Kreis Kaiserslautern „Es ist die Gruppe, die zählt“
In Otterbach kommt der Jugendtreff nach dem Verkauf des Bürgerhauses bei der Freiwilligen Feuerwehr unter. Dort geht derzeit der Bühnenbau für das Rockmärchen weiter. Im August stehen gleich zwei Aufführungen in Ramstein-Miesenbach im Haus des Bürgers an.
Gemütlich ist der Bauhof der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg nicht wirklich. Zwischen den Wintergeräten zeigt sich viel Beton, davor werkelt eine Gruppe Jugendlicher, die das Ambiente nun nicht wirklich zu stören scheint. Normalerweise treffen sie sich im JUTZ.O, im Jugend-Treff-Zentrum Otterbach, in den Räumen des ehemaligen Bürgerhauses. Dort – mit Küche, Kuschelsofas und viel Vertrautheit – haben sie die Grundlage für ihr Rockmärchen gelegt. Das Musical packt traditionelle Märchen in das Hier und Jetzt und gibt der Jugend eine Stimme – mit ihrer Sprache und zu ihren Problemen. Das Bürgerhaus Otterbach, und damit ihr bisheriges Zuhause, wurde verkauft. Kein Problem hieß es zunächst, das Haus wird renoviert, der Jugend-Treff kehrt zurück. Bis dahin gab es auch das Angebot in einen anderen Raum innerhalb des Hauses umzuziehen. Nur, der war ebenfalls Baustelle pur und absolut nicht zu nutzen. Eine Alternative musste gefunden werden. „Die Freiwillige Feuerwehr Otterbach unterstützt uns schon lange, wo wir sie brauchen. Dass wir nun hier in die Räume dürfen, das ist unglaublich“, ist Julia Pfeiffer, Jugendsozialarbeiterin der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg, der Freiwilligen Feuerwehr „ganz arg dankbar“. Außer in den Schulungsraum der Feuerwehr dürfen die Jugendlichen auch in den Bauhof der Verbandsgemeinde, der direkt an das Gebäude der Feuerwehr anschließt. Die umjubelte Premiere des Rockmärchens war im November 2016 in Otterbach in der Oskar-Steiner-Halle. 2017 folgten Aufführungen in der Otterberger Stadthalle und in Weilerbach. Es geht aufwärts für die junge Truppe. Im Sommer wartet mit dem Haus des Bürgers in Ramstein nun eine ganz andere Dimension. Allein der Gedanke daran ruft bei den Jugendlichen Aufregung, Freude und Stolz hervor. Natürlich ist wie immer Chrissi Steidel, Sängerin, Vorsitzende im Förderverein JUTZ.O, Drehbuchautorin des Rockmärchens und verantwortlich für die gekonnten Bühnenauftritte, an der Seite der singenden und spielenden Jugend. Julia Pfeiffer hat den Grundstein für den Auftritt am 29. August im Haus des Bürgers in Ramstein gelegt. „Das Ganze ist ein Kooperationsprojekt mit dem Jugendbüro Ramstein und der Realschule plus am Reichswald in Ramstein“, stellt sie die gute Zusammenarbeit mit dem Ramsteiner Jugendsozialarbeiter Volker Hammel und dem Schulsozialarbeiter Markus Gödtel heraus. Im August wird das Rockmärchen vormittags für die Schüler der Realschule am Reichswald aufgeführt und am Abend dann für alle, die sich für die Probleme der Jugend interessieren, die sehen wollen, wo Gefahren lauern, die all das witzig aufbereitet und in Märchenform erleben wollen. „Ramstein ist eine ganz andere Nummer“, sieht Chrissi Steidel nun allerdings die Truppe gefordert, das Bühnenbild zu vergrößern, die Kulissen anzupassen und vor allem im Spiel das eigene Auftreten noch viel präsenter werden zu lassen. Es gibt also einiges zu tun für die jungen Leute. Ausgerechnet jetzt, wo sie ihres Zuhauses beraubt sind. Dass sie sich nun stattdessen bei der freiwilligen Feuerwehr treffen, sehen sie allerdings locker. „Das ist schon okay, aber natürlich kein Vergleich mit dem echten JUTZ.O“, beschreibt Philipp Wagner das Empfinden. „Der Raum ist nicht entscheidend, es ist doch die Gruppe, die zählt“, betont eine weitere Jugendliche, die regelmäßig dabei ist. „Zum Arbeiten erfüllt es schon seinen Zweck“, bringt es Martin Reiß auf den Punkt. Die junge Truppe hofft natürlich, dass es bald wieder zurück in den Jugendtreff geht und dass im August der Saal im Haus des Bürgers proppenvoll sein wird.