Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Alexander Ulrich will das ,Ärztesterben’ im Kreis Kaiserslautern stoppen

In seinem Wohnort Reichenbach-Steegen ist die Welt noch in Ordnung. Alexander Ulrich vor dem Gebäude, das Arzt und Apotheke behe
In seinem Wohnort Reichenbach-Steegen ist die Welt noch in Ordnung. Alexander Ulrich vor dem Gebäude, das Arzt und Apotheke beherbergt.

Das Leben auf dem Dorf lebenswert erhalten – dafür will sich Alexander Ulrich im Kreistag besonders einsetzen. Drei Knackpunkte sind für den Spitzenkandidaten der Linkspartei dabei bessere Busanbindungen, schnelleres Internet und eine flächendeckende ärztliche Versorgung.

Seit 14 Jahren pendelt Ulrich als Bundestagsabgeordneter bereits zwischen Berlin und seinem Wohnort Reichenbach-Steegen, kennt das Leben in der quirligen Großstadtmetropole genauso wie die beschauliche Gemütlichkeit auf dem Land. „Ich wohne gerne hier. Aber für viele Menschen wird das Leben auf dem Dorf immer schwieriger“, hat der 48-Jährige festgestellt. „Viele Orte sind abgekoppelt“, sagt er und denkt dabei nicht nur an die Gemeinde im Kreis Kusel, in der seine Mutter wohnt. „Auch bei uns im Kreis gibt es Orte, in denen während der Schulferien kein Bus fährt und alte Menschen ohne Auto aufgeschmissen sind.“

Den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) auf dem Land ausbauen, ist daher eins seiner Anliegen. Aber die Busfahrkarten sollten auch günstiger werden, findet der Vater zweier Töchter im Alter von 18 und 20 Jahren. Ulrich hat dabei junge, aber auch ältere Leute mit knappem Budget im Blick. Da reiße die Hin- und Rückfahrt zum Arztbesuch in den nächsten größeren Ort gleich ein Loch in die Haushaltskasse. „Ein kostengünstiger ÖPNV hat auch eine soziale Komponente“, betont er. „Daher sollten wir eine Senkung der Buspreise im Kreistag in den nächsten fünf Jahren unbedingt angehen. Busse kosten, was sie kosten – egal wie viele mitfahren. Aber wenn sie besser ausgelastet sind, kommt auch bei niedrigeren Preisen Geld in die Kasse.“ Sein Ziel sei langfristig aber, einen kostenlosen ÖPNV anbieten zu können. „Auch in puncto Individualverkehr in Zeiten des Klimawandels wäre das natürlich ideal“, sagt Ulrich und verweist auf Luxemburg, das seit 2018 kostenlosen Nahverkehr anbietet.

Nicht nur der Bus-, auch der Datenverkehr auf dem Land ist dem Reichenbach-Steegener ein Anliegen: „Schnelles Internet bis zur letzten Gieskanne ist unheimlich wichtig“, unterstützt er das derzeit laufende Projekt des Landkreises zum Breitbandausbau. Doch auch im Mobilfunknetz gebe es noch zu viele Lücken in der Region. Da müsse eine 100-prozentige Abdeckung her, fordert Ulrich.

Defizite gibt es vielerorts auch bei der ärztlichen Versorgung auf dem Land. „Im Moment geht es bei uns zwar noch. Aber das Durchschnittsalter unserer Ärzte liegt bei deutlich über 60“, sieht der Linkspolitiker in den nächsten Jahren ein großes Problem auf den Landkreis zukommen. „Das ,Ärztesterben’ gilt es zu stoppen, zumal mit der Arztpraxis oft auch die örtliche Apotheke zumacht.“ Ein massiver Schaden für die Infrastruktur im Ort.

Doch was können die Kommunen dagegen tun? „Natürlich sind da in erster Linie Initiativen des Landes nötig“, räumt Ulrich ein. Zum Beispiel gehöre der Numerus clausus für Landärzte abgeschafft. „Denn ein Student mit einem 2,5er Abi kann ein genauso guter Arzt sein wie einer mit einer Eins vorm Komma“, findet Ulrich und fordert: „Da muss die große Politik was tun.“ Doch auch die Kommunen seien nicht dazu verdammt, hilflos zuzusehen: Sie könnten zum Beispiel Arztpraxen einrichten und dann an Mediziner verpachten, lautet sein Vorschlag. „Das senkt die Kosten und könnte junge Ärzte dazu bewegen, auf dem Land zu arbeiten“, glaubt Ulrich.

Im Kreistag hatte der Gewerkschafter und zweite Bevollmächtigte der IG Metall in den vergangenen fünf Jahren einen von zwei Sitzen der Linkspartei inne. Den Status als kleinste Kreistagsfraktion würde Ulrich gern hinter sich lassen und hofft als Spitzenkandidat unter dem Motto „100 Prozent sozial – auch kommunal“ beim Wähler zu punkten.

Info

Vor der Kreistagswahl berichten die Spitzenkandidaten der verschiedenen Parteien über das Projekt, das ihnen in den kommenden fünf Jahren am meisten am Herzen liegt.

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