Otterberg
Geheimtipp vor der Haustür: der Steinbruch bei Otterberg als Ausflugsziel
Sandstein ist in der Pfalz wahrlich keine Seltenheit. Noch heute sieht man an allen Ecken die blassgelben und rostroten Steine in Gebäuden, Denkmälern oder Grabstätten verbaut. Kein Wunder, denn abgebaut werden konnte der Sandstein gleich vor Ort. Nicht zu übersehen sind beispielsweise die steilen Felswände an der Gartenschau, die zum ehemaligen Steinbruch Kröckel gehören. Und noch heute gibt es im Schweinstal bei Krickenbach aktive Steinbrüche, die Pfälzer Sandstein abbauen.
Dass auch die Stadt Otterberg eine bewegte Sandstein-Geschichte hat, ist dagegen weit weniger bekannt. Und das, obwohl sich der Sandstein auch hier im Ort an allen Ecken zeigt, allen voran in der gewaltigen Abteikirche in der Stadtmitte. Die hellen gelblichen Steine stammen aus dem sogenannten „Weißen Steinbruch“, der am Frohnberg beim heutigen CVJM-Gelände lag und von Zisterziensermönchen bereits im 12. Jahrhundert genutzt wurde. Steine aus diesem Steinbruch wurden sogar beim Bau des Schlosses Hohenschwangau in Bayern verwendet – das gleich gegenüber dem berühmten Märchenschloss Neuschwanstein liegt.
Attraktion auf dem Hinkelsteinweg
Der Steinbruch, um den es in diesem Artikel eigentlich geht, hat zwar nicht zum Bau solch märchenhafter Bauten beigetragen, dafür hat er einen anderen entscheidenden Vorteil: Er wurde touristisch erschlossen. Der ehemalige Steinbruch am Scheidewald, liegt mitten im Wald Richtung Drehenthalerhof. Seine rötlichen Steine wurden unter anderem genutzt, um das Denkmal zu Ehren der gefallenen Soldaten auf dem Heiligenmoschelerberg nahe dem dortigen Verkehrsübungsplatz zu errichten.
Aufgegeben wurde der Betrieb in den 1950er Jahren. Danach lag die Fläche lange unbeachtet brach. Bis vor einigen Jahren die Idee aufkam, den Steinbruch in den ohnehin dort verlaufenden Hinkelsteinweg zu integrieren, um diesen weiter aufzuwerten.
20 Meter hohe Sandsteinwand
Diese insgesamt 42 Kilometer lange Strecke kann über den Drehenthalerhof abgekürzt und in zwei Etappen gelaufen werden. Die südliche, mit Startpunkt in Otterberg, ist etwa 21 Kilometer lang und führt – wenn man die Strecke entgegen dem Uhrzeigersinn läuft – im letzten Drittel am Steinbruch vorbei. Dieser kommt ganz unvermittelt. Eben noch läuft man durch den Wald mit dichtem Blätterdach, dann lichtet sich die Sicht hin zu einer Freifläche und die etwa 20 Meter hohe massive Steinwand erhebt sich im Hintergrund.
Das Gelände vor dem Felsmassiv wurde bei der Erschließung vor sechs Jahren freigeräumt. Heute stehen hier eine Informationstafel und Sitzbänke sowie Holzzäune, die verhindern, dass Besucher zu nah an die Abbruchkante kommen, auch wenn der Bruch gesichert wurde. Damals abgeschlagene Hecken wurden zu sogenannten Benjeshecken aufgeschichtet, die kleineren Tieren als Lebensraum dienen sollen – was tatsächlich funktioniert. Während von der im Schatten liegenden Steinwand eine ureigene Ruhe ausgeht, zwitschert und raschelt es davor unaufhörlich und wer genau hinsieht, erhascht einen Blick auf eine der vielen Eidechsen, die sich hier sehr wohl zu fühlen scheinen. Und noch einen Vorteil hat der ehemalige Steinbruch zu bieten: Im Sommer geht von dem freigelegten Sandstein eine angenehme Kühle aus, gegen Mittag steht die Sonne nämlich hinter der Wand und lässt diese somit im Schatten.
Wer keine Lust oder Möglichkeit hat, die 21 Kilometer der Hinkelsteinweg-Etappe zu wandern, kann zum Beispiel am Sportplatz in Otterberg parken, von dort ist der Weg zum Steinbruch deutlich kürzer. Ausgeschildert ist er nicht, wer ihn finden will, orientiert sich am besten am Symbol des Hinkelsteinwegs: ein schwarzer Stein auf einem weißen Feld.
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Schöne Aussichtspunkte, verwunschene Mauern, idyllische Pfade oder lauschige Plätzchen, jenseits der touristischen Besuchermagneten: In unserer Serie „Geheimtipps vor der Haustür“ stellen wir attraktive Ecken in der Region Kaiserslautern vor, die nur wenige kennen, die aber ein lohnenswertes Ziel für einen Abstecher sind. Haben auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, solch einen Geheimtipp auf Lager, den Sie gerne mit anderen teilen möchten? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an unsere Redaktionsadresse redkai@rheinpfalz.de.
