Landtagswahl
FDP-Mann Moritz Neumann: Was der Student sich für die Region wünscht
„Ich war schon mit 13, 14 Jahren politisch interessiert“, antwortet Moritz Neumann auf die Frage, wieso er sich in so jungen Jahren auf ein Mandat im Mainzer Parlament bewirbt. Sein Elternhaus, in dem gerne diskutiert werde, habe schon früh sein Interesse am politischen Geschehen geweckt. Ebenso seine Schulzeit an der Realschule plus in Ramstein. „Die Lehrer dort haben es verstanden, uns Schüler zu selbstständigem Denken und zum Bilden einer eigenen Meinung zu bewegen.“
Obwohl er nicht aus einem FDP-Haushalt stamme, habe er sich bereits mit 16 Jahren den freien Liberalen angeschlossen, berichtet der 21-Jährige, der auf Platz 20 antritt und zuversichtlich ist, dass seiner Partei wieder der Einzug ins Mainzer Landesparlament gelingt. „In der Bundespolitik wurden Fehler gemacht“, findet Neumann – nach eigener Aussage „kein Christian-Lindner-Fan“. In Mainz aber habe die FDP in der Koalition gut regiert. Daher wolle er dazu beitragen, dass die Liberalen am 22. März die Fünf-Prozent-Hürde nehmen. „Totgesagte leben länger“, fügt er verschmitzt an.
Mehr Effizienz im Nahverkehr
Mit welchen Themen will der junge Mann aus Lambsborn beim Wähler punkten? Hier fällt Neumann sofort die „marode Infrastruktur“ ein: „Ich bin ein typisches Dorfkind, mit all den Erfahrungen, die man als Dorfkind so macht.“ Dazu gehörte, dass er vor dem Erwerb des Führerscheins von den Eltern viel herumgefahren werden musste, weil es mit Bus und Bahn schwierig war, zur Schule oder zu Freizeitaktivitäten jenseits der Sickinger Höhe zu kommen. Der öffentliche Nahverkehr auf dem Land müsse verbessert werden, fordert er. „Dafür braucht es nicht zwingend mehr Busse, sondern einen sinnvolleren Einsatz der vorhandenen Fahrzeuge gerade zu Stoßzeiten wie den Schülerverkehren.“
Neumann plädiert dafür, die Auslastung zu erfassen. Auf schwach frequentierten Routen oder in Zeiten mit wenigen Fahrgästen könnten kleinere Busse eingesetzt werden. So bekäme man freie Kapazitäten für Extrabusse bei den Schülerverkehren. Auch bei der Bahn wünscht er sich eine Erfassung der Fastgastzahlen. „Müsste man das Deutschland-Ticket beim Einsteigen einscannen statt nur vorzuzeigen, dann erhielte man unkompliziert die Fahrgastzahlen und könnte entsprechend der Auslastung reagieren.“
Weniger Bürokratie, mehr Tempo
Mehr Tempo wünscht sich der Lambsborner auch bei der Sanierung der „ganzen Schlaglochalleen“ und sieht die „überbordende Bürokratie“ als Bremsklotz: „Die muss man ein Stück weit eindampfen und auch mal Mut zur Lücke haben.“ Das gelte fürs Bauen generell, auch in puncto bezahlbarer Wohnraum. „Diesen zu finden, ist gerade für junge Leute ein großes Problem“, sagt der Architekturstudent im dritten Semester, der an der Universität Kaiserslautern viel mit DIN-Normen zu tun. „Die Baukosten gehen nicht mehr runter. Bauen wird daher nur günstiger, wenn der Staat die Regulierungen senkt“, ist Neumann überzeugt und verweist darauf, „dass Deutschland europaweit die höchsten Bau-Standards habe“.
Neue Wege – nach dem schwedischen Modell – wünscht er sich auch in der Bildung: Diese sollte individuell an den Stärken und Schwächen des einzelnen Schülers ausgerichtet sein, um die Chancengleichheit zu verbessern, sagt Neumann, der nach der Mittleren Reife an der Realschule am Ramsteiner Reichswald-Gymnasium sein Abitur abgelegt hat. „Wir müssen lernen wie im 21. Jahrhundert und auch die Möglichkeiten der KI dabei sinnvoll nutzen“, fordert er eine Digitalisierung der Schulen, die „übers bloße Einscannen von Arbeitsblättern auf dem I-Pad hinausgeht“.
Um die jungen Leute nach Schule und Uni in der Region zu halten, brauche es „wirtschaftliche Klebepunkte“, sprich: mehr Industrie mit Jobs für Fachkräfte. „Die Betriebe brauchen Unterstützung, um investieren zu können. Strukturschwache Regionen wie unsere müssen gezielt gefördert werden, und zwar schnell“, fordert er auch hier mehr Effizienz. „Es dauert alles viel zu lange.“
„Bin in der Region verwurzelt“
Für Moritz Neumann steht fest: Er möchte auch nach dem Studium in seiner Heimat bleiben, hier fühle er sich stark verwurzelt. „Auf meiner Stute Lorelei über die Sickinger Höhe zu reiten, ist einfach herrlich“, nennt der „glückliche Junggeselle“ sein liebstes Hobby. Daneben gibt es für ihn freilich noch einen weiteren „Klebepunkt“: „De Betze!“, bekennt der FCK-Fan.
Wahlkreis 46
Der Wahlkreis 46 Kaiserslautern-Land umfasst die Verbandsgemeinden Bruchmühlbach-Miesau, Landstuhl, Ramstein-Miesenbach und Weilerbach.