Ramstein / Mehlingen RHEINPFALZ Plus Artikel Die Vogelgrippe rückt näher: Haben Hühnerzüchter Angst?

Susanne Prinzkosky hat für ihre „Wanderhennen“ ein Zelt vor dem mobilen Stall aufgebaut, um ihnen zumindest etwas Auslauf zu bie
Susanne Prinzkosky hat für ihre »Wanderhennen« ein Zelt vor dem mobilen Stall aufgebaut, um ihnen zumindest etwas Auslauf zu bieten.

Die Vogelgrippe grassiert in Deutschland. Mittlerweile gibt es auch bestätigte Fälle im Landkreis Kaiserslautern. Was bedeutet das für die Hühnerzüchter?

„Wir sind uns der Bedrohung bewusst, aber für uns ist das nichts Neues oder Ungewohntes. Wir machen das fast jedes Jahr mit. Mit dem Vogelzug kommt die Vogelgrippe“, sagt Dieter Fauß, Vorsitzender des Geflügelzuchtvereins Ramstein. Fauß betont weiter: „Wir sind gewappnet und geschult, unsere Bestände sind über Jahre durchgeimpft. Ich habe unseren Mitgliedern noch vor der offiziellen Stallpflicht gesagt, wir lassen unsere Tiere drinnen, wir wollen sie keinem Risiko aussetzen.“

Dennoch sind Fauß und die anderen Züchter, die ihre Hühner ausstellen wollen, direkt betroffen. Während der Ramsteiner Verein seine Lokalschau am 19. Oktober noch abhalten konnte, wurden alle größeren Ausstellungen, wie etwa die Landesschau, abgesagt. „Das ist für uns der Super-GAU, das sind die Veranstaltungen, für die wir die Züchterei machen. Unser Hobby leidet sehr darunter“, hadert Fauß mit den beinahe jährlichen Einschränkungen.

Gefahr durch unwissende Laien

Um seine eigenen Bestände macht sich Fauß wenig Sorgen, da es unter den Züchtern üblich sei, die Bestände für den Winter auf die Zuchttiere zu dezimieren und den Auslauf zu schonen. Fauß selbst habe zudem einen großen Stall, während viele seiner Kollegen auf vogelsichere Volieren setzen, um ihren Hühnern Auslauf und Frischluft zu gewähren. „Die größte Bedrohung für uns ist, dass ein unwissender Laie, der nicht impft und sich nicht an die Vorschriften hält, einen Fall in seinem Bestand hat“, erklärt Fauß. Denn sollte es im Umkreis von drei Kilometern einen bestätigten Fall geben, werden seine Hühner mitgekeult, obwohl sie geimpft sind.

Besonders bitter: Er bekäme dieselbe finanzielle Entschädigung wie ein Hühnerhalter, der nur auf Leistung und Wirtschaftlichkeit züchtet: „Man kann finanziell nicht bemessen, was unsere Tiere für einen Wert für uns haben. Das interessiert bei der Kreisverwaltung dann keinen, ob ich seit 30 Jahren auf den Bestand hingearbeitet habe“, fürchtet Fauß. Insbesondere das Keulen wertvoller Zuchttiere, darunter vor allem auch seltene Rassen, von denen es bundesweit nur noch wenige Zuchtstämme gibt, wäre für die Züchter der Super-GAU: „Genpools könnten unwiederbringlich verschwinden“, betont Fauß die möglichen Konsequenzen.

„Wanderhennen“ dürfen nicht mehr wandern

Die Stallpflicht stellt eine besondere Herausforderung für Susanne Prinzkosky und ihre „Wanderhennen“ dar. Denn diese werden in mobilen Ställen gehalten und jede Woche auf eine neue Wiese gezogen, wo ihnen jeweils etwa 2500 Quadratmeter Auslauffläche zur Verfügung steht. „Es ist uns sehr wichtig, dass wir den Stellplatz wechseln, bevor das Grüne komplett abgepickt ist. Wir wollen, dass unsere Hennen ganz viel Grün essen und viele Kräuter aufnehmen. Das ist für die Tiere gesund und zeigt sich in der Qualität der Eier“, erklärt Prinzkosky, die die Eier in einem Selbstbedienungsautomaten vor ihrer Haustür verkauft. Aktuell betreibt sie drei Mobilställe zeitgleich.

Große Sorge wegen der bestätigten Vogelgrippe-Fälle im Landkreis hat sie nicht: „Die bisherigen Fälle waren weit genug weg und betreffen uns nicht direkt.“ Dennoch hat Prinzkosky Verständnis für die Entscheidung der Kreisverwaltung, eine Stallpflicht anzuordnen; der Schutz der Hühner vor weiterem Befall steht auch für sie im Vordergrund.

Improvisation mit Zelten

Da sie weder Hof noch festen Stall hat, musste Prinzkosky nun improvisieren, um ihren Hennen zumindest etwas Auslauf zu gewähren. „Wir wollten sie auf keinen Fall nur im Stall lassen, das sind sie überhaupt nicht gewohnt. Sie waren immer im Grünen, das ist für unsere Hühner ein großer Einschnitt“, erklärt Prinzkosky.

Also besorgte sie Zelte und baute diese vor den mobilen Ställen auf. Zusätzlich bringt sie den Tieren regelmäßig Beschäftigungsmaterial, etwa Heuquader, die mit Weizen oder getrockneten Würmern gefüllt sind, oder Kürbisse zum Bearbeiten und Picken: „Wir müssen uns etwas einfallen lassen, damit denen nicht langweilig wird“, erzählt Prinzkosky. Und meint abschließend: „Wir hoffen, dass die Stallpflicht nicht allzu lange gelten muss und unsere Hennen bald wieder raus dürfen.“

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