Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Gegen Mähroboter haben Igel keine Chance

 Einrollen hilft dem Igel gegen Fressfeinde, Mähroboter sind für die Tiere ohne Fluchtreflex hingegen ein großes Problem.
Einrollen hilft dem Igel gegen Fressfeinde, Mähroboter sind für die Tiere ohne Fluchtreflex hingegen ein großes Problem.

Jahrhundertelang half dem Igel sein Stachelkleid, um sich vor Feinden zu schützen. Einfach zusammenrollen und der perfekte Schutzmechanismus ist da. Genau das wird dem Igel immer öfter zum Verhängnis. Der Feind hat vier Rollen und erleichtert die Gartenarbeit: Mähroboter sorgen bei immer mehr Gartenbesitzern für ein perfektes Grün und laufen oftmals Tag und Nacht. Doch auch der Rasentrimmer macht vor den Stacheln eines Igels nicht Halt, weiß Karsten Tide, der die Wildtierhilfe betreibt.

„Dem Igel fehlt der Fluchtreflex, den er ja auch wegen seiner Stacheln nie gebraucht hat“, weiß der Tierretter. Sobald der Igel etwas wahrnehme, rolle er sich zusammen. Gerade Mähroboter, die über Nacht weiterlaufen, werden den stacheligen Gesellen im Garten dann zum Verhängnis. Zwischen zwei und drei Igel, die von einem Mähroboter Schnittverletzungen davontragen, bekommt die Wildtierhilfe jährlich. Das ist vermutlich nur ein kleiner Teil der Tiere, die in die Messer des Mähwerks kommen. „Kaum jemand bringt einen Igel, den er verletzt hat, zum Tierarzt oder zu uns“, schätzt Tide.

Auge und ein Stück vom Ohr verloren

Tide hat derzeit noch einen Igel aus Ahrweiler, den er wieder aufpäppelt. Er vermutet, dass hier kein Mähroboter, sondern ein Rasentrimmer das Tier verletzte. „Er hat ein Auge verloren und ein Stück vom Ohr. Dazu wurde das Stachelkleid verletzt“, beschreibt Tide die Verletzungen. Da der Gehörgang noch intakt ist, hat die Wildtierhilfe dem kleinen Kerlchen eine Chance gegeben: „Wenn ein Igel ein Auge verliert, sind die Nachteile für den Igel nicht so groß, da er tagblind ist.“ Die Nase und damit der Geruchsinn seien für Igel aber notwendig. Der Igel aus Ahrweiler sei zum Glück schon ein erwachsenes Tier, „die Jungen haben fast keine Chance, wenn so etwas passiert“. Er soll wieder in seinem Heimatrevier ausgewildert werden. „Gerade weil ihm ein Auge fehlt, ist es für ihn wichtig, in seinem bekannten Revier zu sein, wo er sich dann leichter zurechtfinden wird.“

Hecken und Gebüsch überprüfen

Bevor der Rasentrimmer zum Einsatz kommt, sollten die Hecken oder das Gebüsch durchgeguckt werden, rät der Fachmann. „Die Igel liegen tagsüber im Gebüsch und schlafen.“ Auch bevor der Mähroboter startklar gemacht wird, sei es hilfreich, den Rasen durchzugucken. Gerade die jungen Igel seien auch tagsüber unterwegs. Er wisse auch, dass das keine Garantie sei, dass nicht doch einmal nach dem Absuchen ein Tier über den Rasen tappst. Aber das Risiko sei gering. „Vor allem nachts aber sollte der Mäher nicht eingesetzt werden“, fordert Tide die Gartenbesitzer zu mehr Igelschutz auf. „Denn in der Nacht gehen die Tiere auf Nahrungssuche.“

 Kommt einem Mähroboter ein Igel in den Weg, sieht es für das Tier schlecht aus.
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