Hütschenhausen
Gestern und heute: Weniger Geschäfte, mehr Verkehr
Der Schein trügt: Auf den ersten Blick könnte man glauben, das mit der Jahreszahl 1938 datierte alte Foto von Spesbach sei von Ramstein kommend in Richtung Ortsmitte hin aufgenommen worden, da die Protestantische Kirche rechts von der Straße zu stehen scheint. In Wirklichkeit ist das Bild jedoch von der entgegengesetzten Richtung fotografiert worden. Da die Ramsteiner Straße im Hintergrund in einer leichten Kurve nach rechts verläuft und dann auch rechts an der Kirche vorbeiführt, die Blickrichtung jedoch geradeaus geht, entsteht fälschlicherweise der Eindruck, die Kirche stünde rechts von der Straße. Bei dem aktuellen Bild ist allein schon die deutlich sichtbare Abzweigung in Richtung Niedermohr ein klarer Hinweis auf den Standpunkt der Fotografen 1938 und heute.
Einst mit dem Stahlross unterwegs
Damals konnte der Fotograf sein Bild gefahrlos von der Straßenmitte her aufnehmen. Im Gegensatz zu heute war kein Auto weit und breit zu sehen. Die meisten Menschen waren zu dieser Zeit noch zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Wobei man die Fahrräder damals noch Stahlross nannte, denn von der Leichtbauweise der heutigen Zweiräder war man noch weit entfernt – von Mehrgangschaltung oder gar E-Bikes war gar nicht zu reden. Nur spärlich befestigte Bürgersteige und Straßen waren für die Menschen damals ebenso Normalität wie eine recht karge Straßenbeleuchtung. Vieles hat sich hier wie andernorts seither verändert. Gab es in den vergangenen Jahrzehnten allein in diesem kleinen Spesbacher Straßenabschnitt noch eine Bäckerei, eine Gastwirtschaft und eine Metzgerei, bleibt heute fast nur noch der Weg zum Supermarkt.
Täglich einige Tausend Autos
Die ehemals selbstständige Gemeinde Spesbach – sie wurde 1969 mit Katzenbach und Hütschenhausen zur neuen Gemeinde Hütschenhausen zusammengeschlossen – wurde 1215 erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort entstand an einem von zwei uralten Verkehrswegen, die vom heutigen Lothringen zum Oberrhein und Mittelrhein führten. Eine dieser Verbindungen von Homburg nach Kaiserslautern verlief zwischen dem Steilabfall der Sickinger Höhe und der einst unzugänglichen westpfälzischen Moorniederung, der zweite Weg nördlich des Moorgeländes. Während der südlich der Moorniederung verlaufende Weg schon zu römischer Zeit als wichtige Heeresstraße genutzt wurde und eine Aufwertung durch Kaiser Napoleon erhielt, der sie um 1810 von Metz zur damaligen französischen Festung Mainz für Truppenbewegungen zur breiten Heerstraße ausbauen ließ, wurde der nördliche Weg stets weniger frequentiert als die Kaiserstraße, die auch Teilstrecke der bekannten „Via Regia“ ist. Ihren Charakter eines Hauptverkehrsweges hat die Straße durch Spesbach bis heute erhalten. Täglich sind es wohl einige Tausend Autos, die über sie insbesondere im Berufsverkehr durch den Ort fahren.