Landstuhl RHEINPFALZ Plus Artikel Ausbau der Kaiserstraße: Umsatzeinbußen, Sorgen und Ärger der Geschäftsinhaber

Die Kaiserstraße ist bis auf Weiteres Baustelle.
Die Kaiserstraße ist bis auf Weiteres Baustelle.

Der Ausbau der Kaiserstraße in Landstuhl ist ein Mammutprojekt. Seit Ende 2024 laufen hier die Bauarbeiten. Für die Gewerbetreibenden ist das keine einfache Situation.

Jochen Conrad ist erleichtert. Seit die zweite Bauphase in der Kaiserstraße begonnen hat, ist das Hotel Christine wieder ganz normal, sprich: von vorne, über die Kaiserstraße erreichbar. Die Baustelle ist in der zweiten Bauphase, die gerade begonnen hat, nun ein paar Meter weiter gezogen. „In der ersten konnte man uns nur über die hintere Einfahrt in der vorderen Imserstraße erreichen, das hat natürlich für Verwirrung bei vielen ortsunkundigen Gästen gesorgt“, so Conrad, Front Desk Manager des Hauses. Eine Weile habe man auch ein Hotel-Gebäude, das gegenüber dem Hauptgebäude auf der anderen Seite der Kaiserstraße liegt, nicht nutzen können. Inwiefern sich das auf den Umsatz ausgewirkt habe, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht beziffern.

Christa Lutz: „Es fehlt die Laufkundschaft“

Für das Hotel Christine (117 Zimmer) habe die Baustelle vor der Tür auf jeden Fall Stress bedeutet. Mit den normalen Shuttle-Bussen der Airlines sei das Hotel nicht erreichbar gewesen, hier musste auf Vans umgestiegen werden. „Es gab so einige Sachen, die nicht bedacht wurden. So gab es zunächst bei uns keinen Übergang über die Straße. Und gegen Ende der ersten Bauphase hat man uns vor unsere Einfahrt eine Straßenlaterne gesetzt“, so Conrad. Immerhin: Die Verwaltung habe auf entsprechende Hinweise dann auch schnell reagiert und Korrekturen vorgenommen. „Im Rahmen der Baustellenbesprechung wurde der Standort der Straßenlaterne entgegen dem ursprünglichen Plan leicht versetzt, um die Einfahrt zum Hotel Christine zu optimieren“, bestätigt Gerhard Malinowski, Beigeordneter der Stadt Landstuhl.

„Umsatzeinbußen sind spürbar“

Während man beim Hotel Christine nun etwas aufatmen kann, ist die Baustelle nun sozusagen direkt vor die Tür der Damen-und-Herren-Boutique „Lifestyle – Der Trendladen“ gewandert. Das Geschäft, seit 25 Jahren am Platz, merke das deutlich. „Die Kundenfrequenz ist stark zurückgegangen, auch Umsatzeinbußen sind spürbar“, sagt Inhaberin Christa Lutz. Eine schwierige Situation. „Es fehlt die Laufkundschaft. Ich verkaufe hier ja Luxus, ich bin kein Arzt, zu dem die Leute müssen. Wenn ihnen der Weg zu beschwerlich ist, gehen sie woanders hin“, sagt Lutz, die aber auf ihre Stammkunden bauen kann, wie sie sagt. Sie würde sich mehr Transparenz von der Stadt wünschen. „Dass die Wiesenstraße, die zur Kaiserstraße führt, zur Fahrradstraße werden soll, das haben wir spät erfahren. Da fallen ja dann in Zukunft auch Parkplätze weg“, klagt sie. Hier entgegnet der Beigeordnete Malinowski: „Über die künftige Nutzung der Wiesenstraße wurde bereits zu Beginn der Verkehrsplanungen für den Stadtumbau im Jahr 2020 im Stadtrat und in dem zuständigen Ausschuss öffentlich gesprochen. Auch die RHEINPFALZ berichtete über die Planungen. Das Verkehrskonzept wurde in Informationsveranstaltungen in der Stadthalle, mit Bürgerbeteiligung, durch die beauftrage Firma vorgestellt.“

Baustellen-Déjà-vu

Ähnliche Beobachtungen wie Lutz hat in Sachen Kundenfrequenz Andrea Bremer gemacht, die seit 18 Jahren die Damen-Boutique Futura Moda in der Kaiserstraße betreibt. „Es sind deutlich weniger Kunden, die Laufkundschaft ist im Grunde komplett weg. Es kommen die Stammkunden“, sagt sie.

Die Baustelle vor der Tür, das sei für sie praktisch ein Déjà-vu. Schon als sie in Ramstein ein Ladengeschäft betrieb, musste sie mit solch einer Situation umgehen. Bremer schaut genau hin, hat ihr Ohr bei den Bauarbeitern und hält ihre Kunden über die sozialen Netzwerke auf dem neuesten Stand. „Ich hole mir meine Infos direkt, warte nicht auf die Verwaltung“, sagt sie. Gleichzeitig versuche sie, über Rabattaktionen auf sich aufmerksam zu machen. „Ich versuche, optimistisch zu bleiben“, sagt Bremer, die in den vergangenen Wochen auch ein ums andere Mal mit dafür gesorgt hat, dass der Hausmüll in der Straße abgeholt werden konnte, nachdem der Entsorger nicht wusste, wie er das anstellen sollte, sagt sie.

Dazu sagt der Beigeordnete Malinowski: Probleme bei der Müllentsorgung habe es nicht gegeben. „Es kam lediglich zweimal zu einem Tag Verzögerung bei der Abholung der gelben Säcke. Ursächlich für die Verzögerungen waren urlaubsbedingt und betrafen nicht nur die Kaiserstraße in Landstuhl“, so Malinowski, und weiter: „Die Verwaltung sowie die Kümmerin Frau Kraft verständigten unverzüglich das Entsorgungsunternehmen und einen Tag später wurde der Müll abgeholt.“

Schwierige Saison

Miranda Giagnorio Lacagnina macht sich unterdessen Sorgen um ihr Eiscafé Dolomiti. Als die RHEINPFALZ bei ihr vorbeischaut, sind kaum Kunden da. „Es ist fast leer. Normalerweise wäre um diese Zeit die Hütte voll“, sagt sie. Mindestens die Hälfte der Kunden bleibe seit Beginn der zweiten Bauphase weg, entsprechend sei der Umsatz eingebrochen. „Niemand möchte draußen sitzen und eine Baustelle vor der Nase haben“, sagt sie. Es seien zu wenig Kunden da, um Personal zu beschäftigen. „Daher mache ich hier gerade alles alleine. Ich kaufe ein, muss die Einkäufe umständlich in den Laden bringen, mache Eis, verkaufe, bediene, putze auch noch den Laden. Es ist wirklich anstrengend“, sagt sie. Dass nun ausgerechnet im Sommer die Baustelle vor der Tür sei, schlage kräftigt ins Kontor. „Das ist jetzt unsere Saison, hier erwirtschaften wir normalerweise das Geld, um über den Winter zu kommen.“ Es bleibt die Hoffnung. Miranda Giagnorio Lacagnina: „Ich bin seit 35 Jahren hier. Aber so schlecht wie jetzt lief es noch nie.“

Karin Hahn, Teamleiterin im Sanitätshaus Ank-Kaiser, nimmt die Baustelle sportlich. „Es war Zeit, dass hier etwas geschieht. Die Kaiserstraße war in einem schlechten Zustand. Es gab richtige Spurrillen in der Fahrbahn, da sind auch schon Leute gestürzt“, hat sie beobachtet. Da könne man sich nicht beschweren, wenn solche schweren Mängel behoben werden. Hahn: „Wenn die Stadt da nichts tun würde, wäre es auch nicht recht.“ Man müsse da jetzt einfach durch.

Das Sanitätshaus Ank-Kaiser gehört aber auch zu jenen Geschäften in der Straße, die trotz Baustelle vor der Haustür keinen Rückgang in Kundenfrequenz oder des Umsatzes beklagen müssen, sagt sie. Es gebe Parkplätze in der Nähe und auch im Hof, der erreichbar sei. So können auch körperlich beeinträchtigte Kunden das Geschäft ansteuern. Und: „Wir verkaufen hier ja keine Luxus-Artikel. Wer zu uns kommt, der muss das in der Regel“, sagt sie. Wenn der Umsatz in den Ferien zurückgehe, liege das normalerweise daran, dass Ärzte im Urlaub sind und daher weniger verschreiben.

Die Stadt zieht eine Baustellen-Bilanz

„Die Gewerbetreibenden haben aktuell natürlich Umsatzeinbußen“, erkennt der Beigeordnete Gerhard Malinowski an, der sich aber auch über das Engagement und die Kreativität der Läden bei der Kundengewinnung freut. Es sei auch positiv, dass die Gewerbetreibenden und Anwohner voll des Lobens über die Mitarbeiter der Baufirma Hosgören seien, das Miteinander gut sei.

Auf Anfrage der RHEINPFALZ zieht Malinowski auch eine erste Baustellenbilanz. „Der erste Bauabschnitt ist nahezu abgeschlossen und verlief bis auf ein paar Kleinigkeiten planmäßig“, sagt er. Die Trag- und die Binderschicht im ersten Abschnitt sei asphaltiert und könne vom Bereich der Saarbrücker Straße wieder befahren werden. Kunden und Anlieger können den ersten Abschnitt wieder nutzen und über die Wiesenstraße abfahren. Für größere Fahrzeuge sei ein Einfahren in den ersten Bauabschnitt nicht geeignet. „Die Gehwege und Seitenbereiche sind fertig gepflastert und können fußläufig genutzt werden. Auch Parken ist im ersten Bauabschnitt in den dafür vorgesehenen Abschnitten wieder möglich“, so Malinowski.

Seitens der Stadt sei man mit dem bisherigen Verlauf daher sehr zufrieden. Malinowski: „Es zeigt sich, dass die enge Abstimmung der Firmen, mit der Stadt und die nahezu wöchentlich stattfindende Baustellenbesprechung vor Ort das Ergebnis positiv beeinflussen.“ Der Zeitplan sei nahezu eingehalten worden.

Auch der zweite Bauabschnitt sei gut und zeitgerecht angelaufen. Dieser soll in zwei Abschnitte unterteilt werden. Zunächst soll bis zum Ende des Jahres der Bereich von der Wiesenstraße bis zur Königstraße abgeschlossen werden. „Somit wäre der Teil der Kaiserstraße über die Weihnachtszeit und den Jahreswechsel voraussichtlich befahr- und begehbar, falls es zu keinen witterungsbedingten Verzögerungen kommt“, sagt Malinowski.

„Den Ausbau des zweiten Bereichs vom zweiten Bauabschnitt, von der Königstraße bis Pallmanns Eck, würden wir dann je nach Witterung zu Beginn 2026 starten. In diesem Bereich wird dann auch ein Teil der Kreisverkehrsanlage errichtet. Die Kreisverkehrsanlage ist ein Teil des zweiten und dritten Bauabschnitts“, so Malinowski. Dies sei so geplant worden, damit die Kaiserstraße in Richtung Atzel befahrbar bleibt und es hier zu keiner Vollsperrung kommt.

An Umleitung ändert sich im zweiten Bauabschnitt nichts

Die Umleitung bleibt im zweiten Bauabschnitt wie im ersten Bauabschnitt bestehen, das heißt, der Durchgangsverkehr wird über die Bahnstraße umgeleitet. „Dass die Umleitung gleich bleibt, ist zu begrüßen, denn jede Neuerung braucht eine gewisse Anlaufzeit und bringt immer Probleme für die Verkehrsteilnehmer mit sich“, sagt Malinowski. Die Umleitung funktioniere auch gut. Die Dunkelschaltung der Ampelanlage im Bereich Blumen Dengel sei der Stadt wichtig gewesen, so der Beigeordnete. „Hierdurch fließt der Verkehr aus der Hauptstraße in Richtung Kindsbach deutlich besser ab, ein unnötiger Rückstau wird dadurch vermieden.“

Nach dem dritten Bauabschnitt, in dessen Zuge die Kreisverkehrsanlage am Pallmanns Eck fertiggestellt sowie der Bereich bis zur von-Richthofen-Straße neu gestaltet wird, werden die Bauarbeiten noch weitergehen. Malinowski: „Der Stadtrat hat beschlossen, auch einen vierten Bauabschnitt an die Maßnahme anzuhängen und möchte im Anschluss an den dritten Bauabschnitt nahtlos die Fläche zwischen Von-Richthofen-Straße und Blumen Dengel beziehungsweise bis zur Tourist-Info anpacken.“

Zeit- und kostentechnisch liege man derzeit im veranschlagten Rahmen. Malinowski wirbt um Geduld: „Der erste Bauabschnitt zeigt, wie schön die Kaiserstraße in Landstuhl werden wird. Da lohnt es sich, durchzuhalten.“

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