Mittelbrunn / Queidersbach RHEINPFALZ Plus Artikel Helikopter-Tiefflüge: Was die Bundeswehr sagt

Ein Militärhubschrauber am Montag über Mittelbrunn – „mit einer Handykamera ohne Zoom aufgenommen“, wie der Landstuhler Verbands
Ein Militärhubschrauber am Montag über Mittelbrunn – »mit einer Handykamera ohne Zoom aufgenommen«, wie der Landstuhler Verbandsbürgermeister Peter Degenhardt betont.

Die Bundeswehr hat auf RHEINPFALZ-Anfrage darüber informiert, wer für die Hubschraubertiefflüge am Montag über Mittelbrunn und Queidersbach verantwortlich war. Genervte Anwohner hatten sich über den ohrenbetäubenden Lärm empört.

Um die Mittagszeit und dann noch einmal am Nachmittag hatten am Montag Militär-Helikopter im Bereich der Luftkampfsimulationsanlage Polygone trainiert – doch dieses Mal nicht wie sonst über Wald und Wiesen, sondern über den Gemeinden und im „extremen Tiefflug“, wie auch Verbandsbürgermeister Peter Degenhardt, der in Mittelbrunn wohnt, beklagt. Er mutmaßte, dass es sich um amerikanische Maschinen gehandelt habe und beschwerte sich bei der Air Base in Ramstein.

Keine US-Hubschrauber

Doch es waren weder Amerikaner noch Franzosen oder Deutsche, die im trinationalen Bereich der Polygone trainierten: „Bei den gemeldeten Flügen am 17. April 2023 handelte es sich um zwei Hubschrauber der italienischen Streitkräfte vom Typ EH10“, teilte am Mittwoch auf Anfrage ein Sprecher des Luftfahrtamtes der Bundeswehr in Köln mit. Nach seinen Angaben handelt es sich dabei um Transporthubschrauber. Die Italiener seien vom 16. bis 27. April in Spangdahlem. Von dort hätten die Piloten die Polygone angesteuert. Und wie hoch oder tief sind sie dabei geflogen? Hier informiert die Bundeswehr lediglich über die Flughöhe über Mittelbrunn: „Die Auswertung der Radardaten zeigt um 11.43 Uhr Ortszeit eine Höhe von 309 Fuß (rund 94 Meter) über Grund, um 11.53 Uhr eine Höhe von 422 Fuß (etwa 129 Meter) und um 16.03 Uhr eine Höhe von 549 Fuß (rund 167 Meter).“ Einen Verstoß gegen Regeln sieht die Bundeswehr nicht: „Nach den hier vorliegenden Unterlagen wurde der Flugbetrieb nach den geltenden Bestimmungen durchgeführt“, so der Sprecher des Luftfahrtbundesamts.

„Meist ertragen wir den Krach klaglos“

„Aha, also Italiener!“, kommentiert Bürgermeister Degenhardt die Information und merkt an: „Ich dachte bisher, dass es sich bei den Polygonen um eine trinationale Einrichtung handelt!“ Aber grundsätzlich sei es ihm „völlig egal“, wer für den Lärm verantwortlich gewesen sei, der sich am Montag in seinem Heimatort angehört habe, als flögen die Hubschrauber „gefühlt in nur 20 Metern Höhe“. „Auch wenn es 94 Meter sind: Das ist eindeutig ein Tiefflug über bewohntem Gebiet! Und dass diese Flüge über den Dörfern vermeidbar sind, hat man ja in der Vergangenheit gesehen“, sagt Degenhardt und fordert von den Verantwortlichen der Polygone und dem Militär allgemein, „ortsfremde Piloten in den Briefings dafür zu sensibilisieren, nicht mit ihren Helis über unsere Ortschaften hinwegzudonnern“. Degenhardt: „Luft- und Bodenlärm von der Air Base, die Kampfjets in der Tra Lauter, der Schießplatz Breitenwald, die Polygone: Wir haben hier konzentriert eine Vielzahl militärischer Lärmquellen! Meist ertragen wir den Krach klaglos, weil wir eh nichts dagegen tun können. Aber dann brauchen wir nicht auch noch zusätzlich Hubschrauber über unseren Dächern wie früher“, erinnert er an die Jahre 2017/18, als solche Heli-Übungen noch häufiger vorkamen.

Scharfe Kritik am „Lärmtourismus“ des Militärs, der zu dem ohnehin vorhandenen Krach hinzukomme, übt die Bürgerinitiative (BI) gegen Fluglärm, Bodenlärm und Umweltverschmutzung: „Unsere Region ist so ein Brennpunkt, dass jeder zusätzliche Flug einer zu viel ist“, sagt Vorstandsmitglied Holger Marzen und unterstreicht, dass von diesen Piloten „keiner bei uns einkehrt und ein Schnitzel isst oder hier ein Haus mietet“. Bereits seit 2014 könnten die Polygone auch mobil eingesetzt werden. „Sprich: Es könnte in den Herkunftsländern der Maschinen geübt werden statt hier bei uns.“ Übungsflüge italienischer Hubschrauber in der Westpfalz seien kein neues Phänomen, berichtet er und verweist darauf, dass die BI über die technische Ausrüstung verfügt, um Flugbewegungen zu dokumentieren und – in der Regel – bestimmten Flugzeugen zuzuordnen. „Zuletzt waren italienische Hubschrauber im Oktober 2022 hier, um bei uns rumzuknattern.“ Auch damals seien sie von Spangdahlem aus zu den Polygonen geflogen.

„Verschleierte Kennung“

Die BI hat auch am Mittwoch ab 11 Uhr wieder Helikopterflüge registriert, allerdings hätten diese – im Gegensatz zu Montag und Dienstag – ihre Kennung nun „verschleiert“, berichtet Marzen: „Die Hubschrauber haben ihre Mode-S-Transponder ausgeschaltet.“ Daher habe die BI keine Flugspuren. Marzen: „Möglicherweise war die italienische Botschaft über die bisher mehr als 50 Beschwerde-E-Mails, die uns in Kopie vorliegen, nicht erfreut und hat ,gute Ratschläge’ an ihre Piloten verteilen lassen, sich ein bisschen besser zu verstecken.“

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