Kreis Kaiserslautern „Hier herrscht der Horror“

Die Dauerbaustelle in Hirschhorn und ihre Folgen für die Gemeinden im Lautertal sorgen weiter für großen Ärger: Um die massive Nutzung des Feldwegs zwischen Sulzbachtal und Eulenbis als Abkürzung – statt der offiziellen weiträumigen Umleitung über Wörsbach – ging es am Montagabend in der Einwohnerversammlung in Sulzbachtal. Die über 100 Menschen im überfüllten Bürgerhaus erlebten hitzige Diskussionen, die jedoch keine Lösung brachten.
„Die Akzeptanz der offiziellen Umleitungsstrecke ist gleich null“, bringt Ortsbürgermeister Ero Zinßmeister (FWG) gegenüber der RHEINPFALZ das Problem auf den Punkt. Sein Hauptkritikpunkt ist aber, dass der Landesbetrieb Mobilität (LBM) für den Ausbau der Ortsdurchfahrt Hirschhorn – der bereits seit Sommer 2017 läuft – keine Werksstraße gebaut hat, um den Verkehr an der Baustelle vorbei zu leiten. „Das nenne ich eine Fehlplanung. Aber wir leben eh im Tal der Vergessenen“, schimpft Zinßmeister, der den Unmut der Bürger über die Situation deutlich zu spüren bekommt und „entnervt“ ist. Stein des Anstoßes ist der asphaltierte Feldweg, der zwischen Sulzbachtal und Eulenbis verläuft und eine kurze Route nach Weilerbach bietet. „Dieser Feldweg wird derzeit als B270 missbraucht“, sagt Zinßmeister. Bis Anfang März habe in Hirschhorn ein Bypass die Durchfahrt ermöglicht. Mit dem Fortgang der Baustelle sei dieser jedoch am 10. März geschlossen worden. „Seither herrscht hier bei uns der Horror.“ Der Feldweg nach Eulenbis werde von rund 1000 Autos am Tag befahren. „Ganz schlimm ist es am Wochenende, dann eskaliert die Situation.“ Denn der Feldweg sei auf Google maps als Straße ausgewiesen und so dränge sich auch der ganze Ausflugsverkehr aus dem Lautertal auf dem schmalen Sträßchen. „Man darf nicht vergessen, das Lautertal bildet die Hauptachse in den Hunsrück“, betont Zinßmeister. „Und es gibt zwar diverse Sperrschilder, aber die Leute fahren trotzdem weiter und nutzen dann unseren Feldweg, weil Google maps diese Route ausweist.“ Den Ansturm könne der Weg nicht mehr verkraften. Er wurde laut Zinßmeister einst hergerichtet und mit Ausweichbuchten ausgestattet, weil er während der Bauarbeiten im Ortskern von Eulenbis als Ausweichstrecke diente; damals befuhren laut dem Eulenbiser Ortsbürgermeister Ulrich Stemler (FWG) jedoch nur rund 200 Fahrzeuge pro Tag diese Strecke. Doch mittlerweile seien die Bankette und Buchten durch den Ansturm kaputt. Auf die ohnehin finanzschwachen Gemeinden Eulenbis und Sulzbachtal kämen hohe Kosten zu, denn der LBM weigere sich, diese zu übernehmen, befürchten die Ortsbürgermeister. „Der LBM macht Politik gegen die Menschen“, kritisiert Zinßmeister. Zinßmeister: Der Weg wird als B270 missbraucht. Weil sich das Problem mit dem stark frequentierten Feldweg in den vergangenen Wochen hochschaukelte, hat sich der Ortsbürgermeister entschlossen, eine Einwohnerversammlung einzuberufen – und Verbandsbürgermeister Harald Westrich (SPD) als Unterstützung einzuladen. Dieser sagt, dass der Wirtschaftsweg als offizielle Umleitungsstrecke nicht geeignet und kein öffentlicher Verkehrsraum sei. Zinßmeister ergänzt, dass er sich zusammen mit dem Gemeinderat für das Befahren des Feldwegs für Sulzbachtaler und Eulenbiser eingesetzt habe. Doch dazu habe der LBM keine Zustimmung erteilt. „Knackpunkt ist die Verkehrsdichte“, betont LBM-Projektleiter Stephan Bartenbach. Die Forderung nach der Herrichtung des Wirtschaftsweges und Ausweisung als Umleitungsstrecke könne nicht erfüllt werden. Sobald der Weg als Umleitung ausgewiesen sei, werde sich der gesamte Verkehr darauf bewegen, so Bartenbach, der an diesem Abend als LBM-Vertreter viel Kritik einstecken muss. Dass die Meinung der Bevölkerung zur Nutzung des Wegs gespalten ist, wird in der Versammlung deutlich: Während es den einen um den kürzesten Weg zur Arbeit geht, wollen andere keinen Verkehr vor der Haustür. Die Schranken am Feldweg, die den Fremdverkehr aussperren sollten, sind ebenfalls Thema der fast dreistündigen Versammlung. „Das hätte ja auch geklappt, wenn die Schranken ordnungsgemäß geschlossen worden wären“, sagt Zinßmeister. Über Sinn und Zweck entbrennt eine lebhafte Diskussion mit vielen Vorschlägen – aber ohne Ergebnis. „Eulenbis und Sulzbachtal werden in ergebnisoffene Verhandlungen treten“, sagt Zinßmeister nach der Sitzung und kündigt an, dass die beiden Gemeinderäte schon bald gemeinsam tagen werden. Für ihn und Zinßmeister sei es immer wichtig gewesen, sich nicht gegenseitig auszustechen, betont auch Stemler. Denn in beiden Orten lebten Menschen, die jeweils in die andere Richtung wollten. „Deshalb arbeiten wir als Nachbarn zusammen.“ Neben dem vielen Verkehr sind auch Raser auf dem Feldweg ein Problem, das viele Bürger monieren. Dafür zumindest sieht Westrich eine Lösung: In Abstimmung mit den Einwohnern wurde festgelegt, dass die Verbandsgemeinden Otterbach-Otterberg und Weilerbach jeweils an den Ortsenden von Sulzbachtal und Eulenbis Geschwindigkeitsmessungen durchführen werden. Ab August wird es im Übrigen wohl zu einer deutlichen Verkehrsberuhigung auf dem Feldweg kommen. Denn dann soll die Kreisstraße in Untersulzbach unter Vollsperrung ausgebaut werden. Und damit ist eine Zufahrt vom Lautertal her durch Sulzbachtal über den Weg nach Eulenbis nicht mehr möglich.