nicht nur zur Jagd, sondern baute ein von ihm erworbenes Jagdhaus zur herrschaftlichen „Gehlen-Villa“ aus. Der Ortsvorsteher hat ihn noch gut gekannt, war doch sein Vater in einem der Gehlen-Betriebe beschäftigt.
Hermann Walter Gehlen kam 1903 in Lauterecken (Kreis Kusel) zur Welt. Nach einem Bau- und Politik-Studium in Heidelberg, Innsbruck, München und Stuttgart erwarb er den Doktortitel und trat in die Baufirma ein, die sein Vater 1902 gegründet hatte. Schließlich übernahm er die Leitung des Familienunternehmens, das er kontinuierlich ausbaute.
Mitbegründer des „Saar-Pfalz-Kanal-Vereins“
„Der Betrieb stellte nunmehr Maschinen für die Bauwirtschaft, amphibische Fahrzeuge und chemische Apparate her“, heißt es in Viktor Carls „Lexikon der Pfälzer Persönlichkeiten“. Bald gehörten neben der Baugesellschaft die Eisenwerke Kaiserslautern (EWK) und die Lauterer Möbelfabrik Zschocke dazu, außerdem ein Werk in Ludwigshafen sowie Niederlassungen in Homburg und im Elsass. Weitere Firmen arbeiteten in England und der Schweiz. Laut Carl sind „30 deutsche und mehr als 80 Weltpatente Beweis für sein erfolgreiches Arbeiten“.
Der Firmenboss tat sich als Verbandsfunktionär hervor und war Mitbegründer des „Saar-Pfalz-Kanal-Vereins“, der den Bau einer Wasserstraße von Saarbrücken bis zum Rhein verfolgte. Sie sollte vom Saarbrücker Osthafen aus südlich an St. Ingbert über Landstuhl und nördlich an Kaiserslautern vorbei, im Süden des Donnersbergs und durchs mittlere Eistal nach Ludwigshafen führen. Erst Mitte der 1970er Jahren wurde das ehrgeizige Vorhaben aufgegeben, zumal zwischenzeitlich die fast parallel trassierte A6 fertig war.
Das Firmenimperium Gehlens fiel nach seinem Tod auseinander. Die „Gehlen-Villa“, die nach Angaben Helfensteins eine Wohnfläche von 850 Quadratmetern hatte und einen gewaltigen Grundbesitz samt Wäldern und einer eigenen Gärtnerei einschloss, wechselte mehrfach den Besitzer. Noch heute steht das Anwesen in Privateigentum.