Kreis Kaiserslautern Eingekreist:

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Zu den Dingen, die Politik und Politiker so enorm nervtötend machen, gehört das Salbadern. Nahezu ununterbrochen greifen sie auf Versatzstücke zurück, produzieren Sprechblasen und ergehen sich in Plattitüden. So faseln sie sinn- und inhaltslos daher − und wir Journalisten blasen diese Nichtigkeiten dann auch noch in die Welt. Deshalb ist allenthalben vom „Bohren dicker Bretter“, von „tragfähigen Kompromissen“, der „Umsetzung“ und „Realisierung“ kühner „Visionen“ sowie „Schritten in die richtige Richtung“ die Rede. Aber allzu oft soll das Gerede nur über Ideenlosigkeit hinwegtäuschen. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Landstuhl, Peter Degenhardt von der CDU, erweist sich dagegen immer wieder als Mann der klaren Worte. Mit Schelte hält er sich selten zurück, zieht das geschliffene Wort dem überstrapazierten Gemeinplatz stets vor (quittiert Kritik am eigenen Verhalten allerdings häufig pikiert und prinzessinnenhaft, ja schmallippig bis brezelmaulig). Ein schönes Beispiel für die klare Kante, die er zu schlagen weiß, erreichte uns diese Woche in Form einer Pressemitteilung der Landstuhler Tourist-Information. Die hat sich neue Öffnungszeiten gegeben − und zitiert Degenhardt als Gewährsmann für die Richtigkeit dieser Neuerung. „Mit Start in die Frühlingssaison bietet die Tourist-Information der Verbandsgemeinde (...) neue Öffnungszeiten an“, teilt das Fremdenverkehrsbüro mit. Es öffnet von Montag bis Freitag jeweils zwischen 9 und 12 sowie von 13 bis 16 Uhr, an Samstagen von 9 bis 12 Uhr. Das wäre schon an und für sich toll. Wie großartig, segensreich, gottvoll und wunderbar die Öffnungszeiten sind, unterstreicht dann so richtig aber erst ein Zitat des Bürgermeisters. Der nämlich sagt: „Eine klare Linie bei den Öffnungszeiten, einfach zu merken und damit auch serviceorientierter für Gäste und Gastgeber.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Ein steter Quell der Erkenntnis wie der Freude ist auch „Wir − Das Mitteilungsblatt der Kreisverwaltung Kaiserslautern“. In der aktuellen Ausgabe gibt es zwar leider keine einzige Abbildung des allzeit strahlenden Landrats. Dafür wurden gleich mehrere briefmarkengroße Gruppenbilder von Leuten eingerückt, die nebeneinander aufgereiht stehen und dabei ein Zertifikat, eine Medaille, einen Blumenstrauß sowie − originelle Idee! − einen überdimensionalen Scheck vor sich halten. Das Verwaltungsverfahrensgesetz gebietet: „Die Amtssprache ist Deutsch.“ Dem trägt das „Wir“-Heft mit Begrifflichkeiten wie Sonderabfallsammelstelle, vormundschaftliche Obliegenheiten und Ostereiermalwettbewerb Rechnung, die Kreissparkasse ist natürlich − siehe oben − „ein modernes und zukunftsorientiertes Bankinstitut“, das „Ideenbox-Flyer“ auslegt. Was das ist? Lesen Sie’s nach auf Seite 5 der „Wir“-Nummer 3/2016. Auf Seite 1 geht es um den bevorstehenden Umzug der Kreisverwaltung. Mit Umzug ist bedauerlicherweise kein Korso von Festwagen gemeint, obwohl wir uns eine fröhlich winkende Erste Beigeordnete im blumengeschmückten Traktoren-Anhänger ebenso gut vorstellen könnten wie fanfarenblasende Verwaltungsbedienstete und einen Bonbons werfenden Landrat. Nein, Umzug bedeutet im vorliegenden Fall tatsächlich den vorübergehenden Standortwechsel der Behörde. Das 1960 eingeweihte und logischerweise längst unter Denkmalschutz gestellte Kreisverwaltungsgebäude wird komplett runderneuert, Belegschaft und Ausstattung daher zeitweilig ausgelagert. Auf Beamtendeutsch heißt dies, dass das „Gebäude der Kreisverwaltung wegen energetischer Gebäudesanierung bis auf weiteres geschlossen“ ist (aha, Gebäudesanierung für ein Gebäude). Die Abteilungen verteilen sich vorerst auf Burg-, Fischer- und Pfarrstraße sowie den Lauterer Altenhof. Aber jetzt kommt’s: „Hauptsitz während Hauptumzug geschlossen“, meldet das „Mitteilungsblatt der Kreisverwaltung“. Hauptsache, es klingt gewichtig! Das wusste schon der Hauptmann von Köpenick. Damit wären wir beim Hauptpunkt meiner heutigen Überlegungen angelangt. Was ich zu sagen habe, kann ich ohne Gruppenfoto, ohne Riesenscheck in der Hand und sogar in Unkenntnis der vormundschaftlichen Obliegenheiten des Hauptgebäudes vermitteln. Vielmehr will ich eine klare Linie ziehen und Sie alle auffordern: Dienen sie unserer Demokratie, unserer Freiheit und unserer Mündigkeit. Bedienen Sie sich ihrer so hart erkämpften Errungenschaften. Gehen Sie wählen! Ich mach’s ja auch.

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