Otterberg / Winnweiler
Prosit im Steinbruch: neue Attraktion auf Hinkelsteinweg
Knapp 20 Meter hoch ragt die imposante, rote Sandsteinwand gen Himmel. Aus seinen Kindheitstagen hatte Martin Klußmeier, SPD-Ortsvorsteher des Drehenthalerhofes, den ehemaligen Steinbruch noch in Erinnerung. So war er mit dieser Idee zur Stelle, als Carola Ibrom, die Leiterin der Tourist-Info der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg, sich Gedanken machte, wie man den Hinkelsteinweg aufwerten könne. Schließlich werden Prädikatswanderwege alle drei Jahre vom Deutschen Wanderverband neu bewertet. Es dauerte dann etwa zwei Jahre von der anfänglichen Begehung bis zur Umsetzung des Projekts.
„Als ich mir das Areal zum ersten Mal angeschaut habe, musste ich erst einmal schlucken“, räumt Klußmeier ein. Es galt, haufenweise Gestrüpp wegzuräumen und Bäume zu fällen. „Wir haben auch viel Spaß dabei gehabt“, berichtet der Helfer Herbert Brand, der gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen wie Rolf Hubing und Jürgen Klußmeier sowie dem Forstarbeiter Friedrich Schläfer und Mitarbeitern des Bauhofs zugange war. Dank des großen Einsatzes schafften sie die Arbeit an drei Samstagen mit jeweils sechs bis acht Personen.
Baumfällen als ökologische Aufwertung
Mehr als 40 Bäume wurden unter Zuhilfenahme von Traktoren und Seilwinden weggeschafft. Unter der Leitung des Forstamtes habe man diese dann verkauft, berichtet Revierleiter Thomas Breyer. „Das Baumfällen dient hier auch der ökologischen Aufwertung“, ist sich der Förster sicher. Es seien minderwertige Hölzer geschlagen worden. Aus den Büschen werden Benjeshecken angelegt, erläutert Carola Ibrom. Diese Totholzhecken böten vielen Tieren einen Lebensraum. Auch könne damit verhindert werden, dass Besucher der tiefen Senke am Fuß der Steilwand zu nahe kämen. Um der Öffentlichkeit die Nutzung des Areals zu ermöglichen, sei der komplette obere Teil mit einem Maschendrahtzaun gesichert worden, sagt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg, Harald Westrich (SPD).
Die Sandsteine des Rotliegenden lieferten einstmals ausgezeichnetes Baumaterial, welches um 1900 in mehreren Steinbrüchen rund um Otterberg abgebaut wurde. Das nördlich der Stadt auf dem Heiligenmoscheler Berg errichtete Kriegerdenkmal zur Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg von 1870 bis 1871 stammt von hier. Seit den 1950er Jahren liegt der ehemalige Steinbruch brach. Nun wird er jedoch zumindest touristisch belebt. Der Wanderwart des Hinkelsteinwegs, der Otterberger Jürgen Wachowski, hat in den vergangenen Tagen bereits die nötige Streckenmarkierung Richtung Steinbruch erweitert.
„Zwitscherkasten“ für durstige Wanderer
Eine rustikale Sitzgruppe stiftete Ortsvorsteher Klußmeier. Sie bietet Rastenden einen gemütlichen Platz, um den beeindruckenden Ort auf sich wirken zu lassen. Und noch etwas mag manch einen Besucher zum Verweilen anregen. Das Ehepaar Rebekka und Jürgen Wachowski brachte an einem Baum einen Zwitscherkasten an. Wer nun glaubt, dieser diene Vögeln als Brutstätte, der täuscht sich. Beim Öffnen des hölzernen Kästchens entdeckt der durstige Wanderer vier Schnapsgläser und eine Flasche mit Likör. Direkt darunter befindet sich der Schlitz für die Entrichtung des Obolus. „Der Kasten ist schon genutzt worden“, stellt Rebekka Wachowski erfreut fest. Noch sind in den kommenden Tagen einige Abschlussarbeiten auf dem Gelände fällig. Westrich plant, eine Info-Tafel zur Geschichte des Steinbruchs aufstellen zu lassen.
Zur Sache: Der Hinkelsteinweg
Der Prädikatswanderweg „Hinkelsteinweg“ verbindet als Rundweg das Wegenetz des Pfälzerwaldes mit dem Wandergebiet am Donnersberg und dem Pfälzer Höhenweg. Startpunkte des insgesamt 41 Kilometer langen Weges sind in Winnweiler an der Igelborner Hütte oder in Otterberg am Kirchplatz vor der imposanten Abteikirche.
Die Wandertour hat ein leicht begehbares Profil, ist durch ihre Länge aber herausfordernd. Über den Drehenthalerhof besteht allerdings die Möglichkeit, den Hinkelsteinweg in beide Richtungen abzukürzen und in zwei Etappen (Nordroute mit 23 Kilometern oder Südroute mit 20 Kilometern) zu erwandern.
Der Hinkelsteinweg ist durchgängig nach den Kriterien des Deutschen Wanderverbandes mit einem schwarzen Hinkelstein-Logo auf weißem Grund markiert. Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel bestehen über den Bahnhof in Winnweiler. Der Zuweg zum Startpunkt an der Igelborner Hütte ist ebenfalls markiert.
Auf der Internetseite www.tourenplaner-rheinland-pfalz.de gibt es mehr Infos zum Hinkelsteinweg und anderen Wanderwegen. Den Hinkelsteinweg findet man unter der Rubrik Touren über die Tourensuche.