Weilerbach
Auf Streife bei der Kerwe: Vergnügen nur ganz am Rande leicht getrübt
Die beiden Ertappten trollen sich. Schleichen mit hängenden Köpfen weg vom Festplatz, die Straße lang in Richtung Rodenbach. Wohin sie der Weg in dieser Nacht noch führt, ist nicht bekannt. Interessiert auch keinen; kaum jemand hat mitgekriegt, wie soeben vier Polizeibeamte dem jungen Duo den Freitagabend gehörig vermiest haben. Zwei Störenfriede weniger? Eher fraglich. Wahrscheinlich wären sie kaum negativ aufgefallen. Da die zwei aber gerade eben mutmaßlich einer Straftat überführt worden sind, können die Beamten ja nicht einfach wegsehen.
Genau hinschauen war vielmehr Sinn und Zweck des gemeinsamen Kerwe-„Besuchs“ von Ordnungsamt und Polizei. Am Freitag wie am Samstag haben Uniformierte auf und rund um den Kerweplatz deutlich sichtbar Präsenz gezeigt. Zudem waren auch zwei Beamtinnen und ein Beamter vom Haus des Jugendrechts des Polizeipräsidiums Westpfalz in zivil unterwegs. Die RHEINPFALZ hat den Streifendienst begleitet.
Im Rapport eher Randnotiz
Eins vorweg: Die Faktenlage erlaubt nun wohl kaum die Behauptung, dass in Weilerbach das Verbrechen tobt. Nicht mal zur Kerwe. Im Rapport ist das Fest eher eine Randnotiz; der Einsatzbericht der Polizeiinspektion II ließe Leser gähnen.
Hat dazu nun beigetragen, dass Polizei und Ordnungsamt jeweils bis über die Sperrstunde hinaus höchst wachsame Augen auf das Festgeschehen hatten? Und dass außerdem auch noch die City-Streife unterwegs war? Belegen lässt sich’s nicht. Allerdings: Allein die Präsenz der Beamten hat durchaus Wirkung entfaltet.
Bürger sorgen sich um Sicherheit
Im Sommer war in Weilerbach etwas hochgekocht, war die ohnehin nicht mehr heile Welt dort noch einen Tick weiter aus den Fugen geraten. Nachdem im Mai auf dem Lidl-Parkplatz ein Mann zusammengeschlagen worden war, hatte es im Juni am Dorfplatz einen weiteren Fall von Körperverletzung gegeben. So einige Bürger waren fortan um ihre Sicherheit besorgt. Kommunalpolitiker, Verwaltung, Behörden haben reagiert. Seit Juli drehen dreimal pro Woche an Abenden Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes Runden durch den Ort.
Nun verweist die Polizei in solchen Fällen gern auf die Statistik. Klar, es lässt sich nicht wegdiskutieren, dass auch in Weilerbach nur eine geringe Zahl von Körperverletzungen registriert wird. Aber: Zweifellos ist für die Geschädigten eine einzige Tat schon zu viel. Nur abzuwiegeln, kann da keine Lösung sein.
Kontaktbeamter hört genau hin
Präsenz zeigen, damit auch das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung stärken: Es ist probates Mittel, um dem Empfinden der Menschen Rechnung zu tragen. Selbst wenn die gern bemühte statistische Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat zu werden, gering sein mag, also aus objektiver Sicht nicht von überbordenden Delikten auszugehen ist: Das subjektive Sicherheitsempfinden lässt sich nicht von Zahlen beeindrucken.
Michael Altherr weiß all dies nur zu gut. Als Kontaktbeamter bei der Verbandsgemeinde Weilerbach hört der Polizeihauptkommissar genau hin, ist mit den Bürgern im Gespräch. Für deren Sorgen hat er Verständnis. Allerdings kann Altherr auch belegen, dass seit Sommer nichts Gravierendes mehr vorgefallen, zumindest nichts aktenkundig geworden sei. Das bestätigt auch Kai Wiehn. Der Leiter des Ordnungsamts der Verbandsgemeindeverwaltung Weilerbach und sein Kollege Jannick Strasser waren am Freitagabend mit Altherr gemeinsam unterwegs.
Zwei noch sehr junge „alte Bekannte“
Ein entspannter Abend. Drei Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz waren am Freitag festgestellt worden. Dass sich ein paar Kerwegäste zu fortgeschrittener Stunde mal an den Kragen wollten, sei’s drum. Das konnte unterbunden werden. Meist reichen ein paar Worte, um heikle Situationen zu beruhigen. Dann wurde noch eine „hilflose Person“, wie es im Amtsjargon heißt, registriert – eine offenbar allzu heftig allzu großen Durst bekämpfende junge Dame. Und das war’s auch fast schon. Zwei Jugendliche allerdings kriegen richtig Ärger. Sie sind mit Drogen erwischt worden.
Michael Altherr war es übrigens, der den richtigen „Riecher“ bewies. Er war auf zwei Jungs mit einer Pulle Hochprozentigem in Händen zugegangen. Deren auffälliges Verhalten war Grund genug, die Kollegen vom Haus des Jugendrechts zu rufen. „Rück’s doch gleich raus, hast du doch letzte Woche auch gemacht“, findet eine der beiden Beamtinnen die richtige Ansprache. Sie schmunzelt, ist sie doch einem „alten Bekannten“ begegnet. Die beiden fügen sich genervt in ihr Schicksal, werden noch durchsucht, die Drogen sichergestellt. Die zwei Sünder – übrigens keine Weilerbacher, sondern aus Kaiserslautern angereist – sind gerade mal 15. Kleine Fische, die ins Netz geflutscht sind.
Berater in Rechts- und Berufsfragen
Altherr, Wiehn und Strasser werden von nicht wenigen Kerwegästen freundlich begrüßt, müssen Hände schütteln, Worte wechseln. Ortsbürgermeister Horst Bonhagen hält den Abend über mit den Ordnungshütern Kontakt. Auch er hört nichts, was ihn beunruhigen müsste.
Zwischendurch ist vor allem Altherr mal mit Familienzusammenführung befasst sowie als Fachmann für Strafrechtsfragen und sogar Berufsberater gefordert: Ein Kind findet seine Eltern nicht mehr. Ein junger Mann will wissen, ob „ein Kumpel“ vielleicht ungeschoren davon kommt, der ohne Führerschein am Steuer erwischt worden ist. Und ein anderer fragt höflich, wie er denn an ein Praktikum bei der Polizei kommen kann.
Selbst Trinkgeld-Kässchen im Blick
Übrigens ist auch die Jugendsozialarbeiterin der VG bei der Kerwe zu finden. Auch sie wirft dienstliche Blicke auf ihr Klientel, darf dabei sogar ob des Vertrauensverhältnisses zu einigen Problemfällen über mögliche Fehltritte hinwegsehen. Und auch die City-Streife ist unterwegs, hat sogar im Blick, dass womöglich das Trinkgeld-Kässchen der Reinemachefrau an den Toiletten in Gefahr scheint.
Jonas Rehmet – einer der Gesellschafter der Sicherheitsfirma, die die City-Streife stellt –, schaut ebenfalls nach dem Rechten. Die Weilerbacher Kerwe war also sicherheitstechnisch in besten Händen. Dies dürfte – Stand Sonntag – zum reibungsarmen Ablauf sicherlich beigetragen haben.