Landstuhl
Chirurgie des Nardini Klinikums nun Adipositas Kompetenzzentrum
Die Bescheinigung vergibt die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV). „Wir sind sehr stolz auf die Zertifizierung, die bisher nur noch zwei weiteren Zentren in Rheinland-Pfalz zugesprochen wurde“, sagt Peter Jung, Chefarzt der Chirurgie und Gesellschafter des MVZ, wo er ebenfalls als Chirurg arbeitet. „Es ist auch etwas Besonderes, dass wir sie als eher kleines Krankenhaus erhalten haben. Viel Arbeit sei nötig gewesen, um sämtliche Anforderungen zu erfüllen, die eine Zertifizierung voraussetzt.
Netzwerk aufgebaut
In Deutschland leiden 25 Prozent der Erwachsenen und etwa eine Million Kinder unter Adipositas, einer krankhaften Form von Übergewicht. Der Kampf gegen die Kilos ist für die Betroffenen meist ebenso zermürbend wie erfolglos. „Wir bieten ihnen Hilfe in Form eines umfangreichen multimodalen Konzeptes, das Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie umfasst. Das Ziel ist zum einen die Gewichtsabnahme, aber auch Erkrankungen, die Adipositas mit sich bringt, entgegenzuwirken. Dazu gehören vor allem Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Schlafapnoe, Herz- und Kreislauferkrankungen sowie orthopädische Probleme und verschiedene Krebserkrankungen. Sie führen ebenfalls zu einer deutlich verkürzten Lebenszeit der Patienten.“
Die Behandlung, die sich an der Höhe des Body Mass Index (BMI) orientiert, erfolge multimodal und interdisziplinär. Eingebunden seien Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapeuten, Hausärzte, Internisten, Diabetologen, Kardiologen, Gastroenterologen, Psychologen und Psychiater. Es sei ein Netzwerk, das das MVZ Westpfalz über Jahre ausgebaut hat, so der Mediziner, und das ein herausragendes Merkmal des Zentrums sei, da es eine umfassende Diagnostik, Therapie und Betreuung der Adipositaspatienten biete.
Gewichtsabnahme im ersten Jahr bis zu 45 Prozent
Führen die konservativen Therapien nicht zum Erfolg oder sind aussichtslos, bleibt nur noch eine Operation. Bei einem BMI über 40 – in Ausnahmefällen auch darunter – sei sie die primäre Indikation. „Dabei gibt es zwei Methoden: die Schlauchmagenoperation und den Magenbypass in verschiedenen Variationen. Beide erfolgen minimalinvasiv per Bauchspiegelung und sind für den Patienten gut verträglich. Die Erholungszeit ist kurz und die Komplikationsrate sehr niedrig.“ Danach betrage die Gewichtsabnahme im ersten Jahr bis zu 45 Prozent. Mit dem Effekt, dass sich auch die Begleiterkrankungen verbessern und sich dadurch die Lebensqualität erhöht. „Davon profitiert auch die psychische Verfassung der Patienten. Sie bekommen ein höheres Selbstwertgefühl.“
Während die Operation in der chirurgischen Abteilung des Nardini Klinikums, die Peter Jung gemeinsam mit dem Chirurgen Dirk Bleymehl leitet, erfolgt, findet die gesamte konservative, prä- und postoperative Behandlung im ambulanten Bereich des MVZ statt. Dementsprechend wurde dort eine Struktur aufgebaut, in die zwei Arzthelferinnen und die Adipositaskoordinatorin Dagmar Bärzler sowie ein dreiköpfiges Ärzteteam, dem der Chirurg Markus Naumann angehört, eingebunden sind. Dies habe zu einer deutlichen Steigerung der Patientenzufriedenheit und der Patientenzahlen geführt.
120 Eingriffe im vergangenen Jahr
Das frisch zertifizierte Adipositas Kompetenzzentrum betreut gegenwärtig 400 Patienten, 2021 wurden 120 Eingriffe im Zusammenhang mit Adipositas durchgeführt. „Hier werden auch Korrekturoperationen vorgenommen, die häufig nötig werden, wenn die drastische Gewichtsabnahme Hautüberschüsse etwa an Bauch, Beinen und Armen zur Folge hat.“ Um nach drei Jahren – Ende 2024 – erfolgreich rezertifiziert zu werden, muss das Adipositas Kompetenzzentrum diverse Kriterien erfüllen. Dazu gehört unter anderem eine Mindestanzahl von Operationen pro Jahr. Außerdem müssen die Falldaten in einer Qualitätssicherungsstudie erfasst und transparent gemacht werden. „Und wir setzen alles daran, die nächst höhere Stufe mit der Zertifizierung als Referenzzentrum zu erreichen“, haben sich die Mediziner Jung und Bleymehl vorgenommen.