Hütschenhausen
Der Kranichwoog lockt viele Vögel an
Der Kranichwoog bei Hütschenhausen, bestehend aus großen und kleinen Wasserbecken mit Schilf- und Weidegürtel, ist für Spaziergänger, Erholungssuchende und Freunde unberührter Natur kaum wegzudenken. Hier kann auf den Wegen entlang der umzäunten, rund 40 Hektar großen Fläche flaniert und gestaunt werden. Nun gut, im Grunde kann von Unberührtheit im ursprünglichen Sinn so gar keine Rede sein. Das Gewässer wurde schließlich künstlich angelegt. Trotzdem: Hier weiß die Natur zu verzücken – unter anderem mit einer bunten Vogelwelt.
Es war der Naturschutzbund (Nabu) Weilerbach, der sich vor Jahren mächtig ins Zeug gelegt und mit Partnern dafür gesorgt hat, dass hier wieder Lebensraum für Vögel, Amphibien, Insekten und Pflanzen erwächst. Ein Lebensraum, wie es ihn vor Generationen schon einmal gab. Nach modellierenden Eingriffen der Naturschützer – 2018 sind die ersten Bagger gerollt – hat die Natur am Kranichwoog das Zepter übernommen. Wie gut das funktioniert, dokumentiert Alexander Weis vom Nabu Weilerbach seitdem sehr genau. Bereits 2019 gelang der Nachweis über erste brütende Vögel. Der Flussregenpfeifer trug sich als gefiederter Pionier in die seitdem laufende Erfolgsgeschichte des Biotops ein.
Einige neue Gäste am Biotop
„Letztes Jahr hatte ich etwa 150 Beobachtungstage“, spricht Weis sein Monitoring am Kranichwoog an. Mal eben vorbeigehen und schauen, damit ist es also nicht getan. Vogelbeobachtung kostet viel Zeit und verlangt eine Menge Geduld. Weis bleibt oft über Stunden bewegungslos in einem störungsfreien Abstand zum Geschehen im Naturraum. Der Respekt vor jeder Kreatur ist ihm wichtig. Die Tiere danken es ihm letztendlich mit zauberhaften Motiven. Obwohl: Der Fisch, den Weis im Maul eines Grünschenkels entdecken konnte, fand es wohl weniger zauberhaft. Aber wie kommen die Fische in den Woog? „Der Dreistachlige Stichling ist vermutlich über den Waldgraben eingewandert“, vermutet Weis.
2022 waren im Vergleich zu den Vorjahren laut Weis einige neue Gäste am Biotop. Rastende Blässgänse, die bevorzugt in der arktischen Tundra oder Grönland brüten, legten genauso einen Zwischenstopp am Kranichwoog ein wie der Gänsesäger, ein nordamerikanischer Entenvogel. Auch der Zwergstrandläufer blieb auf seiner kurzen Rast nicht unentdeckt. „Es waren alle Limikolen-Arten zur Rast hier und dieses Mal auch viel länger als sonst“, berichtet Weis von seinen Beobachtungen und zählt mit Rotschenkel, Grünschenkel, Alpenstrandläufer, Sandregenpfeifer, Waldwasserläufer, Flussuferläufer, Kiebitz, Bekassine, Dunkler Wasserläufer und vielen mehr einige seiner Sichtungen auf. „Zwei diesjährige Kampfläufer waren zwei Wochen zur Rast hier“, erinnert sich Weis. Das Biotop bietet offensichtlich ein prima Futterangebot, von dem sich Ende des vergangenen Jahres auch alle gängigen Entenarten wie etwa Spießenten, Knäckenten, Löffelenten, Pfeiffenten, Reiherenten , Tafelenten , Stockenten, Krickenten und Schnatterenten bei ihrem Aufenthalt am Kranichwoog überzeugten.
Der Zwergtaucher brütet hier gerne
Gebrütet wurde im vergangenen Jahr auch wieder. Neben den bereits am Woog bekannten Brutpaaren wie Teichhuhn, Flussregenpfeifer und Zwergtaucher hatte sich im vergangenen Jahr auch die Nilgans zum Nestbau entschieden. Ganz vorne in der Vogelstatistik der vor Ort Brutpaare tummelt sich diesmal der Zwergtaucher. Dieser Entenvogel, der mit seinem aufgeplusterten Hinterteil wie eine kleine schwanzlose Federkugel mit Hals und Kopf wirkt, gilt als der kleinste fischfressende Wasservogel. Er kommt zwar ganzjährig in Rheinland-Pfalz vor, steht aber auf der Roten Liste auf der Vorwarnliste. Am Kranichwoog konnte Weis im Rahmen seines offiziellen Monitorings nun gleich fünf Brutpaare mit insgesamt 19 Jungvögeln notieren. Da hat einiges gepasst. Gefressen und gefüttert haben die Zwergtaucher vor allem Libellenlarven, die sich laut Weis massenhaft im Woog befinden.
Damit es für Spaziergänger in Zukunft bei Beobachtungen Richtung Biotop noch spannender wird, soll der lange angekündigte Beobachtungsturm in diesem Jahr endlich gebaut werden. Aus 19 Meter Höhe kann dann die Natur am Kranichwoog mit all ihren Facetten betrachtet werden.