Kreis Kaiserslautern Fast alles außer Vieh

Was 1825 als Viehmarkt begann, hat sich heute zum Krammarkt entwickelt. Rund ums Alte Schulhaus (wie hier 2017) darf jeden Mittw
Was 1825 als Viehmarkt begann, hat sich heute zum Krammarkt entwickelt. Rund ums Alte Schulhaus (wie hier 2017) darf jeden Mittwoch vor dem ersten Advent gebummelt werden.

Den traditionellen Krammarkt in Miesenbach gibt es an diesem Mittwoch wieder rund um das Alte Schulhaus. Ab 8 Uhr werden Modeschmuck, Kräuter, Gewürze und Weihnachtsgebäck bis hin zu Glückwunschkarten, Haushaltswaren und Adventsschmuck angeboten. Auch Strickwaren, Schals, Mützen, Kränze, Lederwaren und Honigprodukte sind im Angebot.

Die Reservistenkameradschaft Ramstein-Landstuhl, die den Markt seit 20 Jahren mit ihrem Verpflegungszelt unterstützt, sorgt für Frühstück und später für Pfälzer Spezialitäten zum Mittagstisch. Bürgermeister Ralf Hehler (CDU) kümmert sich um 11.30 Uhr um den Bierfassanstich . Der Platz rund um das „Alte Schulhaus“ wird ab 6 Uhr morgens komplett gesperrt. Fahrzeuge, die dann noch hier parken, werden abgeschleppt, um für die Marktstände Platz zu schaffen. In der Hauptstraße gilt zwischen Ringstraße und Hangweg ein beidseitiges Halteverbot. Ausweichparkplätze gibt es am Wasgau-Markt und in der Straße „Schulpfad“. 1825 fand die Veranstaltung zum ersten Mal statt – damals als Rindvieh-, Pferde- und Schweinemarkt mit Warenmarkt. Allein in den Jahren 1825 und 1826 sind 14 Markttage verzeichnet, an denen 227 Geschäfte stattfanden. Über 450 Verkäufer und Händler sind vermerkt. Bis zu 1200 Interessenten besuchten früher den Markt. Jahr für Jahr wurden hunderte Stück Vieh auf den Marktplatz getrieben. Das Geschäft blühte. Wurde man sich einig, war es üblich, den Handel durch Handschlag zu besiegeln. Der Viehmarkt war gleichzeitig „Viktualienmarkt“ – Lebensmittel, Haushaltswaren, Handwerkszeug, aber auch Porzellan und Glaswaren und vieles mehr durften verkauft werden. Konnte der Bauer seine Kuh besonders gut verkaufen, saß der Geldbeutel etwas lockerer, so dass auch noch der eine oder andere Wunsch der Frau erfüllt wurde. Ab 1874 wurde der Haupt-Viehmarkt attraktiver gestaltet. Waren bis zu dieser Zeit wiederholt Preise oder Prämien für das beste auf dem Markt angebotene Vieh vergeben worden, so wurde nun eine Verlosung eingeführt. Die Hauptgewinne waren zumeist Rinder. Weitere Gewinne waren Geräte für die Landwirtschaft, Gegenstände für die Küche und den Haushalt und Dinge für den persönlichen Bedarf. Ein Los kostete eine Mark, der Losverkäufer erhielt hiervon zehn Pfennige. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb nur ein kleiner Teil der Miesenbacher der Landwirtschaft treu. Die meisten verpachteten oder verkauften ihre Liegenschaften und suchten sich auf dem Flugplatz Ramstein oder in der Industrie einen Arbeitsplatz. Der technische Fortschritt machte auch vor der Landwirtschaft nicht halt, Maschinen ersetzten Pferde und Fuhrkühe. Ein letztes Mal wurde 1965 zum Hauptviehmarkt eingeladen. In diesen Jahren konnte dem Krämermarkt ein guter Umsatz und Verlauf bescheinigt werden, während der Viehauftrieb und Viehverkauf so stark zurückgegangen waren, dass der Entschluss gefasst wurde, den eigentlichen Viehmarkt nicht mehr abzuhalten und damit auch auf die traditionelle Verlosung zu verzichten. Nur noch der Waren- oder Krämermarkt sollte bestehen bleiben. Er ist bis heute Teil des Miesenbacher Veranstaltungskalenders. Immer am letzten Mittwoch vor dem ersten Advent findet der Krammarkt statt.

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