Kreis Kaiserslautern Beamte nehmen Eltern-Taxis ins Visier
Täglich grüßt das gleiche Spektakel. Kurz vor Unterrichtsbeginn sorgen Eltern-Taxis rund um das Reichswald-Gymnasium und die Realschule plus in Ramstein-Miesenbach für ein gefährliches Verkehrschaos. Am vergangenen Dienstag zeigten Polizei und Ordnungsamt Präsenz.
Um 7.15 Uhr ist die Welt noch in Ordnung. Auf dem Busbahnhof und den angrenzenden Straßen ist kaum was los. Doch Polizeioberkommissar Steffen Sauthoff und seine drei Kollegen von der Polizeiinspektion Landstuhl sind gewappnet. Zusammen mit Marcel Lamparth und Mathias Roman vom Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach wollen sie sich Verkehrssünder vorknöpfen. Eine Aktion, die im Rahmen des kriminalpräventiven Rates mit den Schulleitungen der Realschule plus und des Gymnasiums abgesprochen und angekündigt wurde. Kaum haben die Beamten in Zweierteams an den neuralgischen Punkten Stellung bezogen, bricht der Sturm los. Schüler strömen vom Busbahnhof zu den Schulen, Lehrer treffen ein. Für sie wird das Durchkommen zunehmend schwerer. Denn die Zeit der Eltern-Taxis ist angebrochen. Sie liefern die Kinder vor der Schule ab, am liebsten direkt am Tor. Gehalten wird überall. Auf dem Gehweg, vor der Feuerwehrzufahrt, in zweiter Reihe, zur Not im Gegenverkehr. Hauptsache, der Nachwuchs hat es nicht weit. „Sie wissen, dass Sie im absoluten Halteverbot stehen“, fragt Steffen Sauthoff einer Fahrerin, deren Tochter langsam aus dem Wagen klettert und ihre Siebensachen vom Rücksitz sammelt. Die Frau gibt sich erstaunt. Sie habe kein Schild gesehen. Und überhaupt sei sie doch schon so gut wie weg. Die Erklärung nützt nichts. Ein Verwarnungsgeld ist fällig. „Der Bescheid kommt per Post“, erklärt der Beamte, während Marcel Lamparth zwecks Halterfeststellung das Nummernschild ablichtet. Die Kamera wird er bis Unterrichtsbeginn öfter zücken. Denn das absolute Halteverbot, das ganze Abschnitte kennzeichnet, imponiert den wenigsten. Nur einige üben angesichts der Beamten in letzter Sekunde Disziplin. Die Blechlawine dehnt sich aus. Zusätzlich hindern wendende Wagen am Weiterkommen. Die Gehwege verwandeln sich in Hindernisparcours. Schüler müssen auf die Straße ausweichen, weil Autofahrer den Bürgersteig zweckentfremden, in der Annahme, damit das Halteverbot zu umgehen. Ein Irrtum, den die Ordnungshüter schnell aufklären. Die Palette der Ausflüchte, die sie zu hören bekommen, ist groß. „Mal hat angeblich der Nebel die Sicht auf die Verkehrsschilder genommen, mal ist die Dunkelheit oder die Eile daran schuld. Manche sind sich überhaupt keiner Schuld bewusst, andere reagieren verständnisvoll und geloben Besserung.“ Doch Verstoß bleibt Verstoß – und kostet Geld. „Das Verwarnungsgeld für Halten im absoluten Halteverbot beträgt zehn Euro, mit Behinderung 15 Euro“, so Polizeikommissar Christian Becker, der sich am Busbahnhof zwischen Gymnasium und Realschule plus postiert hat. Auch dort geht’s rund. Wenn die Busse einfahren, müssen Autos draußen bleiben. Doch daran halten sich längst nicht alle und sorgen für ein unübersichtliches Durcheinander. Eine Missachtung der Verkehrsvorschriften, die Unfälle heraufbeschwört. Nach Informationen der Verbandsgemeinde ist erst vor kurzem im Bereich des Busbahnhofes am Schulzentrum ein Kind angefahren worden. Um gegen das rücksichtslose Verhalten der privaten Hol- und Bringdienste vorzugehen, sollen künftig unangekündigte Kontrollen stattfinden, Verstöße geahndet und gegebenenfalls angezeigt werden. Obgleich gut gemeint, bringe der Chauffeur-Service mehr Nach- als Vorteile, betonen die Beamten. „Zum einen birgt das Verkehrschaos für die Schüler unnötige Gefahren. Zum anderen wird Kindern, die immer gefahren werden, die Chance genommen, sich im Straßenverkehr selbstständig und sicher zu bewegen“, sagt Steffen Sauthoff. „Wenn es sich gar nicht anders organisieren lässt, sollten Eltern wenigstens dort parken, wo es erlaubt ist. Und damit auch ihrer Vorbildfunktion gerecht werden.“