Kreis Kaiserslautern „Appeltrittch“ lässt zurückblicken

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Die Fördergemeinschaft Streuobst Pfalz (FÖG) feiert an diesem Wochenende ihr 20-jähriges Bestehen. Für den Erhalt des Kulturguts Streuobstwiese wurde in dieser Zeit viel getan. „Aber wir brauchen noch mehr Unterstützung“, wirbt Vorsitzender Harald Leixner um weitere Mitglieder. Knapp 100 Mitglieder zählt die FÖG derzeit. Beim Start waren es keine 20.

„Zweck des Vereins ist die Förderung des Streuobstanbaus wegen seiner landschaftlichen und landeskulturellen Bedeutung sowie aus Gründen des Natur- und Landschaftsschutzes für die heimatliche Kulturlandschaft.“ Was so trocken und nüchtern in den Statuten steht, sieht draußen in der Natur viel belebter, viel blühender aus. Jedenfalls dort, wo es die Streuobstwiese noch oder wieder gibt. Es handelt sich um wertvollen Lebensraum, auf dem durchaus mehr als 5.000 Tier- und Pflanzenarten nachgewiesen werden können. Ein Stück blühenden Lebens sozusagen, das samt vieler alter Obstsorten zu verschwinden drohte. Rückblick: Zwischen dem 15. und späten 19. Jahrhundert entwickelte sich der Obstbau. Vor allem in der Westpfalz wuchsen hochstämmige Bäume, die nicht in Reih’ und Glied standen, wie es von heutigen Plantagen bekannt ist. Die Bäume mit den ausladenden Kronen standen „verstreut“ auf Wiesen und Weiden. Das Grün darunter wurde vom Vieh direkt genutzt oder abgemäht und in den Stall gebracht. Genau diese Kombination aus Grünland und offenen Gehölzen bietet Arten mit unterschiedlichsten Ansprüchen einen Lebensraum. Schön fürs menschliche Auge ist es obendrein − nur wirtschaftlich war es irgendwann eben nicht mehr. In den 1950er Jahren wuchs der Erwerbsobstbau, die Streuobstwiese viel diesem Prozess zum Opfer. Es wurden sogar Rodungsprämien für Streuobstbestände gezahlt. Baumaßnahmen und Flurbereinigungen beschleunigten die Talfahrt zusätzlich. Mit den Wiesen drohte ein Generationenwissen verloren zu gehen – angefangen vom Anbau der alten Sorten über Pflege und Schnitt bis hin zum Keltern des Obstes. „FÖG-Gründungsvater Manfred Jenet hat aus Sorge um die auch in der Westpfalz zu beobachtende Nutzungsaufgabe und den um sich greifenden Rückgang bei den Streuobstbeständen vor 20 Jahren mit Gleichgesinnten den Verein ins Leben gerufen“, blickt Andreas Dein von der Unteren Naturschutzbehörde auf die Anfänge zurück. Weil die Nutzung des Obsts der sinnvollste Weg zum Erhalt der Streuobstwiesen ist, schlug die FÖG mit dem „Appeltrittch“ neue Wege ein: Sie zahlt den Wiesenbewirtschaftern vertragsgemäß etwa den doppelten Marktpreis für das ohne Einsatz von Dünge- oder Pflanzenschutzmitteln erzeugte Obst. Dieses „Aufpreismodell“ hat im Herbst 1998 zu den ersten 30.000 Litern „Appeltrittch“ geführt. Im Spitzen-Apfeljahr 2004 wurden aus den ökologischen Äpfeln der unterschiedlichsten Sorten 122.000 Liter gepresst. Produziert und vermarktet wird der „Appeltrittch“ in den Betriebsräumen der Ramstein-Miesenbacher Kelterei Lösch. Für die gerade laufende Ernte hat Helmut Lösch allerdings keine allzu großen Erwartungen. „Die diesjährige Ernte wird nach meiner Einschätzung sowie aufgrund der gemeldeten Zahlen etwa die Hälfte von 2015 ergeben“, sagt Helmut Lösch – nicht gerade ein Rekord. 2015 wurden 115.000 Liter Streuobst-Apfelsaft erzeugt. „Wir brauchen noch mehr Äpfel, der ,Appeltrittch’ wird enorm nachgefragt“, ruft FÖG-Vorsitzender Harald Leixner zur Beteiligung an diesem Naturschutzprojekt auf. Info —Am 23. Oktober, 11 bis 16 Uhr, feiert die FÖG ihr Jubiläum im Bürgerhaus Eulenbis. − Infos zum Streuobstanbau im Internet unter www.loesch.de und www.kaiserslautern-kreis.de. | thea

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