Kreis Germersheim Sportpolitik schafft Wohnraum

Der Badepark soll zum Ganzjahresbad werden und das Hallenbad dann abgerissen.
Der Badepark soll zum Ganzjahresbad werden und das Hallenbad dann abgerissen.

Die Sportanlagen an der Mozartstraße sollen an den ehemaligen Baggersee „Schauffele“ verlegt werden, das Hallenbad mit Sauna soll am Badepark neu errichtet werden: Baubeginn dürfte jeweils 2021 sein, auch wenn noch wichtige Beschlüsse ausstehen. Auf der freiwerdenden Fläche soll vor allem „Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten“ geschaffen werden, so der einstimmige Beschluss, auf den sich die Mehrheitsfraktionen CDU und Grüne und die SPD-Opposition im Vorfeld einer Stadtratssitzung geeinigt hatten.

Neu geplant werden kann auf 6,3 Hektar zwischen Mozartstraße, der Bahnlinie nach Kandel, der Bienwaldsiedlung und der Marktstraße, wo heute Stadion, ein Kunstrasenplatz, die Tennisplätze, das Hallenbad, den Festplatz und die Parkplätze auf der Nordseite des Dorschberg-Zentrums liegen. Bei einer vier- bis sechsgeschossigen Bebauung geht die städtebauliche Studie von einer Bruttogeschossfläche zwischen 66.000 und 95.000 Quadratmeter aus, nach Schätzung der RHEINPFALZ dürften 800 bis 1000 Menschen künftig dort wohnen. Für die neuen Sportanlagen kommen Kosten von rund 13 Millionen Euro zusammen, so die städtebauliche Konzeptstudie: Für ein Stadion und einen Kunstrasenplatz sowie verschiedene anderen kleinere Sportanlagen (6,8 Millionen Euro), Erschließung (950.000), „Event-Location“ (2,4 Millionen), Tennisclubheim (357.000), Tribüne (536.000), Lärmschutzwand (226.000), Kompaktierung der Abraumhalde (417.000), Altlastensanierung (864.000), Anlagen zur Kiesförderung (150.000) und Artenschutzmaßnahmen (258.000). Ein Teil der kleineren Sportanlagen soll laut Ratsbeschluss im Bürgerpark realisiert werden. Ein zweiter Kunstrasenplatz, vorgesehen für den Fußballverein Pfortz-Maximiliansau (FVPM), würde 1,06 Millionen Euro kosten. FVPM und Ortsbeirat Maximiliansau wollen aber für die nächsten Jahre lieber einen Kunstrasenplatz am Maximiliansauer Hafen. Die dortige Fläche mit zwei Sportplätzen (3 Hektar) gilt als mögliche Gewerbefläche, die die Stadt damit vorerst nicht zu Geld machen kann. Auf Drängen der CDU soll ein 10 bis fünfzehn Meter breiter Streifen im 15 des Schauffele-Geländes dagegen als Gewerbegebiet entwickelt werden (geschätzt 3000 bis 4500 Quadratmeter). Eventuell auch das angrenzende, wesentlich größere Bahngelände, das dann allerdings erst entwidmet werden müsste. In diesem liegen die Gebäude des ehemaligen Zollamtes, deren Besitzer laut der städtebaulichen Untersuchung die „M.+C. Hutter Gewerbevermietung“ ist. Deren Mitinhaber Christian Hutter kandidiert für die CDU für das Bürgermeisteramt in Hagenbach. Den Baukosten für die Sportanlagen stehen Einnahmen aus dem Verkauf der 4,5 Hektar („vermarktbare Grundstücksfläche“) beim Dorschberg-Zentrum gegenüber: Bei einem Quadratmeterpreis von 289 Euro hätte die Stadt die 13 Millionen Euro wieder hereingeholt – dazu einige zusätzliche Sportanlagen und noch den Bürgerpark aufgewertet. Da die Stadt im Abtswald den Quadratmeter zum Mindestgebot von 275 Euro angeboten hat, scheint dieser Preis bei Geschosswohnungsbau gut erzielbar. Allerdings: Garantieren kann niemand, wie sich Baukosten und Grundstückspreise entwickeln. Der zweite große Brocken ist der Ende 2016 grundsätzlich beschlossene Umbau des Badeparks zu einem Ganzjahresbad („Kombibad“): Die bestehende Wärmehalle am Badepark soll umgebaut werden und ein Hallenbad mit einem 25-Meter-Schwimmerbecken (5 Bahnen), einem Lehrschwimm-/Kursbecken und einem Kleinkinderbecken entstehen, außerdem ein Saunabereich. Kostenpunkt für den Neubau und Umbauten am Badepark: 21,2 Millionen Euro. Der Abriss des Hallenbades wird auf 357.000 Euro geschätzt, dazu muss man den Restwert des Hallenbades abschreiben. Ein Baubeginn ist derzeit 2020/21 vorgesehen. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt (ab 2021) dürfte auch die Sanierung der von 1974 bis 1977 errichteten Bienwaldhalle anstehen: Die Kosten hierfür schätzten Architekten auf 5,3 Millionen Euro, für einen Neubau an gleicher Stelle auf 7,6 Millionen Euro. Auch die Sanierung des Rathauses (eröffnet 1971) dürfte ein größerer Brocken werden: Bereits vor Jahren standen mehrere Millionen Euro Kosten im Raum – zusätzlich zu begonnenen oder beschlossenen größeren Vorhaben wie dem Bau einer Kindertagesstätte im Abtswald ab 2019 (Anteil der Stadt an den Baukosten etwa 3,1 Millionen Euro), der Friedhofshalle in Maximiliansau (3,7 Millionen Euro) oder der Kulturhalle in Schaidt. Im Vergleich dazu sind Verkehrsberuhigung und Aufwertung in Alt-Wörth finanziell überschaubar: Vorgesehen sind eine Reihe von Einzelmaßnahmen, die sich stückeln und zeitlich verschieben lassen. Allerdings kommt immer wieder eine Nordumgehung zwischen der Jockgrimer Straße nördlich des Gewerbegebiets „In den Niederwiesen“ über die Bahnlinie zum Abtswald ins Gespräch, um die Luitpold- Ludwig- und Ottstraße im Altort zu entlasten. Grob geschätzt dürfte die Straße fünf, sechs Millionen Euro kosten, die die Stadt wohl selbst zahlen müsste. Und einer Entlastung der Einwohner im Altort stünde eine zusätzliche Verkehrsbelastung des Baugebiets Abtswald Teil C gegenüber.

x