Kreis Kaiserslautern Auch mal Unmögliches möglich machen

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50 Jahre Reha Westpfalz – der Einladung zu dem runden Jubiläum am 7. September war eine stattliche Gästeschar gefolgt. Die voll besetzte Landstuhler Stadthalle spiegelte die Bedeutung der rehabilitativen Einrichtung im Ökumenischen Gemeinschaftswerk Pfalz wieder. Als Förderer beeinträchtigter Menschen, Kooperationspartner auf vielen Ebenen und Initiator eines umfangreichen Netzwerkes.

Den Grundstein legte eine Gruppe engagierter Eltern 1966 mit der Gründung des Vereins Kinderhilfe Westpfalz. Er sollte eine Lücke schließen, die in der Region klaffte, und behinderten Kindern fortan Förder- und Therapiemöglichkeiten bieten. „Ohne diesen Verein würde es die Reha Westpfalz heute nicht geben“, erläuterte Walter Steinmetz, Geschäftsführer des Ökumenischen Gemeinschaftswerks. Und verwies auf die Initiatorin Mathilde Kahseböhmer, die gemeinsam mit ihren Mitstreitern „und viel Aufwand, Energie, Ideenreichtum und Improvisationstalent den Weg für die Reha-Westpfalz geebnet hat, aus der ein großes differenziertes Werk hervorgegangen ist“. Nach einem geistlichen Wort von Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer und Oberkirchenrat Manfred Sutter nahm die Veranstaltung die Gäste zu einer spannenden Reise mit. „Zurück zu den Anfängen ins Jahr 1966“, startete Achim Pauli, bekannt als Leader des Reha-Bandprojekts „Carpe Diem Unerhört“, in die locker-spritzige Moderation. „Käseigel und Drafi Deutscher gaben damals auf Partys den Ton an, und es wurde Bowle ausgeschenkt.“ Die fehlte auch am Mittwoch nicht auf der Bühne, als stilgerechte Ergänzung zur Bar und Sitzgruppe im 60er-Jahre-Look. Doch bevor darauf die ersten Gesprächspartner Platz nehmen durften, ließ Reha-Leiter Martin Phieler gemeinsam mit Mathilde Kahseböhmer die Entwicklungsgeschichte des Vereins und seine verschiedenen Stationen Revue passieren. „Der Umgang mit behinderten Menschen hat sich im Laufe der Jahrzehnte geändert“, sagte die Frau der ersten Stunde. „Es wurde sehr viel erreicht, nicht zuletzt durch die Arbeit der Reha Westpfalz. Jetzt fehlt dort nur noch eines: eine Eltern-Kind-Abteilung“, äußerte sie einen Herzenswunsch. Im Anschluss lud sich Moderator Pauli Zeitzeugen aus den Anfängen aufs Sofa. Jürgen Becker, der seinerzeit den Reha-Kindergarten besuchte und von Mathilde Kahseböhmer zum Mittagsschlaf ins Bett gebracht wurde. Erika Mang, die als betroffene Mutter zu den Vereinspionieren zählte, und Silvia Schohl-Ehm, die als erste Mitarbeiterin im Juli 1966 ihren Dienst in der Reha Westpfalz aufnahm. „Es war damals schwierig, Mitarbeiter zu finden. Dabei sind sie entscheidend für den Erfolg des Zentrums“, so Kahseböhmer. Dem pflichtete auch Andreas Fröhlich bei. Er arbeitete viele Jahre mit schwer- und mehrfachbehinderten Kindern in der Reha Westpfalz und entwickelte die basale Stimulation. Ein Konzept, das auf der körperlichen Wahrnehmungsförderung beruht und mittlerweile international Schule gemacht hat. „Wir sind neue Wege gegangen, mussten kreativ sein, weil es keinen Markt auf diesem Gebiet gab. Ohne das Engagement und den Erfindergeist der Mitarbeiter wären wir nicht so weit gekommen.“ Ihr Know-how gibt die Reha Westpfalz längst an andere weiter, pflegt Partnerschaften mit Einrichtungen in vielen Ländern der Welt bis hin nach Indonesien. Gemäß praktizierter Inklusion ist ein eigens gegründeter Teilhabekreis damit befasst, beeinträchtigten Menschen die Mitwirkung am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Dazu leistet auch die Freizeitkoordinatorin des Wohnheims, Petra Schweißgut, ihren Beitrag. „Wir versuchen, Wünsche zu erfüllen – ob es ein Kerwebesuch oder eine Fahrt mit dem Motorrad ist.“ Dazu kommen die Angebote der Einrichtung, die von der Frühförderung bis zur Tagesförderstätte reichen und auch Kunst und Kultur bedenken. Eine Vielfalt, kombiniert mit Professionalität, die der Landstuhler Stadtbürgermeister Ralf Hersina mit großem Lob bedachte. Auch Landrat Paul Junker rollte verbal den roten Teppich aus. „Die Stärke einer Gesellschaft erkennt man daran, wie sie mit den Schwächsten umgeht.“ Und das geschehe in der Reha Westpfalz vorbildlich. „Hier ist es mit viel Kreativität gelungen, Barrieren abzubauen und Grenzen zu überwinden“, drückte der Landesbeauftragte für die Belange behinderter Menschen, Matthias Rösch, seine Anerkennung aus. Diesen Weg weiterzugehen, Bewährtes zu bewahren, neue Impulse der Menschen aufzunehmen und bestmögliche Hilfe zu gewährleisten – das bekräftigten Martin Phieler und Walter Steinmetz. Mit dem Ziel, die Reha Westpfalz auch in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.

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