Enkenbach-Alsenborn RHEINPFALZ Plus Artikel Altenhilfe: Tagespflege im Gemeindehaus geplant

Das evangelische Gemeindehaus in Alsenborn ist groß und hat viele Räume. Pfarrerin Katja Wolf hofft, mit der Vermietung des Erdg
Das evangelische Gemeindehaus in Alsenborn ist groß und hat viele Räume. Pfarrerin Katja Wolf hofft, mit der Vermietung des Erdgeschosses an die Protestantische Altenhilfe Westpfalz das Gebäude langfristig finanzieren zu können.

Große Gemeindehäuser, mehrere Pfarrhäuser: Kirchen besitzen oft zahlreiche Gebäude. Zu viele Gebäude bei immer weniger Mitgliedern und sinkender Finanzkraft. In Alsenborn steuert die Kirche dagegen. Sie nimmt einen neuen Mieter ins Boot.

Das evangelische Gemeindehaus in Alsenborn ist sehr groß und hat viele Räume, berichtet Pfarrerin Katja Wolf. Um dies zu illustrieren, hat sie einmal alle Türen gezählt. Sie kam auf 20. Die meiste Zeit in der Woche stünden die Räume leer. „Meistens werden sie ab dem späten Nachmittag oder am Wochenende genutzt.“ Gleichzeitig summieren sich die Unterhaltskosten, die Wolf auf rund 3000 Euro im Jahr schätzt. „Es ist absehbar, dass wir in den nächsten Jahren immer weniger Zuschüsse von unserer Landeskirche erhalten werden. Gleichzeitig wird Bauen und Renovieren immer teurer, und zurzeit steigen auch noch die Energiepreise“, betont die Pfarrerin und fügt hinzu: „Wir müssen uns um zusätzliche Einnahmequellen bemühen, wenn wir uns weiterhin ein Gemeindehaus leisten wollen.“

Haus durch Mieteinnahmen finanzieren

Da kam die Anfrage der Protestantischen Altenhilfe Westpfalz gerade recht. Wie Geschäftsführer Klaus Zimmermann berichtet, möchte die Altenhilfe das Gemeindehaus zum Teil mieten, um im Erdgeschoss eine Tagespflege für ältere Menschen einzurichten. „An Abenden und Wochenenden könnte die Kirchengemeinde die Räume weiterhin für die Gemeindearbeit nutzen“, erläutert Wolf. Zudem gebe es noch weitere Räume im Obergeschoss.

Das Presbyterium stehe dem Plan sehr positiv gegenüber, berichtet die Pfarrerin. Die kirchlichen Finanzen gingen zurück, zudem gebe es eine Vorgabe der Landeskirche zur Reduzierung des Gebäudebestands. Wolf: „Wir haben zwar noch keinen finanziellen Druck. Allerdings hoffen wir, durch Mieteinnahmen das Haus für die Zukunft langfristig finanzieren zu können. Dieser Mieter würde gut zu uns passen.“

16 bis 20 Tagesgäste

Die Protestantische Altenhilfe Westpfalz plant ihre Einrichtung für 16 oder 20 Tagesgäste. Eine Entscheidung über die Plätze sei noch nicht gefallen, so Zimmermann. Für die Tagesbetreuung würden vier oder fünf Vollzeitstellen entstehen. Hinzu kämen Mitarbeiter für Alltagsbegleitung, Hauswirtschaft und Fahrdienste. Einen Namen hat das Projekt auch schon: „Tagespflege Im Kirchgarten“. Ein ähnliches Konstrukt gibt es in der Paulusgemeinde in Kaiserslautern. Die Erfahrungen mit der Kirchengemeinde in der ebenfalls von der Altenhilfe getragenen Tagespflege „Hahnenbalz“ seien sehr positiv. Zimmermann: „Beide Seiten profitieren von der Zusammenarbeit.“

Allerdings müsste am 1985 errichteten Gemeindehaus Alsenborn zunächst gebaut werden. Ein Duschbad soll eingerichtet und der Empfangsbereich umgestaltet werden, berichtet Wolf. Zudem sollen die Sanitäranlagen modernisiert, der Boden neu verlegt und die Beleuchtung optimiert werden. Ferner muss laut Zimmermann der Weg für den Fahrdienst im Außenbereich angepasst werden. „Das komplette Erdgeschoss wird renoviert“, kündigt er an. Dafür seien Investitionen im sechsstelligen Bereich geplant.

Im April soll es losgehen

„Nachdem das Presbyterium unseren Plänen zugestimmt hat, werden wir einen Antrag auf Nutzungsänderung des Erdgeschosses des Gemeindehauses stellen“, kündigt er weiter an. Parallel hierzu sollen Ausschreibungen und Vergaben der notwendigen Renovierungsarbeiten laufen. Einrichtungsgegenstände würden bestellt und Personal eingestellt. Die Inbetriebnahme sei für April geplant.

Die Protestantische Altenhilfe Westpfalz hat ihren Sitz in Enkenbach-Alsenborn und ist Träger von Altenhilfe-Einrichtungen in Enkenbach-Alsenborn, Kaiserslautern, Wolfstein, Albisheim, Kirchheimbolanden und Göllheim. Die geplante Tagespflegeeinrichtung soll pflegende Angehörige entlasten. Durch medizinisch-therapeutische und pflegerische Angebote, Kommunikation, Tagesstrukturierung und Hilfen sollen Aktivierung und Rehabilitation ermöglicht werden, die zu Hause nicht geleistet werden können. Der Bedarf sei da, es gebe eine Warteliste, sagt Zimmermann.

Ausweichmöglichkeit noch unklar

Wohin kirchliche Gruppen und Kreise wie Kirchenchor, Musikensembles, Frauentreffs, Konfis, Präparanten und Presbyterium ausweichen können, ist laut Wolf noch nicht abschließend geklärt. Es gebe zwar das Dachgeschoss, aber „wir sind dann nicht mehr so flexibel“, weiß die Pfarrerin, die für 1400 Gemeindemitglieder in Alsenborn zuständig ist. Es werde auch erwogen, Räume der katholischen Kirche mit zu nutzen.

Auch andere Kirchengemeinden trennen sich von Gebäuden. In Weilerbach hat die katholische Pfarrei Pfarrhaus und Pfarrheim an die Ortsgemeinde verkauft, die dort einen Bürgergarten errichten möchte. Im Nachbarkreis Kusel wurde das Gemeindehaus Lauterecken an privat verkauft. Für Odenbach gibt es ähnliche Pläne. Auch in Einöllen gebe es Gespräche, Pfarrhaus und Gemeindehaus zu veräußern. Im „Speckgürtel“ um Kaiserslautern tut sich nach Angaben von Dekan Matthias Schwarz aktuell noch nicht so viel. Dort seien die Gemeinden meist größer, „da sind zu viele Gebäude noch nicht so ein Problem.“

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