Kreis Kaiserslautern Die ganze Pfalz im Glas

Alle Jahre wieder lockt der Trippstadter Marmeladenmarkt mit heimischen Kostbarkeiten; hier das Probierangebot am Stand der Kind
Alle Jahre wieder lockt der Trippstadter Marmeladenmarkt mit heimischen Kostbarkeiten; hier das Probierangebot am Stand der Kindertagesstätte Iggelbach (Elmstein).

In der Pfalz gehört Einkochen nach der Ernte einfach dazu. Das hat schon die Oma so gemacht. Was allerdings gestern beim Marmeladenmarkt am Haus der Nachhaltigkeit (HdN) in Johanniskreuz geboten wurde, war Kreativität pur, ein Stück konservierte Pfalz mit Würze.

Um es vorweg zu nehmen: Der Marmeladenmarkt Johanniskreuz hat weit mehr als simple Brotaufstriche im Angebot. Simone Nickel, stellvertretende Leiterin des HdN, hat einmal mehr mit ihrem Team für ganz unterschiedliche „Einmacher“ gesorgt: Familie Schweigert vom Kürbishof Birkenhördt hat neben 70 verschiedenen Aufstrichen – darunter eine Tomatenmarmelade – auch Kürbisse und Nüsse mitgebracht. „Der Baby-Boo-Kürbis lässt sich wie Bratkartoffeln zubereiten. Man muss ihn nur waschen, nicht schälen“, gibt es die Zubereitungstipps für „umme“ dazu. Im Kreis der Aufstriche steht so Ungewöhnliches wie Löwenzahn-Nektar oder Tannenspitzengelee. „Lecker und gut bei Erkältung“, lässt sich eine Kundin gerade überzeugen und schlägt zu. „Gesund und besonders zur Stärkung der Immunabwehr geeignet“, preisen die Schweigerts auch den Sirup aus Holunder-Beeren an. Ein bisschen Abwehr spitzelt auch aus dem Wein von Winzer Gerhard Hoffmann aus Göcklingen. Augenzwinkernd will er mit seiner „Wilden Sau“, so der Name des Weins, auf die Problematik der Wildschweine im Weinberg aufmerksam machen. „Die kommen in Rotten und fressen alle Trauben, bevorzugt die Siegerrebe“, macht er deutlich, dass nicht nur der Landwirt, sondern eben auch der Winzer der Fressfreude der Wildschweine ausgesetzt ist. „Nur wir bekommen den Schaden nicht ersetzt“, ärgert er sich. Der Weinname „Wilde Sau“ ist somit ein schmackhaftes Ausrufezeichen auf Pfälzisch! Typisch pfälzisch ist auch die Initiative, die in der Marmelade am Stand der Kita Iggelbach steckt. „Wir haben alles selbst gekocht, der Erlös kommt direkt den Kindern zugute“, berichtet die Kita-Leiterin Christine König. Mit normaler Marmelade ist es aber auch hier am Stand nicht getan. Hier gibt es doch tatsächlich eine „Mama-Marmelade“ der Geschmacksrichtung Sekt-Orange und eine „Papa-Marmelade“ mit Bier. Eine andere Eigeninitiative findet sich an der kleinen Bude von Sabrina Seibert aus Altrip. Weil sie selbst unter Lebensmittelallergien leidet, kocht sie sich die Marmeladen oder auch den Senf selbst. Einmal im Jahr geht sie damit auf den Markt: „Ich habe nur hier in Johanniskreuz einen Stand.“ Seibert schätzt die Atmosphäre am Haus der Nachhaltigkeit. Die Pfalz mit ihrer ursprünglichen Heimat Teneriffa hat unterdessen Natascha Jacky aus Landau-Wollmesheim in die Gläser gepackt. Da sind dann etwa Pfälzer Erdbeeren mit Papaya aus Teneriffa vereint zum Aufstrich fürs Butterbrot. „Meine Eltern leben noch dort und bei Besuchen bringe ich mir immer was mit“, berichtet Jacky, wie es zu den Kreationen kommt. Ganz bodenständig kommt dagegen der Honig aus Linden daher, der nur aus dem näheren Umkreis stammt. Hobbyimker Uli Utzinger hat daneben auch das Innere eines Bienenstocks – ohne Bienen – zu Anschauungszwecken mitgebracht. „Die Arbeit mit den Bienen ist so herrlich beruhigend und entspannend“, schwärmt das Mitglied im Imkerverein Moosalbtal. Während Utzinger eher die bekannten Honigsorten hat, bietet Felix Heravi aus Oberschlettenbach auch Thymian- oder Lavendelhonig feil. Aus Mutterstadt hat Heike Fehmel alles dabei, was irgendwie in Gläser passt. Da verbindet sich der Spargel mit dem Chili, der Knoblauch hält sich geruchlich vornehm zurück. Er lauert als Pesto im gut zugedrehten Glas. Die Kräuter sind zu Essig verarbeitet, das Gemüse präsentiert sich als Antipasti. Die Gemüsefrau war es leid, Gemüse und Obst, das nicht in die Norm wachsen will, wegzuwerfen. Also wird nun verarbeitet, konserviert und im Glas verkauft. Die kontinuierlich über den Markt flanierenden Besucher, viele mit einem feinen Lächeln im Gesicht, wollten aber ohnehin nichts Genormtes. Sie wollten die Pfalz im Glas – und genau das gab’s gestern in Johanniskreuz.

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