Kreis Kaiserslautern Eingekreist:

Bisher kannte ich nur die furchtbar gesunden Omega-Fettsäuren. Vor allem aus der Werbung. Dass es auch eine Omega-Wetterlage gibt, war mir neu. Und was sie bedeutet, erst recht. Nämlich schwitzen, schwitzen, schwitzen. Hoch Annelie liegt über der Region und verwandelt sie in einen Backofen. Von morgens bis abends knallt die Sonne erbarmungslos grell und von keiner Wolke gebremst vom blauen Himmel und verwandelt uns alle in armselige, klebrige und trotz all der tollen Deos müffelnde Gestalten, die sich mit dicken Füßen, wüster Frisur und gequältem Gesicht durch die Hitze schleppen. Alle freuen sich immer auf den Sommer, aber das ist einfach zu viel des Guten. Viel zu viel. Hoffentlich ist es mit der Omega-Wetterlage bald vorbei. Und auch Hoch Annelie soll sich meinetwegen zum Teufel scheren. Ich will Abkühlung! Wenigstens ein bisschen. Dass die Hitzewelle erst nach dem Rheinland-Pfalz-Tag so richtig in Fahrt kam, ist ein kleiner Trost, der all jene Hitzegeplagten eint, die beruflich oder ehrenamtlich auf dem Landesfestaktiv waren. „Mensch, was für ein Glück! Wir wären ja umgekippt wie die Mücken, wenn es da so heiß gewesen wäre!“ Diesen Spruch hab ich in den letzten Tage dauernd gehört. Von all den neuen Kumpeln, die man seit dem Landesfest eben so hat. Es ist komisch, aber alle, die dabei waren, die über Tage von früh bis spät gemeinsam geschwitzt, gelacht, geflucht und so manches Problem gelöst haben, gehören nun irgendwie zu einem Club, zu dem der Rheinland-Pfalz-Tags-Veteranen. Früher hat man sich über viele Jahre im Flur nur knapp gegrüßt, kannte vielleicht gerade mal den Namen des Kollegen aus der anderen Abteilung. Das ist jetzt anders: Jetzt sind wir per Du, lachen und plaudern miteinander, wissen, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat und – vor allem – dass wir uns aufeinander verlassen können. Ein RHEINPFALZ-Phänomen? Keineswegs. Auch in der Ramsteiner Verwaltung haben sich so manche Abteilungen, die sich früher etwas scheel beäugt haben, inzwischen verbrüdert, wie man hört. Die gemeinschaftliche Arbeit, das Gemeinschaftserlebnis hat sie zusammengeschweißt und das Arbeitsklima zum Positiven verändert. Ein ebenso unerwarteter wie bemerkenswerter Nebeneffekt des Landesfests – und hoffentlich ein nachhaltiger. Nachhaltig in Erinnerung bleiben wird aber bestimmt eines: Der Rheinland-Pfalz-Tag 2015 war ein riesiger Erfolg, für die vielerorts im Land als tiefste Provinz geschmähte Westpfalz und vor allem für Ramstein-Miesenbach selbst. Die kleine Stadt ist aus dem Schatten der übermächtigen Air Base herausgetreten und hat sich als liebenswerter, überaus herzlicher, zugleich aber auch als gut organisierter Gastgeber präsentiert. Auch wenn es den ein oder anderen Engpass bei der Beförderung der Menschenmassen gegeben haben mag, der Ärger darüber ist bei den Gästen offenbar schnell verflogen und war nach dem Besuch des Fests vergessen. In der vergangenen Woche bekam die Redaktion jedenfalls nicht eine einzige (!) Mecker-Mail – ungewöhnlich nach einer Veranstaltung dieser Dimensionen. Die Ramsteiner müssen also wohl das Allermeiste richtig gemacht haben. Von Weitsicht zeugt im Nachhinein die Entscheidung, das Landesfest in die Westpfalz zu holen: Der Name Ramstein-Miesenbach ist künftig für viele im Land nicht mehr nur gleichbedeutend mit dem US-Stützpunkt und den Amerikanern. Die Gäste von auswärts wissen nun, dass der Flugplatz und die Amerikaner zwar zu Ramstein gehören, dass die Kommune aber viel mehr ist: nämlich ein lebendiges Städtchen mit unermüdlicher Einsatzfreude und riesigem Gemeinschaftssinn. Nun wird im Rathaus Kassensturz gemacht. Bis nächste Woche will man ermitteln, was der Rheinland-Pfalz-Tag in Euro und Cent gekostet hat. Was er gebracht hat, steht hingegen schon fest: Er hat das Image der Stadt draußen im Land aufpoliert. Und selbst wenn die angepeilte Schwarze Null nicht erreicht werden sollte, muss man nicht meckern: Gute Reklame gibt es halt selten ganz umsonst. Mein persönliches Fazit des Rheinland-Pfalz-Tags ist zumindest eindeutig positiv: Anstrengend war’s, aber auch richtig schön. Und zum Glück noch nicht so heiß! Trotz tropischer Temperaturen ein entspanntes Wochenende wünscht