Kreis Germersheim Zur Sache: Das Kappelmann-Gelände
Der ehemalige Baggersee Schauffele befindet sich zwischen dem Bahnhof Wörth, der Bundesstraße 9, der A 65 und der Hagenbacher Straße. Die Stadt Wörth hat das insgesamt rund 55 Hektar große Gelände im Mai 2017 für 1,3 Millionen Euro gekauft. Laut einem einstimmigen Grundsatzbeschluss des Stadtrates sollen das Wörther Stadion, der Kunstrasenplatz und die Tennisplätze dorthin verlegt werden, um im Zentrum zwischen Marktstraße, Mozartstraße und der Bahnlinie Wörth—Kandel Platz für Wohnbebauung zu schaffen. Die Sportanlagen sollen auf einer Fläche von 14,5 Hektar im Nordwesten des Schauffele-Geländes entstehen. Ein zehn bis 15 Meter breiter Streifen, der an das Bahngelände im Norden angrenzt, soll als Gewerbegebiet entwickelt werden. Vorgesehen sind bisher auch eine Fußgängerbrücke über den Güterbahnhof zu den Bahnsteigen des Bahnhofs Wörth und eine neue Radwegverbindung nach Maximiliansau. Bisher existieren lediglich Machbarkeitsuntersuchungen, die Details sind noch nicht beschlossen. Laut der Wörther Ortschronik nahm die Firma Schauffele im Sommer 1936 auf einer Fläche von zunächst zwei Hektar die Kiesproduktion auf. Infolge des Westwallbaus durch die „Organisation Todt“ in der zweiten Hälfte der Dreißigerjahre stieg die Kiesförderung – wie in anderen Kieswerken in Wörth – deutlich an: Um die Kiesproduktion für den Bau der Befestigungen entlang der französischen Grenze rasch zu erhöhen, räumte das Unternehmen laut Ortschronik um 1940 weitere vier bis fünf Hektar Ackerland ab - ohne Einwilligung der Grundbesitzer. 1948 war der See neun Hektar groß, heute erstreckt sich die Wasserfläche auf 29 Hektar. Laut einem Umweltgutachten wurde von ca. 1979 bis ins Jahr 2000 der nördliche Teil des Baggersees auf 17 Hektar Fläche verfüllt. Nach der Insolvenz der Schauffele-Gruppe übernahm 2007/2008 das niederländische Unternehmen „Smals Beheer“ das inzwischen stillgelegte Kieswerk. Smals wollte damals südlich der A 65 zwischen Wörth und Maximiliansau einen neuen Baggersee anlegen. Nach den Vorstellungen von Smals hätte das Unternehmen das Schauffele-Gelände als Freizeit oder Gewerbegebiet entwickelt, wenn die Stadt im Gegenzug den Weg für einen neuen Kiesabbau südlich der Autobahn freigemacht hätte. Doch der Stadtrat lehnte ab. Nach mehrjährigen Verhandlungen, auch zu den Altlasten auf dem Gelände, kaufte die Stadt das Gelände und übernahm damit auch die Verantwortung für die Altlasten. Laut einem Umweltgutachten von November 2018 ist der Boden des aufgefüllten Geländes und von Teilen des ehemaligen Kieswerks belastet. Diese Stellen müssen vor einer Neuerschließung saniert werden. Geschätzte Kosten: 864.000 Euro. Außerdem darf die Abraumhalde auf Höhe des Bahnhofs aus Umweltschutzgründen nicht bewegt werden, da das dort abgelagerte Material (Gipskeuper) andernfalls als Sondermüll entsorgt werden müsste.
