Philippsburg RHEINPFALZ Plus Artikel Zweimal Wumms und die Türme sind Geschichte

Morgenstimmung: Der Tag zieht auf und der erste der beiden Kühltürme liegt bereits am Boden.
Morgenstimmung: Der Tag zieht auf und der erste der beiden Kühltürme liegt bereits am Boden.

Eigentlich sollte wegen der Corona-Pandemie geheim bleiben, wann die beiden Kühltürme des Atomkraftwerks in Philippsburg gesprengt werden. Der Termin war teilweise aber doch durchgesickert. Am frühen Donnerstagmorgen verfolgten deshalb doch ein paar hundert Schaulustige das Spektakel, das in wenigen Sekunden beendet war.

Nach Angaben von Bürgermeister Manfred Scharfenberger (Römerberg-Dudenhofen) und Sprechern der Polizeiinspektionen Speyer und Germersheim hätten zwar einige Schaulustige die Sprengung in Römerberg verfolgt, Vorfälle oder Verstöße gegen die Corona-Kontaktbeschränkungen seien aber nicht gemeldet worden. In Römerberg seien vier Polizeibeamte im Einsatz gewesen, in Lingenfeld waren es zwei Beamte.

Vor, während und nach der Sprengung waren etwa 150 Einsatzkräfte des Polizeipräsidium Karlsruhe rund um das Kraftwerksgelände und den benachbarten Orten im Einsatz. „An verschiedenen Aussichtspunkten hatten sich Menschen versammelt, aber meist in gebührendem Abstand“, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums, man sei mit dem Ablauf sehr zufrieden, das Konzept ist aufgegangen.

Ein emotionaler Moment

Gegen 10 Uhr herrscht auf der Rheinschanzinsel fast schon wieder normaler Alltag. Nur an der Abzweigung Richtung Infocenter auf dem Gelände des Kernkraftwerks Philippsburg (KKP) steht ein Polizeiwagen. Polizeioberkommissar Heiko Haag ist der so genannten Nachaufsicht zugeteilt. „Vereinzelt kommen Leute vorbei und wollen gucken. Das dürfen sie auch. Wir achten nur darauf, dass es nicht zu viele auf einmal werden“. Es sind hauptsächlich Menschen aus Philippsburg, die mal kurz schauen wollen. „Für viele ist das schon ein emotionaler Moment“, sagt Haag und berichtet, dass auch Tränen geflossen sind.

Die Sprengung verschlafen

„Laut war’s gar nicht – fast ein bisschen enttäuschend“, sagt die Mitarbeiterin einer Bäckerei, die um 6 Uhr morgens in der Weisse-Tor-Straße in Philippsburg bereits bei der Arbeit war. Zweimal ein dezentes Wumms war alles, was sie von der Sprengung der Kühltürme mitbekommen hat. Eine ältere Dame, die in der Nähe des Altrheins wohnt, hat die Sprengung einfach verschlafen. „Meine Tochter kam vorhin und hat mir gesagt, dass die Türme jetzt weg sind. Mitgekriegt habe ich gar nichts“. Einer, der der Sprengung, oder besser dem Sprengtrupp, ganz nahe war, ist Helmut Zieger. Die Sprengexperten haben während der Dauer ihres Aufenthalts in seinem Gästehaus gewohnt. Darunter sei auch ein Angehöriger der Bundeswehr aus Sonthofen gewesen, berichtet er. „Da ging es um das Vier-Augen-Prinzip, also dass einer mehr kontrolliert, ob auch alles stimmt“.

Ein letzter Blick von oben

Der Philippsburger Bürgermeister Stefan Martus hatte sich im Vorfeld extra nicht den genauen Zeitpunkt sagen lassen. „Viele haben natürlich bei mir nachgefragt und so konnte ich ruhigen Gewissens sagen, dass ich nichts weiß“. Ähnlich wie die paar Hundert anderen Zuschauer hat er sich den Zeitpunkt selbst zusammengereimt und war ab 5 Uhr auf seinem Aussichtspunkt. „Um 5.30 Uhr ertönte der erste Signalruf, das heißt, alle müssen den Sicherheitsbereich verlassen. Kurz darauf kam das zweite Signal und wenige Minuten nach sechs Uhr fiel der erste Turm“. Er ist erleichtert, dass alles gut verlief. Noch am Mittwochabend ist er mit einem befreundeten Piloten über dem Kernkraftwerk gekreist: „Das wollte ich unbedingt noch machen und da hat mich doch ein bisschen die Wehmut gepackt“.

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